Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit

Mormonen exkommunizieren weiter eigene Gelehrte

Wieder wird einem Gelehrten der Mormonenkirche mit Ausschluss gedroht, weil er durch seine Studien festgestellt hat, dass etwas an der mormonischen Lehre nicht stimmen kann. Wie ich bereits in meinem Artikel Apologetik aufgezeigt habe, spaltet sich das Lager der Mormonengelehrten zusehends. Viele Wissenschaftler wollen ihre Erkenntnisse nicht mehr zurückhalten oder sich den auf Kirchedoktrin getrimmten FARMS-Gelehrten anschließen. Nicht wenige werden für ihre Überzeugung daher exkommunuziert oder verlassen die Gemeinschaft.


Washington Post
SALT LAKE CITY, Nov. 29,2002 -- Ein Hochschulabsolvent, der aus einer Mormonenfamilie stammt, gab bekannt, dass er wahrscheinlich nächste Woche aufgrund diverser Artikel, die von ihm verfasst wurden und welche die Echtheit des Buches Mormon in Frage stellen, exkommuniziert werden soll.

Thomas W. Murphy, 35, publizierte einen Artikel in May Signature Books Anthology, “American Apocrypha”, der mit Hilfe genetischer Daten die Ansicht des Buches Mormon widerlegt, die besagt, dass amerikanische Indianer heidnische Nachfahren der alten Israeliten seien. Das Ergebnis ist außerdem die These seiner Dissertation zum Doktor an der Universität von Washington.

"Uns wurde gelehrt, die Wahrheit zu sagen, nicht jedoch, wenn die Wahrheit der Kirchenlehre widerspricht. Ich ziehe es vor, die Wahrheit zu sagen", sagte er.

Murphy, der Vorsitzender der Abteilung für Anthropologie am Edmonds Community College in Lynnwood, Washington, ist, wird sich am 8. Dezember vor einem Kirchengericht wieder finden. Ihm wird erlaubt eine Aussage zu machen und Mitglieder des Rates werden versuchen, seine Einstellung zum Buch Mormon zu ändern.

Kirchensprecher Dale Bills verweigerte die Aussage zur Sache.

Lavina Fielding Anderson, eine Historikerin, die 1993 exkommuniziert wurde, sagte, dass Murphy einer von wenigstens drei Gelehrten ist, denen mit der Exkommunikation oder Ausstoßung in den letzten drei Monaten gedroht worden ist, was die Befürchtung verstärkt, dass es erneute Bemühungen seitens der Kirche gibt, dissidente Mitglieder zu läutern. (Quelle)


In der SALT LAKE TRIBUNE vom 30. November 2002, wird Murphy wie folgt zum Thema weiße und dunkle Ureinwohner Amerikas zitiert:

"Dass ist Rassismus. Wenn wir das Buch Mormon als Geschichte Amerikas präsentieren, verletzt die rassistische Darstellung der Lamaniten andere Menschen."

Weiter sprach sich Murphy kritisch gegenüber der Lehre aus, die besagt, dass schwarze Menschen einen Fluch haben sollen und beklagte das Fehlen von Minderheiten in der Führerschaft der Kirche. Außerdem kritisierte er die Einstellung der Kirche gegenüber der Rechte von Frauen und Homosexuellen sowie der Androhung von Exkommunikation gegenüber Gelehrten, die ehrlich mit den Problemen der Kirchengeschichte- und lehre umgehen.

09.12.2002
Aufgrund öffentlicher Proteste in Utah, setzt die Kirche das Gerichtsverfahren gegen Murphy zunächst aus. Der Bruder Murphys droht mit Austritt, im Falle einer Exkommunikation. Demonstranten vor dem Salt Lake Temple:


Bild: Salt Lake Tribune

Zum Thema Herkunft der Indianer und Genetik, siehe auch:
Herkunft der Völker und das Buch Mormon

Der Umgang der Mormonen mit kritischen Intellektuellen ist Teil der Diskriminierung innerhalb des Glaubens. Siehe dazu auch:
Diskriminierung im Mormonismus