Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit
Antwort auf einen Leserbrief zum Thema Buch Mormon

Ein Mitglied aus der Gemeinde Pratteln (Schweiz), schrieb mir folgenden Brief, als Anmerkung zu meinem Text: Ein Kommentar zu Daniel C. Petersons Immer neue Beweise für das Buch Mormon

Ich habe mir erlaubt, den Brief und meine Stellungnahme hier zu veröffentlichen.

  

Pratteln, 17, Januar 2001

Lieber Bruder Rudolph,

Kürzlich hat mir jemand ein paar Seiten aus Ihrer Home Page in die Hand gegeben über den Artikel von Daniel C. Peterson, die Seiten haben mit Archäologie und Herkunft des Buches Mormon zu tun. Zuerst muss ich Sie darauf aufmerksam machen; dass der Verfasser des Artikels nicht Mark E Peterson ist, der ist 1984 verstorben, war ein Apostel, es ist Daniel C. Peterson, der Präsident von FARMS, ein ganz interessanter Mann übrigens, den ich persönlich kennen gelernt habe. Da ist Ihnen ein böser Fehler passiert. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass Archäologen die nicht der Kirche angehören Dinge erforschen, um das Buch Mormon zu beweisen? Das wäre ja absurd. Interessant wird es für mich erst, wenn diese Männer Dinge herausfinden, die durch das Buch Mormon bestätigt werden, auch wenn diese es nicht wahr haben wollen. Ich mag nicht auf Ihre vielen Behauptungen eingehen, das sieht mir zu sehr nach Fehler suchen aus. Unsere Archäologen suchen auch nicht, um der Welt zu beweisen, dass das Buch Mormon wahr ist, aber gerade weil wir durch den Geist wissen, dass es wahr ist, werden deren Ausführungen interessant und helfen, Dinge im Buch Mormon noch besser zu verstehen. Auf mehreren Reisen durch die Länder des Buches Mormon, hatte ich selber Gelegenheit 3 dieser Männer zu treffen und wir hatten eine interessante Fireside mit ihnen. Auch wenn noch lange nicht alle dieselbe Meinung über die Lage einiger Orte haben, ist es doch interessant, festzustellen, dass das Buch Mormon ein geographisches Muster enthält, Distanzen erwähnt die man nachvollziehen kann und auch Gegenden beschreibt. Oft wird die Lage des betreffenden Ortes genannt. Ich war auf meiner ersten Reise sehr überrascht, das festzustellen. Das war mir vorher nicht aufgefallen. Ich habe viele alte Ruinen gesehen, die meisten wurden nach der BM‑Zeit gebaut aber oft an Orten, wo schon die "Preclassic‑Mayas" (BM‑Zeit) waren. Einige wenige Orte, wie Cerros oder Lamanai haben aber Ruinen die auf die BM Zeit datieren.

Ja Joseph Smith war wirklich ein Genie, alles so zu beschreiben, wie es den wirklichen Begebenheiten entspricht. und das, obwohl er nie im Land selber war. Wenn ich im Buch Mormon den geschichtlichen Zusammenhang lese und das geographische Muster beachte, dann sehe ich einfach, dass dies von Menschen aufgeschrieben wurde, die dort gelebt haben und die Gegenden gut kannten.

Das Buch Mormon wurde uns hinterlassen um uns näher zu Christus zu bringen. Es gibt wohl kein anderes Buch, das so oft über das Sühnopfer spricht und dessen Auswirkung erklärt, es bezeugt wirklich, dass auch die Bibel wahr ist.

Ich habe Sie immer als Hohen Rat sehr geschätzt und Ihre Ansprachen waren sehr interessant, Sie wissen sehr viel. Ich bedaure es sehr, dass Sie jetzt so gegen die Kirche schreiben. Sie kommen mir vor wie Korihor, denn ich weiss, dass Sie die Wahrheit kennen, warum verleugnen Sie sie?

In der Hoffnung, dass Sie in demütigem Gebet wieder Kraft schöpfen können um die Wahrkeit zu erkennen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüssen

 

 

auch liebe Grüsse an Ihre Frau.

 


Donnerstag, 18. Januar 2001

vielen Dank für Ihren Brief vom 17. Januar, den ich heute empfangen habe. Ich möchte gleich vorausschicken, dass ich mich hier nicht in eine endlose Diskussion verstricken will, die letztendlich keinen Sinn macht, sondern ich erlaube mir, Ihnen einige Gedanken bezüglich der Kommentare Ihres Briefes zu geben.

 Zunächst bedanke ich mich für den sinnvollen Hinweis, dass es sich bei dem genannten Autor nicht um Mark E. Peterson handelt. Natürlich muss es Daniel C. Peterson heißen. Ich kann beide selbstverständlich auseinanderhalten. Nur wer viel schreibt, dem unterlaufen ab und zu halt auch ein paar Schnitzer. Der Text ist übrigens im Internet auch noch auf einer anderen Seite vorhanden und dort völlig korrekt. Nur auf meiner Seite habe ich den Fehler scheinbar nicht gleich bemerkt. Dabei von einem "bösen Fehler" zu sprechen ist wohl etwas übertrieben, oder? Was ist ein böser Fehler? Hier handelt es sich lediglich um einen Leichtsinnsfehler, wie er immer mal wieder vorkommen kann. Er ändert an der inhaltlichen Korrektheit nichts, sondern weist mich nur darauf hin, dass ich meine Texte ab und zu Korrektur lesen lassen sollte, so wie das alle Buchautoren tun.

Meine Homepage ist mittlerweile sehr umfangreich geworden aber es scheint mir typisch für die Mitglieder der Kirche, dass man mit dem Hervorheben von eher oberflächlichen Problemen, die tiefe der Sache übergeht. Vielleicht haben Sie mit dem "bösen Fehler" aber eher meine Aussage zur archäologischen Forschung gemeint. Dazu möchte ich folgendes sagen:

Hier scheinen Sie einen anderen Punkt etwas falsch verstanden zu haben. Mit keiner Silbe habe ich erwähnt, dass unabhängige Forscher deshalb forschen, um Beweise gegen das Buch Mormon zu finden. Ich schrieb:

"Statt sich immer wieder auf diese "Beweise" zu stützen, sollte den Mitgliedern lieber einmal vor Augen geführt werden, wie viele Beweise es gegen das Buch Mormon gibt. Beweise, die dessen Authentizität unmöglich machen. Und um auf den Anfang zurückzukommen: Es wird deshalb nie möglich sein, das Buch Mormon zu beweisen, weil es bereits zu viele Beweise gegen seinen Wahrheitsanspruch gibt. Diese Gegenbeweise fehlen aber natürlich in allen diesen "glaubensstärkenden" Ausführungen, und - diese Gegenbeweise sind u.a. zentrale Dreh- und Angelpunkte betreffend der Anthropologie und Archäologie der Neuen Welt. Darum bleiben die "Forscher" der Mormonen auch unter sich, weil es niemanden außerhalb der Kirche gibt, der diese abenteuerlichen Behauptungen unterstützt. Oder erwähnt Peterson in seiner Ausführung Forscher anderer Institute als der BYU? Jahrelang haben wir diese dankbar angenommen, wie viele derer, die es heute noch tun. Doch so wie man heute in der Kirche kaum noch wagt, Quetzalcoatl mit Christus zu vergleichen oder Stela 5 als Baum des Lebens zu verkaufen, so werden all diese "neuen" Beweise auch ihren Meister finden. Und darum wird man sich weiterhin auf das Zeugnis des Geistes berufen - berufen müssen."

Was habe ich also geschrieben? Dass es Beweise gegen das Buch Mormon gibt und nicht, dass Forscher explizit danach suchen. Diese Beweise ergeben sich automatisch, wenn man sich intensiv mit der Neuen Welt und den heutigen Forschungsergebnissen auseinandersetzt. Man braucht nicht nach Beweisen gegen das BM zu forschen, denn diese sind in Hülle und Fülle vorhanden. Zum anderen sei hier aber auch erwähnt, dass sich namhafte Forscher, die nicht der Kirche angehören, mit den Behauptungen der Mormonen auseinandergesetzt haben und zu keinem anderen Ergebnis gekommen sind, als ich beschrieben habe. Darunter der bekannte Anthropologe Michael D. Coe, der John L. Sorenson von FARMS persönlich kennt.

Sie schrieben:

Interessant wird es  für mich erst, wenn diese Männer Dinge herausfinden, die durch das Buch Mormon bestätigt werden.

Wie steht es aber mit den vielen Dingen, die das Buch Mormon nicht bestätigen und es widerlegen? Wie viele in der Kirche ignorieren Sie diese Fakten.

Ich habe in den letzten 1,5 Jahren sehr viel über das BM und die Neue Welt gelesen und die Aussagen der Kirche - und der von FARMS - mit denen der heutigen Erkenntnisse verglichen und es bleibt nur die eine Schlussfolgerung: Das BM ist ein Produkt der Denkweise des 19. Jahrhunderts. Niemand außer den Mitgliedern der Kirche würde heute zu einem anderen Ergebnis kommen.

Damit FARMS-Theoretiker ihre Thesen aufrechterhalten können, müssen sie folgendes tun:

1. Der offiziellen Lehre (sofern es denn eine gibt) der Kirche in bestimmten Punkten widersprechen
2. Die heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse ignorieren

Ein Bsp. dafür ist die These zur Geografie des BM von John L. Sorenson. Kirchenführer wie Joseph Smith haben gelehrt, dass die Menschen des BM über ganz Nord- und Südamerika verbreitet waren und die Ureinwohner ausschließlich von den Hebräern abstammen. So steht es auch heute noch im Vorwort zum BM.

Im 20. Jahrhundert musste man diese Ansicht teilweise revidieren, da man herausfand, dass die Ureinwohner Amerikas von Asien kamen. Die Kirche ( z.B. McConkie) beharrte aber darauf, dass die Hauptblutlinie hebräisch sei mit dem Einschub, dass es auch andere Immigrationen aus Asien gegeben hat. Heute begrenzen Apologeten das BM-Gebiet auf einen sehr kleinen Bereich und können in keinster Weise eine hebräische Abstammung belegen. Weder linguistisch noch kulturell. Im Gegenteil. Genetische Forschungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Ureinwohner mongolider Herkunft sind ( mit wenigen Ausnahmen eurasischer oder kaukasoider - Kennewick Mann -Einwanderer im Pleistozän ) und nicht mal partiell semitisch. Im Moment läuft eine große genetische Studie an der BYU an, die letztlich nichts anderes Beweisen wird. Einen entsprechenden Artikel aus der Salt Lake Tribune lege ich bei.

Ich könnte hier noch vieles andere aufzählen aber wir wollen ja nicht diskutieren. Ich habe mich dazu umfangreich auf meiner Homepage geäußert und sie können dort gerne ein wenig stöbern. Die Page ist frei von Polemik und bemüht sich um Sachlichkeit. Sie finden die Seite unter: http://www.mormonismus-online.de oder über die gängigen Suchmaschinen. Folgende Themen zum BM sind dort zu finden:

4.3   Das Buch Mormon

4.3.1   Die richtige Fragestellung

4.3.2   Das Hervorkommen des Buches Mormon

4.3.3   Die Art und Weise der Übersetzung

4.3.4   Die Sprache des Buches Mormon

4.3.4.1   Reformiertes Ägyptisch

4.3.4.2   Die Abschrift für Professor Anthon

4.3.4.3   Die Sprachsysteme der Neuen Welt

4.3.5   Die verlorenen 116 Seiten

4.3.6   Das Buch Mormon als Grundlage für Archäologie?

4.3.7   Archäologie und Anthropologie

4.3.7.1   Die Herkunft der amerikanischen Völker

4.3.7.2   Zeittafel des Alten Amerika

4.3.7.3   Religionsformen der Neuen Welt und das Christentum

4.3.7.4  Metallurgie

4.3.7.5   Zahlungssysteme

4.3.7.6    Geographie

4.3.7.7   Domestizierte Tiere

4.3.7.8   Agrarwirtschaft

4.3.7.9  Maschinen, Räder und Wagen

4.3.7.10   Der Tempel Nephis

4.3.7.11   Diverse Themen

4.3.7.12   Das Problem der Sichtweise

4.3.7.13   Das alte Amerika spricht?

4.3.7.14   Stand Archäologischer Forschungen

4.3.7.15   Renomierter Mormonengelehrte erkennt Realität

4.3.8   Weitere offene Fragen

4.3.8.1   Fehlende zentrale Lehren im Buch Mormon

4.3.8.2   Griechisch im Buch Mormon?

4.3.9   Die Herkunft des Buches Mormon

4.3.9.1   Quellen des 19. Jahrhunderts

4.3.9.2   B.H. Roberts und „View of the Hebrews”

4.3.9.3   Parallelen zu Adair

4.3.9.4   Das Vorwort zur King James Bibel

4.3.9.5   Das Westminster Bekenntnis

4.3.9.6   Lehis Traum

4.3.9.7   Die Jesaja-Texte

4.3.9.8  Parallelen zum Neuen Testament

4.3.9.9 Fazit

4.3.10   Änderungen im Buch Mormon

4.3.11   Namen im Buch Mormon

4.3.12   Computeranalyse als Beweisgrundlage?

4.3.13   Schlussfolgerung

Sie sehen, es ist relativ umfangreich. Ich will ihnen damit nur aufzeigen, dass ich mich mit dem Thema wirklich beschäftigt habe.

Um mich aber selbst nicht als Gelehrten darzustellen, möchte ich den Anthropologen Michael D. Coe zu Wort kommen lassen und zitiere von meiner Homepage:

Alte Theorien

"Spekulationen über die Rassenzugehörigkeit und den Ursprung der Bewohner der Neuen Welt begannen schon mit dem ersten Eintreffen der Europäer. Kolumbus hielt sie für Eingeborene Ostindiens... Während des 16. Jahrhunderts gab es nicht wenige sehr gebildete Mönche und Priester, die in Mexiko die verschiedensten Überlieferungen der Eingeborenen gehört hatten, die besagten, dass deren Vorfahren in Booten über das Meer nach Amerika gelangt seien. Aufgrund dessen waren viele Missionare davon überzeugt, sie hätten es mit den Abkömmlingen der im Alten Testament erwähnten Zehn Verlorenen Stämme Israels zu tun. Nicht einmal die Tatsache, dass nicht ein Stamm oder Volk Hebräisch oder eine damit verwandte Sprache sprach, vermochte diese Theorie zu entkräften, die jahrhundertelang weiterlebte und selbst gegenwärtig noch ihre Anhänger hat." [1]

"Nach der Amerikanischen Revolution (1770-1776), als die Weißen nach Westen über die Appalachen in indianisches Territorium vordrangen, tauchten erneut die verschiedensten Spekulationen auf, insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Die Siedler fanden in den Stromtälem des Ohio und Mississippi Mounds (Erdhügel) aus vergangenen Epochen, für die die jetzt dort lebenden Indianer keine Erklärung wussten. In einigen »Begräbnis-Hügeln« wurden Kupfergegenstände, Perlen, Glimmer sowie andere prachtvolle Beigaben entdeckt. Die geheimnisvollen Menschen, die diese Anlagen errichtet hatten, bezeichnete man als ‘Mound Builders’ (Hügelbauer). Da damals rassistische Vorurteile und allgemein anti-indianische Ressentiments an der Tagesordnung waren, nahm man an, die Architekten der ‘Mounds’ könnten unmöglich die Indianer, sondern müssten eine seit langem untergegangene weiße Rasse sein.

Die Vorstellung, Weiße hätten schon lange vor Kolumbus Amerika bewohnt, wurde zusätzlich genährt von dem über weite Strecken gefälschten Bericht über Madoc, einen aus Wales stammenden Kolonistenführer, der angeblich schon 300 Jahre vor Kolumbus die Neue Welt erreicht haben soll. Man glaubte geraume Zeit, selbst heute noch gibt es vereinzelte Vertreter dieser Richtung, dass es ‘weiße’ Indianer unter den Stämmen der Plains gäbe....Diese Ansichten beeinflussten zweifellos auch das Denken Joseph Smiths (1805-1844), des Gründers der Glaubensgemeinschaft der Mormonen."
Coe geht dann kurz auf den Inhalt des Buches Mormon ein, indem er u.a. die mit einer dunklen Hautfarbe gestraftenLamaniten erwähnt. Er fährt fort:
"Als Joseph Smith über die Entdeckungen Stephens und Catherwoods in den Ruinenstädten der Maya in Mexiko und Zentralamerika las, behauptete er sogleich, diese Bauwerke seien von den Nephiten errichtet worden., weil er die ‘primitiven’ Indianer solcher  kultureller Meisterleistungen nicht für fähig hielt. Aber Smith war nicht der einzige, der sich von der Geschichte über das Schicksal der Zehn Verlorenen Stämme Israels inspirieren ließ." [2]

Gibt es Hinweise auf Das Buch Mormon?

"Die nackte Tatsache ist, dass nichts, absolut nichts, aus den Ausgrabungen der Neuen Welt einem leidenschaftslosen Beobachter einen Hinweis geben würde, dass das Buch Mormon, wie von Joseph Smith behauptet, ein historisches Dokument sei, das von den frühen Bewohnern unserer Hemisphäre handelt...Lassen sie mich nun ganz unkategorisch feststellen, dass es, so weit ich weiß, keinen professionellen Archäologen gibt, der kein Mormone ist, der irgendeine wissenschaftliche Beweisgrundlage für die Wahrheit des Genannten sieht und ich möchte behaupten, dass es einige Mormonen Archäologen gibt, die sich dieser Gruppe anschließen."[3]

Die New World Archeological Foundation, eine Organisation die von der Kirche gegründet wurde, um archäologische Beweise für das Buch Mormon zu finden, wurde aufgegeben:

"Ich bin weiterhin erstaunt, wie HLT-Archäologen in Mesoamerika arbeiten - darunter einige sehr gute - in dem sie ihre Funde mit der offiziellen Kirchenhaltung über die präkolumbianischen Menschen von Südmexiko in Einklang bringen. Die 'New World Archeological Foundation' wurde letztendlich von der Kirche aufgegeben, was deren wachsendes Bewusstsein widerspiegeln mag, dass trotz Jahrzehnten von eifrigen archäologischen Forschungen in diesem Gebiet, absolut nichts relevantes in Zusammenhang mit dem Buch Mormon jemals hervorgekommen ist ( unter buchstäblich Millionen von ausgegrabenen Artefakten )."[4]

Was lief mit der Archäologie der Mormonen schief und wie sieht Coe die Archäologen der Kirche?

"Was ist darum mit der Archäologie der Mormonen schief gelaufen?... Mormonenintellektuelle haben, so scheint es mir, drei Wege gewählt, um sich aus dem Dilemma zu bringen. Die mehr Traditionellen, wie mein Freund John Sorenson, haben versucht ihre strengen Ältesten mit der Begründung von der Buch Mormon Archäologie wegzulotsen, dass nicht einmal die beste und fortgeschrittenste Forschung jemals in der Lage gewesen sei, auf Grundlage reiner Archäologie, die historischen Details der Bibel, z.B. die Existenz Jesu Christi, zu bestätigen....Der zweite Ausweg ist den Liahona-Weg für das Problem (eine Gruppe von Intellektuellen in der Kirche, die keine Grundlage für eine BOM Archäologie sehen und das Buch mehr als einen geistigen Führer betrachten) zu wählen. Dies ist offensichtlich Greens Weg, wie der vieler anderer Mormonen Archäologen, die ich kenne. Aber was macht man dann mit dem Buch Mormon selbst? Sogar der nur gelegentliche Student wird erkennen, dass die HLT-Ethik nur gering auf das Buch Mormon gestützt ist..., denn, seine Ethik ist sehr auf solche Nach-Buch-Mormon-Dokumente gebaut, wie die Lehre und Bündnisse. Und was fängt jemand mit Joseph Smith an, obwohl er ein großer Mann war, mit seiner ungeheuerlichen Behauptung 'Reformiertes Ägyptisch' übersetzten zu können, mit den lächerlichen 'Kinderhook-Platten', mit dem 'Buch Abraham', mit Zelph, dem 'weißen Lamaniten' [ siehe dazu Buch Mormon - Archäologie - Geographie ] und all dem anderen Unsinn, der im 19. Jahrhundert entstanden ist, eine amerikanische Subkultur, die intellektuell auf weißer Souveränität und Tendenz zur Befürwortung der Expansionspolitik gegründet ist?
Der dritte Weg aus dem Dilemma ist der Abfall. Ich möchte nicht länger auf diesem schmerzlichen Thema verweilen, sondern nur herausstellen, dass viele ungewöhnlich begabte Gelehrte, die ich als Freunde ansehe, genau diesen Weg gewählt haben. "[5]

Abschließend gibt Michael Coe folgenden Rat:

"Abschließend möchte ein Betrachter von außen, so wie ich, folgende Vorschläge machen: Vergesst die bislang fruchtlose Suche nach den Jarediten, Nephiten, Mulekiten und dem Land Zarahemla und Bountiful. Die Chance diese zu finden ist genauso groß, wie die Entdeckung der Ruinen des Schachts des Abgrunds im Buch der Offenbarung. Es war Hugh Nibley selbst, der Mormonenphilosoph und Historiker, der die Nutzlosigkeit solcher Unternehmungen betont hat. Führt die lobenswerten Ausgrabungen in Mexiko mit dem Bewusstsein fort, dass wenig oder nichts in Zusammenhang mit dem Buch Mormon hervorkommen wird und beginnt Euch mit der Archäologie der Überreste der Heiligen selbst zu beschäftigen."[6]

(Folgende Zitate wurden nachträglich eingefügt)

Dazu auch Michael Crawford ein Professor der Universität von Kansas auf dem Gebiet der biologischen Anthropologie:

"Ich denke es gibt auch nicht einen minimalen Hinweise darauf, dass ein verlorener Stamm Israels seinen Weg in die Neue Welt gefunden hat. Es ist eine große Geschichte, die durch nackte Tatsachen zerschlagen wurde." [7]

Simon Southerton, ein ehemaliger Bischof und Molekularbiologe, der aufgrund der genetischen Erkenntnisse die Kirche verlassen hat, machte folgende Aussage:

"Die existierenden DNA Forschungen zeigen auf überwältigende Art und Weise, dass die eingeborenen Amerikaner und Polinesier, Nachfahren asiatischer Vorfahren sind. Ist es ehrlich, die Mitglieder der Kirche in Hinblick auf die Berge von Beweisen für diese Fakten im Dunkeln zu lassen, während man über die Mächtigkeit dieser Technologie diskutiert, um genealogische Verwandschaften offenzulegen? " [8]

Sie können aus diesen Aussagen Ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen.

Abschließend noch eine Bemerkung zu Ihrer Aussage, dass ich ein Korihor sei und wider meinem Wissen, gegen die Kirche schreiben würde. Sie schrieben:

Ich habe Sie immer als Hohen Rat sehr geschätzt und Ihre Ansprachen waren sehr interessant, Sie wissen sehr viel. Ich bedaure es sehr, dass Sie jetzt so gegen die Kirche schreiben. Sie kommen mir vor wie Korihor, denn ich weiss, dass Sie die Wahrheit kennen, warum verleugnen Sie sie?

Richtig, ich kennen die Wahrheit. Doch sie lautet anders, als die ihrige. Sie lautet:

Die Kirche ist nicht die einzig wahre Kirche auf der Erde und Joseph Smith war kein Prophet. Das Buch Mormon ist nicht, was es vorgibt zu sein. Ich habe mich als Mitglied geirrt.

Und wenn ich Ihnen einen Rat mit auf den Weg geben kann, dann lautet der wie folgt, ohne dass Sie diesen bitte persönlich nehmen:

Die sind die Weisen, die vom Irrtum zur Wahrheit reisen. Das sind die Narren, die im Irrtum verharren. (Autor unbekannt)
Ich bin weder ein Korihor, noch ein Anti-Mormone, noch ein Anti-Christ. Ich bin ein moderner Galileo Galilei, der einem kleinen Volk von ideologisch gefangenen Menschen - zu denen er selbst einmal gezählt hat - im übertragenen Sinne zu erklären versucht, dass die Erde keine Scheibe ist, sondern eine Kugel. Für diesen ehrlichen Versuch wurde ich als Häretiker deklariert und exkommuniziert. Aber ich widerrufe nicht, sondern bin mit meiner Rolle sehr zufrieden.

Ich habe den Schritt aus der Kirche nie bereut. Er ist eine Bereicherung in meinem Leben und eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auf Ihrem Weg alles Gute, auch wenn ich mit meinen Worten wahrscheinlich nichts erreicht haben werde.

In freundlicher Verbundenheit

H. Rudolph



Fußnoten:

[1] Michael D. Coe, Weltatlas der Alten Kulturen, Amerika vor Kolumbus, 1993, S.24

[2] Michael D. Coe, Weltatlas der Alten Kulturen, Amerika vor Kolumbus, 1993, S.24

[3] Michael D. Coe, Mormons and Archeology: An Outside View. Dialouge, 1973

[4] Aus einem Brief von Michael D. Coe, vom 15.02.1996, an Craig Churchill

[5] Michael D. Coe, Mormons and Archeology: An Outside View. Dialouge, 1973

[6] Michael D. Coe, Mormons and Archeology: An Outside View. Dialouge, 1973

[7] Zitiert aus der Salt Lake Tribune vom 30. November 2000

[8] Zitiert aus der Salt Lake Tribune vom 30. November 2000