Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit

Zum Thema Austritt: "..die Korrespondenz zwischen dir und der Kirche .. ist ein erschreckendes Beispiel.."

Lieber Holger,

vor fast 3 Jahren habe ich meine Facharbeit über die Mormonen geschrieben. Wie du so nett in deinem Hinweis für Schüler und Studenten geschrieben hast, dauert es schon eine Weile, bis man sich in die Materie hineingelesen hat :-).

Das Thema Austritt hat mich schon damals brennend interessiert, und ich habe zwar einige Aussteigerberichte gelesen, aber keine so ausführliche und ehrliche Seite gefunden wie deine. Ich muss dir ein ganzes großes "Respekt!!!" aussprechen, wieviel Arbeit und Mühe du dir damit gemacht hast, v.a. die Korrespondenz zwischen dir und der Kirche (Zustimmung zum gehen???) ist ein erschreckendes Beispiel dafür, wie es wirklich ist.

Und auch die Darstellung des Endowments ist wirklich mutig von dir, denn ich glaube, das werden die Mormonen gar nicht gerne sehen. Auch darüber wollte ich damals mehr Informationen haben, eben weil es so geheim ist. Aber zu dem Thema werden dann alle Türen geschlossen, so dass man den Eindruck hat, das muss irgendwas was Negatives sein, weil es so ein Geheimnis ist. In meinem Kaff wohnt der Vorsitzende (mit seiner Familie) der Kirche der Gemeinde des nächstgrößeren Ort. Ich habe sie damals besucht und mit ihnen diskutiert. Aber natürlich bin ich nicht so Bibel belesen, dass ich seinen Argumenten, was in der Bibel steht und was nicht etwas hätte entgegen setzen können. Es war schon paradox. Ich erinnere mich noch, auf die Frage nach Rauchen oder Kaffee, dass er mir geantwortet hat: "Natürlich kann ich das, keiner verbietet es mir. Aber dann muss ich eben die Konsequenzen tragen." - Also doch Zwang... Und das findet sich in dem ganzen System wieder, wie du es so treffend beschreibst.

Als Vorsitzender der Gemeinde hat er mir zwei Missionare nach Hause geschickt, die ich mit den Widersprüchen und dem Fehlverhalten von Joseph Smith konfrontiert habe. Sie wollten wissen, wo ich das her habe, und haben die entsprechenden Internetseiten als "mutwillig böse" etc. abgetan. Ich muss natürlich schon sagen, dass ich nicht das Wissen hatte, mit dem du beeindruckend deine Homepage füllst, so dass sie eben immer das letzte Wort behielten.

Was ich dir sagen möchte ist, dass ich deine Kraft bewundere, mit der du diesen Prozess schon jahrelang hinziehst. Lass dich auf keinen Fall von irgendwelchen Hasstiraden oder Drohbriefen unterkriegen. Es gibt genügend Leute, die von deiner Erfahrung profitieren.

Alles Liebe und viele Grüße
von

J. L..