Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit

Meine erste Begegnung mit Mormonen...


Guten Tag!

Ich möchte mich nur kurz vorstellen. Mein Name ist Nina, bin Studentin und wohne in Wien.

Mit diesem kurzen Schreiben an Sie möchte ich keine Fragen stellen, sondern ihnen einfach erzählen, wie zwei junge Männer der "Glaubensgemeinschaft der Mormonen", versucht haben mein Interesse für ihr Glauben zu wecken.

Ich wollte gerade zur Tür raussgehen um mir Zigaretten zu kaufen, plötzlich klopfte es an der Tür. Vor mir standen zwei junger Männer. Beide sehr schüchtern, was ich sofort bemerkte. Ich habe ihnen die "Chance gegeben" sich vorzustellen, und merkte sofort an, dass ich mich für einen Beitritt oder Sonstiges nicht interessiere. Normalerweise sage ich immer "Nein, danke" und mache die Tür zu.

Was mich allerdings dazu bewegte nicht sofort zu blockieren und die Tür zu zuknallen, war die Tatsache, dass, naja, sie mir irgendwie leid taten und ich einen Drang verspürte mit ihnen darüber zu diskutieren und ihnen allgemein meine Meinungen über solche Glaubensgemeinschaften darzulegen. Ich muss zugeben, ich habe schon mal von den Mormonen gehört, konnte sie jedoch nicht wirklich zuordnen. Ich bot ihnen daher an mich zur Trafik zu begleiten.

Auf dem Weg dorthin erklärte mir der Eine (der Andere war die ganze Zeit nur still), in kurzen Sätzen, an was und wieso sie daran glauben. Dieses "wieso" konnten sie mir nicht wirklich erklären, was mir schon im Vorhinein klar war. Aber ich wollte es wissen. Eine klare Antwort bekam ich nicht. Es stellt sich jetzt die Frage warum nicht? Ganz einfach.

Bereits im Vorhinein wusste ich, dass diese junge Menschen mit diesem Glauben aufwuchsen und es ihnen quasi in die Wiege gelegt wurde, was sich auch als die Wahrheit herausstellte. Was ich daraus interpretiere ist, dass diese Menschen garnicht wissen was für sie das WAHRE ist, weil sie nichts anderes kennen, außer vielleicht aus Erzählungen. Ich fragte sie, ob sie weggehen in bspw. eine Disko, etc. Der Eine antwortete, sie wären für 2 Jahre auf Mission und in dieser Zeit dürften sie das garnicht, aber zu Hause schon. Hm, merkwürdig. Für mich war das eindeutig, dass diese Menschen kein Leben hatten, immer nur das tun was man ihnen aufträgt. Das kann doch kein Leben bzw. keine Freiheit sein, was ich ihnen auch zu verstehen gab. Ich erzählte ihnen wie ich mein Leben führe und meine Auffassung über Religionen. Danach war es still....
Sie begleiteten mich noch zur Stiege und wir verabschiedeten uns. Weiß nicht, aber irgendwie sah ich in ihren Augen eine gewisse Trauer. Auf der einen Seite Trauer und auf der Anderen Glück, für einen kurzen Moment. Ich weiß garnicht, wie ich das beschreiben soll. Vielleicht ist es deswegen, weil sie immer nur von Gleichgesinnten umgeben sind und Andersdenkende sofort abblocken und sich nicht wie von Mensch zu Mensch unterhalten.

Was ich mit diesem Gespräch erreichen wollte war, sie etwas zum Nachdenken zu bewegen, um sich für sich selber einen klaren Gedanken zu fassen und sich zu fragen ob das wirklich das Wahre ist. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob sich das überhaupt etwas gebracht hat. Es kann aber auch sein, dass sie dadurch mehr unter Druck geraten und dann genau das Gegenteil von dem in Erscheinung tritt, was ich mir erhofft hatte oder versuchte zu vermitteln.
Als ich sie vor meiner Tür sah, spürte ich, dass ich, weiß nicht wie ich Ihnen das erklären soll, unbeding mit ihnen reden müsste, um ihnen Einblicke in das Leben von "Normaldenkenden" zu bieten. Ich fühlte mich geradezu von irgendetwas dazu getrieben. Man könnte auch sagen, dass wir die Rollen getauscht haben.

Ich wollte unbedingt erfahren, wer diese Mormonen tatsächlich sind und bin so auf Ihre Seite gestoßen. Besonders interessant finde ich Ihren Austritt, also wie die Menschen reagiert hatten usw. Ich kann mir vorstellen, wie es für Sie damals schwer war wieder sich selbst zu finden und vor allem damit fertig zu werden, dass Freunde, die Sie damals hatten, plötzlich Fremde oder sogar zu Feinde wurden. Ganz besonders dieses Wort Verräter. Wissen Sie was ich denke? Ich glaube diese Menschen wissen sehr wohl, dass so einiges in dieser Glaubensgemeinschaft nicht stimmt. Nur sie wollen es nicht wahr haben. Sie haben sich ein Leben aufgebaut. Die Gemeinschaft dient als Stütze. Es wird Geld und Zeit investiert und das wollen sie nicht aufgeben.
Etwas Neues wollen und können sie nicht akzeptieren. Das ganzes Leben oder einen Teil davon an etwas glauben und dann stimmt es doch nicht? Nein, das ist schwer zu akzeptieren. Außerdem ist man psychisch darauf so eingesellt, dass man diese Unwahrheit mit dem Gewissen, ja sogar mit dem ganzen Wesen, nicht vereinbaren kann, v.a. psychisch labile Menschen.

Ich habe für meine Matura in Religion das Thema Scientology als Prüfungstoff. Und ich nehme an, sie wissen worum es da geht. Purer Psychoterror! Ich kenne sogar jemanden, der bei den Zeugen Jehovas war, und sich nur schwer aus dieser Sekte befreien konnte.

Ich hoffe, nicht zu viel von Ihrer Zeit in Anspruch genommen zu haben und hoffe, dass Sie verstanden haben, was ich Ihnen mitteilen wollte. Ich musste es einfach loswerden...

Alles Gute und liebe Grüße,

Nina