Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit

LETZTES BEKENNTNIS UND LETZTE ERKLÄRUNG JOHN D. LEES

Kapitel XVIII

Aufgrund seines Diktates geschrieben und William W. Bishop, Lees Rechtsanwalt, mit der Auflage übergeben, dass selbiges veröffentlicht werde.

(Aus dem englischen Original übersetzt von Manfred Trzoska, überarbeitet von Holger Rudolph. Der Text scheint an manchen Stellen etwas "holprig" zu klingen. Dies liegt an der für die heutige Zeit nicht sehr gebräuchlichen Satzstellung des Verfassers. Es wurde versucht, so nah wie möglich am englischen Original zu bleiben. Dies hat zur Folge, dass sehr viele geschachtelte Sätze vorkommen)

Als eine Pflicht mir, meiner Familie und der Menschheit im allgemeinen gegenüber beabsichtige ich eine vollständige und wahre Erklärung von allem abzugeben, was ich weiß und in jener unglaublichen Affäre tat, die mein Dasein verfluchte und mich zu einem Wanderer von Ort zu Ort in den letzten 19 Jahren machte und die der Welt als das MOUNTAIN-MEADOWS-MASSAKER bekannt ist. Ich habe niemandem gegenüber Rachegefühle, keine Feinde, die ich mit dieser Erklärung bestrafen und keine Freunde, die ich beschützen möchte, indem ich Dinge zurückhalte oder irgendwelche Fakten in Verbindung mit dem Massaker noch länger geheim halte. Ich glaube, dass ich alles erzählen muss, was ich weiß, und alles so erzählen muss, wie es sich zugetragen hat. Ich werde die Wahrheit sagen und der Öffentlichkeit gestatten zu beurteilen, wer am meisten für das Verbrechen, dessen ich angeklagt werde zu beschuldigen ist. Ich habe nicht allein gehandelt. Ich hatte viele, die mir auf den Mountain Meadows (Bergwiesen) helfen sollten. Ich glaube, dass die meisten, die etwas mit dem Massaker zu tun und an der beklagenswerten Verrichtung teilhatten, die den Charakter aller geschwärzt hat, die als Helfer oder Anstifter dabei waren, unter dem Eindruck handelten, dass sie eine religiöse Pflicht erfüllten. Ich weiß, dass alle unter den Befehlen und durch Gebot ihrer Kirchenführer handelten, und ich glaube fest, dass die meisten derjenigen, die an den Handlungen teilnahmen, es als eine religiöse Pflicht ansahen, ohne Hinterfragung der Anordnung zu folgen, die sie erhalten hatten. Ich habe nie bezweifelt, dass sie aus einem Gefühl der Pflicht gegenüber der Mormonenkirche handelten. Im Glauben, dass diejenigen, die bei mir waren, bei jener Gelegenheit aus einem Gefühl der religiösen Pflichterfüllung heraus handelten, habe ich treu ihre Schuld geheimgehalten und geschwiegen und bin dem Eid der Geheimhaltung, den ich auf dem blutigen Feld auf mich nahm, viele lange und bittere Jahre treu geblieben. Ich habe niemals diejenigen verraten, die mit mir handelten und an dem Verbrechen teilhatten, für das ich verurteilt bin und für das ich den Tod erleiden soll. Meine Anwälte, insbesondere Wells Spicer und Wm. W. Bishop, haben lange aber vergeblich versucht, mich dazu zu bewegen, alles zu erzählen, was ich vom Massaker und den Ursachen, die dazu führten, weiß. Bis heute habe ich mich geweigert die Geschichte zu erzählen. Bis hin zu den letzten paar Tagen war ich bereit zu sterben - und wenn ich schon sterben muss - ohne ein Wort an die Öffentlichkeit in bezug auf jene zu geben, die sich freiwillig oder unfreiwillig an dem Werk der Zerstörung in den Mountain Meadows (Bergwiesen) beteiligten. Länger zu zögern oder schweigend zu sterben wäre ungerecht und feige. Ich will das Geheimnis nicht länger für mich behalten, sondern alles erzählen, was ich weiß. Auf ernstliches Bitten einiger weniger verbliebener Freunde hin und aufgrund des Rates von Mr. Bishop, meinem Berater, der mich soweit mit all seinem Können ungeachtet meines Geldmangels - ich könnte nicht einmal die Kosten für den Beistand für die Gerichtsverhandlungen bezahlen - verteidigt hat, bin ich zu dem Schluss gekommen, die Tatsachen so niederzuschreiben, wie ich sie kenne. Ich kann nicht vor den Richter der Lebendigen und der Toten treten, ohne zuvor alles zu offenbaren, was ich darüber weiß, wie es getan wurde, wer mir zu dem, was ich getan habe, den Befehl gab und über die Motive, die zur Ausführung dieser unnatürlichen und blutigen Tat führten.

Die unmittelbaren Befehle zur Tötung der Aussiedler kam von den Autoritäten in Cedar City. Zur Zeit des Massakers handelten ich und diejenigen, die bei mir waren, kraft ausdrücklicher Befehle von Isaac C. Haight und seinen Mitgenossen in Cedar City. Bevor ich mich zu meinem Auftrag in die Mountain Meadows aufmachte, wurde mir von Isaac C. Haight gesagt, dass seine Befehle an mich das Ergebnis einer vollen Rücksprache mit Colonel William H. Dame und aller Bevollmächtigten wären. Es wäre neu für mich, wenn das Massaker nicht von den Führungsmännern der Kirche entschieden worden wäre, und es ist neu für die Mormonen, diejenigen zu verdammen, die die Tat ausgeführt hatten ... Um den 7. September 1857 herum ging ich nach Cedar City von meinem Heim in Harmony aus auf Befehl von Präsident Haight. Ich wusste nicht, was er von mir wollte, aber er hatte mir befohlen, ihn zu besuchen, und ich gehorchte. Wenn ich mich recht erinnere, war es Sonntagabend, als ich dort ankam. Als ich nach Cedar City kam, traf ich Isaac C. Haight auf dem öffentlichen Platz der Stadt an. Haight war damals Präsident des Zion-Pfahles und der höchste Mann im Mormonenpriestertum in jenem Bezirk, gleich nach William H. Dame in ganz Süd-Utah, und als Lieutenant Colonel war er der zweite nach Dame in der Hierarchie des Iron-Militär-Distrikts. Das Wort und der Befehl Isaac C. Haights waren damals das Gesetz in Cedar City und seinen Befehlen nicht zu gehorchen bedeutete den sicheren Tod. Ob richtig oder falsch, keinem Mormonen war es gestattet, sie in Frage zu stellen. Ihre Pflicht war Gehorsam oder Tod. Als ich Haight traf, fragte ich ihn, was er von mir wollte. Er sagte, dass er ein langes Gespräch über private und besondere Angelegenheiten haben möchte. Wir nahmen uns einige Decken und gingen hinüber zum alten Eisenwerk und lagen dort in jener Nacht, so dass wir dort unter uns und in Sicherheit reden konnten. Nachdem wir an dem Eisenwerk angekommen waren, erzählte Haight mir alles über die Aussiedler-Kolonne. Er sagte (und ich glaubte damals jedes Wort, das er sprach, denn ich glaubte, es wäre unmöglich für einen, der so hoch im Priestertum stand wie er, der Lüge schuldig zu sein), dass die Auswanderer ein roher Menschenschlag seien. Dass sie, während sie durch Utah zogen, alle Mormonen, denen sie begegneten, sehr beschimpft hätten. Dass sie viele Mormonenfrauen beleidigt, geschändet und vergewaltigt hätten. Dass die Beschimpfungen, die von den Auswanderern auf das Volk während ihrer Reise von Provo nach Cedar City angehäuft wurden, sehr beständig und beschämend gewesen seien. Dass sie Zäune niedergebrannt und wachsende Feldfrüchte zerstört hätten. Dass sie an vielen Stellen des Weges das Wasser vergiftet hätten, so dass alle Leute und das Vieh, die von dem Wasser tranken, krank wurden und viele an der Giftwirkung starben. Dass diese nichtswürdigen Heiden öffentlich verkündeten, dass sie die Pistole hätten, mit der der Prophet Joseph Smith ermordet wurde, und sie hätten gedroht, Brigham und alle Apostel zu töten. Dass sie, als sie in Cedar City waren, gesagt hätten, dass sie Freunde in Utah hätten, die Brigham Young am Hals aufhängen würden, bis er tot wäre, noch ehe Schnee in diesem Territorium fallen würde. Sie sagten auch, dass Johnston mit seiner Armee aus dem Osten kommen würde und dass sie von Kalifornien sobald wie möglich mit Soldaten zurückkehren und dann das Land verwüsten und jeden verdammten Mormonen, Mann, Frau und Kind, die sie in Utah finden könnten, töten würden. Dass sie die Verordnungen der Stadt von Cedar verletzt hätten und sich den Beamten, die versuchten, sie wegen Verletzung des Gesetzes einzusperren, mit Waffengewalt widersetzt hätten. Dass die Auswanderer, nachdem sie Cedar City verlassen hatten, auf den Feldern der Genossenschaft direkt bei Cedar City lagerten und einen großen Teil des Zaunes niederbrannten und die Feldfrüchte für große Viehherden in der Umgebung offen liegen ließen. Auch dass sie dem Corn-Creek-Indianerstamm vergiftetes Fleisch gegeben hätten, was etliche von ihnen getötet hätte, und ihr Häuptling Konosh befände sich auf der Fährte der Aussiedler, um sie bald anzugreifen. All diese Dinge und vieles ähnliches mehr erzählte mir Haight, als wir in der Dunkelheit am alten Eisenwerk lagen. Ich glaubte alles, was er sagte, und im Glauben, er hätte das volle Recht, alles zu tun, was er wollte, war ich mit Leichtigkeit dazu bewegt worden, seine Anweisungen zu befolgen. Haight sagte, wenn nicht etwas getan würde, um es zu verhindern, würden die Aussiedler ihre Drohungen wahr machen und jeden in den außenliegenden Siedlungen im Süden berauben und das ganze Mormonenvolk wäre in Gefahr, von den Truppen, die die Aussiedler aus Kalifornien zurückbringen würden, abgeschlachtet zu werden. Mir wurde damals gesagt, dass der Rat an jenem Tag eine Versammlung abgehalten hätte, um über die Sache nachzudenken, und dass von den Autoritäten beschlossen worden wäre, die Indianer zu bewaffnen, ihnen Proviant und Munition zu geben und sie den Aussiedlern hinterherzuschicken, um sie mit den Indianern in ein Handgemenge zu bringen, und wenn sie einen Teil oder alle von ihnen töteten, um so besser. Ich sagte: "Bruder Haight, welcher Bevollmächtigte hat ihnen gesagt so zu verfahren?" Er erwiderte: "Es ist der Wille aller, die Vollmacht haben. Die Aussiedler haben von niemandem die Erlaubnis, das Land zu durchqueren und sie sind in Gefahr als gewöhnliche Feinde getötet zu werden, denn das Land befindet sich jetzt im Kriegszustand. Niemand hat das Recht dieses Land ohne schriftliche Genehmigung zu durchqueren." Wir lagen dort und redeten einen Großteil der Nacht hindurch und während dieser Zeit gab mir Haight sehr genaue Anweisungen darüber, was zu tun wäre und wie in der ganzen Affäre vorzugehen sei. Er sagte, er hätte sich mit Colonel Dame beraten und jeder hätte zugestimmt, durch die Indianer den gesamten Treck niedermachen zu lassen, wenn sie dazu in der Lage wären. Haight sagte dann: "Ich erwarte von Ihnen, dass Sie Ihre Befehle ausführen."

Ich wusste, dass ich zu gehorchen oder zu sterben hatte. Ich hatte kein Verlangen, nicht zu gehorchen, denn damals dachte ich, dass meine Vorgesetzten in der Kirche die Mundstücke des Himmels wären und dass es ein Akt der Frömmigkeit für mich gewesen wäre, jedem Befehl, der mir von ihnen gegeben worden wäre, zu gehorchen ohne ihn in Frage zu stellen. Meine Befehle bestanden darin, nach Harmony heimzugehen und mich mit Carl Shirts, meinem Schwiegersohn, einem Indianer-Übersetzer, zu treffen und ihn zu den Indianern im Süden zu schicken, um ihnen bekannt zu machen, dass sich die Mormonen und die Indianer mit den "Mericats" (wie die Indianer alle Weißen nannten, die nicht Mormonen waren) im Kriegszustand befänden, und alle Indianer des Südens herzubringen und sie sich mit denen aus dem Norden vereinigen zu lassen, so dass ihre Kampfkraft ausreichend wäre, um gegen die Aussiedler einen erfolgreichen Angriff vorzunehmen. Man kam überein, dass Haight Nephi Anderson, einen anderen Indianer-Übersetzer, senden würde, um all die anderen Indianer, die er finden könnte aufzuwiegeln, um eine ausreichend große Macht an Indianern zu haben, um die Aussiedler gut zum Schweigen bringen zu können. Er sagte: "Dies sind die Befehle, denen der Rat zugestimmt hat und sie stehen im Einklang mit den Gefühlen des ganzen Volkes."

Ich fragte ihn, ob es nicht besser wäre, erst nach Brigham Young um Anweisungen zu senden und herauszufinden, was er über die Sache dächte. "Nein", sagte Haight, " das ist unnötig, wir handeln aufgrund von Befehlen. Einige der Indianer befinden sich jetzt auf dem Kriegspfad und alle von ihnen müssen hinausgesandt werden; alle müssen gehen, damit die Sache ein Erfolg wird." Es war damals beabsichtigt, dass die Indianer die Aussiedler töten sollten und dass es ein Indianermassaker werde sollte und kein Weißer damit zu tun haben sollte. Ich sagte zu Haight: "Sie wissen, wie die Indianer sind. Sie werden die ganze Gesellschaft, Frauen und Kinder genauso wie die Männer töten, und Sie wissen, dass wir gelobt haben, kein unschuldiges Blut zu vergießen." "Oh ...!" sagte er, "es wird kein einziger Tropfen unschuldigen Blutes vergossen worden sein, wenn jeder von dem verdammten Pack getötet ist, denn sie sind der schlechteste Haufen von Gesetzlosen und Schurken, die ich je in meinem Leben gesehen habe." Wir wurden uns in der ganzen Sache darüber einig, wie jeder einzelne zu handeln hätte, und verließen dann die Eisenfabrik und gingen zu Haights Haus und frühstückten. Nach dem Frühstück machte ich mich zum Aufbruch fertig und Haight sagte zu mir: "Geh, Bruder Lee, und sieh zu, dass den Anweisungen derer, die Vollmacht haben, gehorcht wird, und so wie du hierin gehorsam bist, so wird deine Belohnung im Reich Gottes sein, denn Gott wird diejenigen segnen, die bereitwillig seinem Ratschluss gehorchen und alle Dinge für das Volk in diesen letzten Tagen klarmachen."

Ich verließ Cedar City in Richtung meines Heimes in Harmony, um die Anweisungen auszuführen, die ich von meinen Vorgesetzten erhalten hatte. Ich glaubte damals, dass er aufgrund direkten Befehls und Gebotes von William H. Dame und von anderen handelte, die noch höhere Vollmacht hatten als Colonel Dame. Ein Grund dafür, dies anzunehmen, war ein kurzes Gespräch, das ich nur einige Tage vorher mit Apostel George A. Smith hatte, und direkt danach traf er sich mit Haight und sprach mit ihm und ich wusste, dass George A. Smith niemals über Dinge redete, über die Brigham Young nicht vorher mit ihm gesprochen hatte. Damals befanden sich die Mormonen im Krieg mit den Vereinigten Staaten und die Befehle an die Mormonen waren die ganze Zeit über gewesen, zu töten und unsere Feinde zu zerstreuen, aber keinen unserer Leute zu verlieren. Diese Aussiedler kamen aus dem Landesteil, der unserem Volk höchst feindlich gesinnt war, und ich glaubte damals wie heute, dass es der Wille jedes treuen Mormonen in Utah zu jener Zeit war, dass die Feinde der Kirche so schnell wie möglich getötet werden sollten und, da dieser Haufen Leute Männer unter sich hatte, die vermutlich geholfen hatten, die Propheten im Carthage-Gefängnis zu töten, dass die Tötung aller von ihnen die Einhaltung unserer Gelöbnisse und das Rächen des Blutes der Propheten bedeutete. Um mich zu rechtfertigen, möchte ich die Fakten meines Gesprächs mit George A. Smith wiedergeben. Zum Ende des Monats August 1857, ungefähr zehn Tage bevor die Kompanie Captain Fanchers, die ihr Schicksal in Mountain Meadows besiegelte, an jenem Ort eintraf, suchte mich General George A. Smith in einem meiner Heime in Washington City, Washington County, Utah Territorium, auf und bat mich, ihn von Fort Clara über die Pinto-Siedlungen nach Hamilton Fort oder Cedar City mitzunehmen. Er sagte: "Ich bin vom alten Boss Brigham Young hier heruntergeschickt worden, um die Brüder der verschiedenen Siedlungen anzuweisen, an unsere Feinde kein Getreide zu verkaufen, und ihnen zu sagen, es nicht an ihre Tiere zu verfüttern, denn alles wird von uns benötigt werden. Ich soll auch die Brüder anweisen, sich auf einen großen Kampf vorzubereiten, denn der Feind kommt mit großer Macht, um unsere Vernichtung zu versuchen. Aber Johnstons Armee wird es nicht gestattet sein, sich unseren Siedlungen vom Osten her zu nähern. Gott ist auf unserer Seite und wird unsere Schlachten für uns schlagen und unsere Feinde in unsere Hände geben. Brigham Young hat von Gott Offenbarungen empfangen, die ihm das Recht und die Macht geben, den Fluch Gottes auf all unsere Feinde auszurufen, die versuchen in unser Territorium einzumarschieren. Unsere größte Gefahr besteht in dem Volk von Kalifornien, einer Klasse von rücksichtslosen Minenarbeitern, die für Gott und seine Rechtschaffenheit Fremde sind. Sie werden wahrscheinlich vom Süden her über uns herfallen und die kleinen Siedlungen zerstören. Aber wir werden versuchen sie zu überlisten, bevor wir viel Schaden erleiden werden. Das Volk der Vereinigten Staaten, das gegen unsere Kirche und das Volk kämpft, ist ein Pöbelhaufen vom Präsidenten an abwärts und somit ist es für ihre Armeen unmöglich gegen die Heiligen, die sich hier in den Bergen versammelt haben, zu siegen." Er setzte diese Art von Rede einige Stunden lang mir und meinen Freunden gegenüber, die bei mir waren, fort.

General George A. Smith hatte als militärischer Führer einen hohen Rang inne. Er war einer der Zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, also wurde er von mir als inspirierter Mann angesehen. Seine Befehle waren mir heilige Gebote, deren Befolgung ich als meine Pflicht ansah, und zwar ohne zu fragen oder zu zögern. Ich nahm meine Pferde und meinen Wagen und fuhr mit ihm entweder nach Hamilton Fort oder Cedar City, um mit ihm die Siedlungen zu besuchen, wie er es erbeten hatte. An keinem unserer Halteplätze ging ich hin, um ihn predigen zu hören, auch achtete ich nicht auf das, was er den Führern in den Siedlungen sagte. An dem Tag, als wir Fort Clara verließen, was damals das Hauptquartier der Indianermissionare unter der Präsidentschaft von Jacob Hamblin war, hielten wir am Mittag am Clara River an. Während wir dort waren, sammelten sich die Indianer in großer Zahl um uns herum und waren ziemlich frech und unverschämt. Ihre Häuptlinge fragten mich, wohin ich wollte und wen ich bei mir hätte. Ich sagte ihnen, dass er ein großer Captain wäre. "Ist er ein Mericat-Captain?" "Nein", sagte ich, "er ist ein Mormone." Dann wollten die Indianer mehr wissen. Sie wollten ein Gespräch. Der General sagte mir, ich sollte den Indianern sagen, dass die Mormonen ihre Freunde wären, dass er wollte, dass die Indianer die festen Freunde der Mormonen bleiben, denn die Mormonen wären alle Freunde der Indianer, dass die Amerikaner direkt östlich der Berge eine große Armee hätten und beabsichtigten über die Berge nach Utah zu kommen und alle Mormonen und Indianer im Utah-Territorium zu töten, dass die Indianer sich bereit machen müssten und sich für den Krieg gegen alle Amerikaner bereithalten müssten und zu den Mormonen freundlich bleiben und befolgen müssten, was die Mormonen ihnen sagten, - dass dies der Wille des Großen Geistes ist, dass, wenn die Indianer den Mormonen treu wären und ihnen gegen ihre Feinde helfen würden, dann die Mormonen sie immer vor Hungersnot und Krankheit bewahren und ihnen Gewehre und Munition geben würden, um jagen und Wild töten zu können, und sie würden auch den Indianern gegen ihre Feinde helfen, wenn sie in den Krieg ziehen. Diese Rede gefiel den Indianern und sie stimmten allem zu, worum ich sie bat. Ich sah, dass mein Freund Smith etwas nervös und ängstlich gegenüber den Indianern war, trotz ihrer Versprechungen und Freundschaft. Um ihn von seiner Angst zu befreien, zog ich die Zügel an und folgte unserem Weg, sobald es ging, ohne bei den Indianern Verdacht zu erregen. Wir ritten ungefähr eine Meile oder so, als General Smith sagte: "Die sahen wild aus. Ich glaube, die würden einem Aussiedler-Treck ganz schön einheizen, wenn einer hier entlang käme." Ich sagte, dass ich glaubte, dass sie jeden Treck angreifen würden, der ihnen in den Weg käme. Danach geriet der General für einige Zeit in tiefes Nachdenken, als er dann sagte: "Angenommen ein Aussiedler-Treck würde durch dieses südliche Land kommen und unserem Volk drohen und damit prahlen, daran teilgehabt zu haben, bei der Tötung unserer Propheten zu helfen, was glauben Sie, was die Brüder mit ihnen tun würden? Würde man ihnen erlauben ihren Weg zu gehen, oder würden die Brüder über sie herfallen und ihnen eine ordentliche Tracht verpassen?" Ich dachte einige Augenblicke nach und sagte dann: "Sie wissen, dass die Brüder jetzt unter dem Einfluss der jüngsten Reformation stehen und noch rotglühend für das Evangelium sind. Die Brüder glauben, dass die Regierung wünscht, dass sie sie vernichten. Ich glaube wirklich, dass jeder Aussiedler-Treck, der hier durchkommen mag, angegriffen und wahrscheinlich vernichtet wird. Ich bin sicher, dass sie ausradiert werden würden, wenn sie solche Drohungen gegen unser Volk geäußert hätten. Ohne einen Pass von Brigham Young oder von einer anderen Autorität , würden sie mit Sicherheit nicht sicher durch dieses Land ziehen können." Meine Erwiderung gefiel ihm sehr und er lachte herzlich und sagte dann: "Glauben Sie wirklich, die Brüder würden solch einem Treck einheizen?" Ich sagte: "Ja, Sir, ich weiß, dass sie das tun werden, es sei denn, sie werden durch einen Passierschein geschützt, und ich möchte sie darüber informieren, dass sie Gouverneur Young informieren müssen, es sei denn Sie möchten, dass jeder Treck gefangen genommen wird, dass er, wenn er Aussiedler passieren lassen möchten, ohne belästigt zu werden, Befehle an Colonel Wm. H. Dame oder Major Isaac C. Haight senden muss, damit sie den Aussiedlern Passierscheine geben können, denn ihre Passierscheine werden ihnen Sicherheit gewähren und sonst nichts, außer die ausdrücklichen Befehle von Gouverneur Young, da die Leute alle verbittert gegen die Heiden sind und voll religiösem Eifer bestrebt sind, das Blut der Propheten zu rächen." Die einzige Erwiderung, die er gab war, dass er auf seinem langen Weg von Salt Lake hier herunter ein langes Gespräch mit Major Haight über dasselbe Thema hatte und dass Haight ihm versicherte und ihm zu verstehen gab, dass Aussiedler, die ohne einen Passierschein von Gouverneur Young hierher kämen, aus diesem Territorium nicht entkommen könnten.

Dann ritten wir für eine gewisse Strecke schweigend dahin, bis er sich mir wieder zuwandte und sagte: "Bruder Lee, ich bin zufrieden darüber, dass die Brüder unter dem vollen Einfluss der Reformation stehen und ich glaube, sie werden genauso wie Sie es sagen mit den bösen Aussiedlern verfahren, die durch das Land kommen und Drohungen aussprechen und unser Volk beschimpfen." Ich wiederholte ihm meine Ansichten, aber weit ausführlicher, indem ich gänzlich meine Gründe dafür darlegte, dass ich glaubte, dass Gouverneur Young Befehle aussenden müsste, um alle Aussiedler zu schützen, die er nicht vernichten lassen möchte. Ich machte eine komplette Aussage über die Fehler unseres Volkes und sagte, dass das Volk sich im Feuer der Reformation voll wilden Eifers und Fanatismus befände und dass sie den Willen Gottes bedenken sollten, wenn sie das Blut derer vergießen, die es wagen würden gegen die Mormonenkirche oder ihre Führer zu sprechen, und dass die Leute es ebenso bereitwillig und freudig tun würden wie jede andere Pflicht, dass der Apostel Paulus, als er damit begann die Jünger Christi zu verfolgen, nicht ernsthafter gewesen war als damals jeder Mormone, der in Süd-Utah lebte. Meine Worte erheiterten den General sehr. Er war sehr entzückt und sagte: "Ich freue mich, solch einen guten Bericht über unser Volk zu hören. Gott wird sie für alles segnen, was sie tun, um sein Königreich in den letzten Tagen aufzubauen." General Smith verlor darüber kein Wort zu mir noch gab er mir zu verstehen, dass er überhaupt einen Aussiedler in Sicherheit durch dieses Territorium passieren lassen wollte, sondern er ließ mich damals glauben, wie ich es auch jetzt glaube, dass er es nicht wollte und erwartete, dass jeder Aussiedler getötet werden sollte, der es unternahm dieses Territorium zu passieren, während wir uns mit der Regierung im Krieg befanden. Ich glaubte, es war seine Mission, das Volk auf das blutige Werk vorzubereiten.

Ich habe bis auf jenen Tag immer geglaubt, dass General George A. Smith damals Süd-Utah besuchte, um das Volk auf das Werk der Ausrottung von Captain Fanchers Aussiedler-Treck vorzubereiten, und jetzt glaube ich, dass er für diesen Zweck durch direkten Befehl von Brigham Young gesandt worden war. Mir wurde von Joseph Wood, Thomas T. Willis und vielen anderen erzählt, dass sie George A. Smith während jener Reise in Cedar City predigen hörten und dass er dem Volk von Cedar City sagte, dass die Aussiedler kommen würden, und er sagte ihnen, dass sie jener Gesellschaft weder Getreide noch Vorräte jeglicher Art verkaufen sollten, da sie ein Pöbelhaufen von Schurken und Gesetzlosen und die Feinde Gottes und des Mormonenvolkes seien. Sidney Littlefield aus Panguitch hat mir erzählt, dass er von der Tatsache wüsste, dass Colonel Wm. Dame Befehle von Parowan an Maj. Haight in Cedar City überbrachte, die Francher-Gruppe auszurotten und jeden Aussiedler sicher zu töten. Littlefield wohnte damals in Parowan und Dame war der Präsidierende Bischof. Dame hat immer noch alle Frauen, die er will, und ist ein großer Freund Brigham Youngs. Die Kenntnis darüber, was für Gefühle George A. Smith gegenüber den Auswanderern hatte, und was er mir darüber sagte, dass er ein langes Gespräch mit Haight über dieses Thema hatte, versicherten mir, dass es der Wunsch der Kirchenautoritäten war, dass Francher und sein Treck ausgelöscht werden sollten, und all dies wissend, zweifelte ich damals nicht und ich bezweifle es auch jetzt nicht, dass Haight mit voller Vollmacht von den Kirchenführern handelte und dass die Befehle, die er mir gab, eben die Befehle waren, die zu geben er angewiesen worden war, als er mir befahl, die Indianer aufzuwiegeln und die Auswanderer angreifen zu lassen. Ich handelte während der ganzen Sache so, dass ich mein Handeln als meine religiöse Pflicht betrachtete, und wenn das, was ich tat ein Verbrechen war, dann war es ein Verbrechen der Mormonenkirche und nicht ein Verbrechen für das ich mich persönlich verantwortlich fühle. Ich muss hier erklären, dass Klingensmith an jenem Sonntagabend nicht in Cedar City war. Haight sagte, er hätte Klingensmith und andere hinüber nach Pinto und Umgebung geschickt, um die Indianer aufzustacheln und zu zwingen, die Auswanderer anzugreifen.

Auf meinem Weg von Cedar City nach Hause in Harmony traf ich mit einer großen Bande von Indianern unter Moquetas und Big Bill, zwei Cedar-City-Häuptlingen, zusammen. Sie befanden sich in ihrer Kriegsbemalung und in vollständiger Ausrüstung für die Schlacht. Sie hielten als ich heraufkam und sagten, dass sie ein großes Gespräch mit Haight, Higby und Klingensmith gehabt und von ihnen Befehle bekommen hätten, die Auswanderer aufzuspüren und sie alle zu töten und ihren Besitz als Beute von ihren Feinden zu nehmen. Diese Indianer wollten von mir, dass ich mit ihnen ginge, um ihre Streitmächte zu befehligen. Ich sagte ihnen, dass ich an jenem Abend nicht mit ihnen gehen könne, dass ich Befehle von Haight, dem großen Captain hätte, weitere Indianer auf den Kriegspfad zu schicken, um ihnen beim Töten der Auswanderer zu helfen, und dass ich dies zuerst erledigen müsste, dass ich wollte, dass sie bis in die Nähe der Auswanderer vorangehen und dort lagern sollten, bis die anderen Indianer sich ihnen anschlössen, dass ich sie am nächsten Tag treffen und sie anführen würde. Dies stellte sie zufrieden, aber sie wollten, dass ich meinen kleinen Indianerjungen Clem mit ihnen schickte. Nach einer gewissen Zeit stimmte ich zu, Clem mit ihnen gehen zu lassen, und kehrte nach Hause zurück. Als ich zu Hause ankam, sagte ich Carl Shirts, worin die Befehle bestanden, die Haight ihm gesandt hatte. Carl war von Natur aus feige und war nicht bereit mitzugehen aber ich sagte ihm, dass die Befehle befolgt werden müssen. Daraufhin brach er in jener Nacht auf, bzw. früh am nächsten Morgen, um die Indianer des Südens aufzuwiegeln und sie gegen die Auswanderer zu führen. Die Auswanderer lagerten damals in Mountain Meadows. Die Indianer befolgten meine Anweisungen nicht. Sie trafen sich - mehrere Hundert stark - bei den Meadows und griffen die Auswanderer am Dienstagmorgen kurz vor Tagesanbruch an und mit der ersten Feuersalve, wie ich nachher erfuhr, töteten sie sieben und verwundeten sechzehn der Auswanderer. Die letzteren kämpften tapfer und schlugen die Indianer zurück, töteten einige von ihnen und brachen die Knie zweier Kriegshäuptlinge, die daraufhin starben.

Die Nachrichten über die Schlacht wurde von indianischen Läufern über das ganze Land verbreitet und die Aufregung war groß in all den kleinen Siedlungen. Ich wurde über das, was stattgefunden hatte, am frühen Dienstagmorgen von einem Indianer, der zu meinem Haus kam in Kenntnis gesetzt und er gab mir einen vollständigen Bericht von allem, was getan worden war. Der Indianer sagte, dass es der Wunsch aller Indianer wäre, dass ich sie anführen sollte und dass ich mit ihm in das Lager zurückgehen müsste. Ich brach sofort auf und während ich den Indianertrupp über die Berge brachte, erreichte ich das Lager 12 Meilen von Harmony entfernt. Den Wagenweg entlang hätte man zwischen 40 und 50 Meilen benötigt. Als ich das Lager erreichte, fand ich die Indianer wahnsinnig vor Aufregung vor. Sie drohten mich zu töten, wenn ich nicht einverstanden wäre, sie gegen die Auswanderer anzuführen und zu helfen, sie zu töten. Sie sagten auch, dass man ihnen gesagt hätte, dass sie die Auswanderer ohne Gefahr für sich selbst töten könnten, aber sie hätten einige von ihren Tapferen verloren und weitere wären verwundet und wenn sie nicht alle "Mericats", wie sie sie nannten, töten könnten, würden sie den Mormonen den Krieg erklären und jeden in den Siedlungen töten. Ich tat, was ich unter diesen Umständen tun konnte. Ich war dort der einzige Weiße zusammen mit einer wilden und aufgeregten Bande von mehreren Hundert Indianern. Ich versuchte sie zu überzeugen, dass alles in Ordnung sein würde, dass ich ihr Freund wäre und zusehen würde, dass sie ihre Rache bekommen würden, wenn ich herausfinden würde, dass sie ein Recht auf Rache hätten. Meine Rede bewirkte nur, dass ihre Erregung wuchs und in der Befürchtung, dass sie mich töten würden, wenn ich vorgehabt hätte, sie zu verlassen und sie nicht gegen die Auswanderer anführen würde, sagte ich ihnen, dass ich südwärts gehen und ihre Freunde treffen und sie antreiben würde hierher zukommen, um ihnen zu helfen. Ich hatte vor, dem Blutbad Einhalt zu gebieten, wenn ich die Macht dazu hätte, denn ich glaubte, dass die Auswanderer zu Genüge für das bestraft worden waren, was sie getan hatten und ich hatte damals das Gefühl, und das hatte ich immer, dass solch ein Massenmord falsch wäre. Zuerst wollten die Indianer meinem Plan sie zu verlassen nicht zustimmen aber schließlich sagten sie, dass ich gehen und ihre Freunde treffen könnte. Ich begab mich dann auf mein Pferd und verließ die 'Meadows' und ritt nach Süden.

Ich hatte ungefähr 60 Meilen zurückgelegt, als ich Carl Shirts mit ungefähr einhundert Indianern und einer Anzahl Mormonen traf als sie von den südlichen Siedlungen herkamen. Sie waren dabei sich zum Schauplatz der Auseinandersetzung zu begeben. Wie sie erfuhren, dass sich die Aussiedler bei den "Meadows" befanden, habe ich nie erfahren aber sie wussten es und waren voll bewaffnet und entschlossen, Befehle auszuführen. Und unter denen, die ich dort traf und an die ich mich erinnern kann, befanden sich Samuel Knight, Oscar Hamblin, William Young, Carl Shirts, Harrison Pearce, James Pearce, John W. Clark, William Slade Sr., James Matthews, Dudley Leavitt, William Hawley (jetzt Einwohner von Fillmore, Utah-Territorium), William Slade Jr. und zwei weitere, deren Namen ich vergessen habe. Ich glaube es waren George W. Adair und John Hawley. Ich weiß, dass sie bei den 'Meadows' zum Zeitpunkt des Massakers waren und ich glaube, ich traf sie an jenem Abend südlich der 'Meadows' zusammen mit Samuel Knight und anderen. Die Weißen lagerten dort an jenem Abend mit mir aber die meisten der Indianer eilten zu ihren Freunden im Lager auf den 'Meadows'. Ich berichtete den Weißen alles, was sich auf den 'Meadows' ereignet hatte aber keiner von ihnen war im geringsten überrascht. Sie alle schienen zu wissen, dass der Angriff getätigt werden müsse und sie schienen alles darüber zu wissen. Ich verbrachte eine der miserabelsten Nächte dort, die ich je in meinem Leben erlebt hatte. Ich verbrachte fast die ganze Nacht mit Weinen und im Gebet. Ich rang mit Gott um Weisheit und um Führung. Ich bat um irgendein Zeichen, irgendeinen Beweis, der mich darüber zufrieden stellen würde, dass mein Auftrag vom Himmel käme aber ich erhielt keine Zufriedenstellung von meinem Gott. Am Morgen waren wir alle damit einverstanden, uns zusammen zu den Mountain Meadows zu begeben und dort zu lagern und dann einen Boten zu Haight zu senden, um ihm vollständige Information darüber zu geben, was getan worden war und ihn um weitere Anweisungen zu bitten. Wir wussten, dass der ursprüngliche Plan darin bestand, dass die Indianer die ganze Arbeit und die Weißen nichts anderes tun sollten, als im Hintergrund zu bleiben und für sie zu planen und sie zu der Arbeit zu ermuntern. Nun wussten wir, dass die Indianer die Arbeit nicht schaffen konnten und somit befanden wir uns in einer traurigen Klemme. Ich wusste damals nicht, dass ein Bote zu Brigham Young geschickt wurde, um Anweisung zu erbeten. Haight hatte es mir gegenüber nicht erwähnt. Jetzt glaube ich, dass James Haslem zu Brigham Young geschickt worden war, als schlauen Schachzug der Autoritäten, um sich zu schützen, falls aus der Sache einmal Schwierigkeiten erwachsen sollten. Wir begaben uns zu den 'Meadows' und lagerten an den Quellen ungefähr eine halbe Meile vom Auswandererlager entfernt. Dort befand sich damals eine größere Anzahl von Indianern, gute dreihundert, und ich glaube sogar vierhundert. Die beiden Häuptlinge, denen ins Knie geschossen worden war, befanden sich in schlechter Verfassung. Die Indianer hatten eine Anzahl der Auswanderer-Pferde getötet und ungefähr sechzig oder siebzig Stück Rindvieh lagen tot auf den 'Meadows', die die Indianer aus Bosheit und Rache getötet hatten.

Unsere Gruppe tötete ein kleines Rind zum Mittagessen und nach einem herzhaften Mahl hielten wir Rat und entschieden, einen Boten zu Haight zu senden. Ich sagte zu dem Boten, der entweder Edwards oder Adair war (ich kann mich jetzt nicht daran erinnern, wer es war): "Sage Haight um meinetwillen, um des Volkes willen und um Gottes willen, er solle mir Hilfe schicken, um diese Auswanderer zu beschützen und zu retten und die Indianer zu beruhigen." Der Bote brach um 14:00 Uhr von unserem Lager auf den 'Meadows' nach Cedar City auf. Wir blieben alle auf dem Schlachtfeld und versuchten die Indianer zu beruhigen, indem wir ihnen sagten, dass wir nach Haight, dem großen Häuptling, um Anweisung gesandt haben und wenn er seine Befehle geschickt hätte, würde ich wissen, was zu tun ist. Dies schien die Indianer zufrieden zu stellen, denn sie sagten: "Der Große Häuptling wird euch Worte schicken, alle 'Mericats' zu töten." Gegen Abend griffen die Indianer wiederholt die Auswanderer an. Dies war am Mittwoch. Ich hörte die Antwort ihrer Gewehre und die Schreie der Frauen und Kinder in der Wagenburg. Dies war mehr als ich aushalten konnte. So rannte ich mit William Young und John Mangum dorthin, wo die Indianer waren, um den Kampf zu beenden. Auf dem Weg zu ihnen schossen sie eine Salve und drei Kugeln aus ihren Gewehren durchschlugen meine Kleidung. Eine Kugel ging durch meinen Hut und rasierte mein Haar an der Seite meines Kopfes. Eine Kugel ging durch mein Hemd und durchschoss meine Schulter, die andere durchschlug meine Hose quer über dem Bauch. Ich dachte, dass dies sehr gefährlich sei aber ich hielt durch, bis wir den Ort erreichten, wo die Indianer in Stellung waren. Als ich zu ihnen stieß, sagte ich ihnen, dass der Große Geist böse auf sie wäre, wenn sie die Frauen und Kinder töteten. Ich redete eine ganze Weile zu ihnen und weinte vor Kummer, als ich sah, dass ich ihre Wildheit nicht beruhigen konnte. Als die Indianer mich in Tränen sahen, nannten sie mich "Yaw Guts", was in indianischer Sprache "Heulsuse" bedeutet und bis heute nennen sie mich mit diesem Namen und betrachten mich als Feigling. Oscar Hamblin war ein guter Dolmetscher und er kam mir zu Hilfe und half mir, die Indianer zu bewegen, den Angriff einzustellen. Mit seiner Hilfe brachten wir die Indianer zum Einverständnis, sich still zu verhalten, bis Anweisungen von Haight zurückgekommen wären. (Ich weiß jetzt nicht, ob der Bote sich nach diesem nächtlichen Angriff auf den Weg machte aber ich war zu der Zeit so besorgt und verwirrt und so vieles ist seit dieser Zeit geschehen, was meine Gedanken verwirrt hat, dass meine Erinnerung in bezug auf diese Sache nicht klar ist.)

Am Donnerstag, um den Mittag herum, kamen mehrere Männer von Cedar City zu uns. Ich kann mich nicht an die Reihenfolge erinnern, in der alle Leute zu den 'Meadows' kamen, aber ich erinnere mich, dass zu diesem Zeitpunkt und in dieser Gruppe Joel White, William C. Stewart, Benjamin Arthur, Alexander Wilden, Charles Hopkins und [...] Tate zu uns ins Lager an den Quellen kamen. Diese Männer sagten wenig aber jeder schien zu wissen, wofür er dort war. Da unser Bote wegen weiterer Anordnungen unterwegs war, verlegten wir unser Lager ungefähr 400 Yards [366 Meter] weiter das Tal hinauf auf einen Hügel, wo wir lagerten, solange wir dort blieben. Ich erfuhr bald, dass die Weißen im Herzen genauso böse waren wie die Indianer, denn zu jeder Zeit an jenem Tag sah ich weiße Männer auf die Auswanderer-Wagen zielen und schießen. Sie sagten, dass sie es täten, um in Übung zu bleiben und es helfe, die Zeit zu vertreiben. Ich erinnere mich an einen schießenden Mann, der mich amüsierte, da er auf ein Ziel schoss, dass über eine viertel Meile entfernt war aber seine Kanone hätte eine Kugel keine 220 Yards weit transportiert. Dieser Mann war Alexander Wilden. Er mühte damit sich ab einen Sitzplatz im Schatten eines Baumes zu errichten, an dem er fortfuhr, seine Kanone zu laden und abzuschießen, bis er es leid wurde. Viele der anderen verhielten sich genauso wild und töricht wie Wilden. Die Wagen waren, seit die Indianer zum ersten Mal angriffen, zu einer Burg angeordnet. Am zweiten Tag unserer Ankunft zogen die Auswanderer ihre Wagen dicht zusammen und ketteten die Räder aneinander. Während sie dies taten, wurde nicht geschossen. Ihr Lager befand sich ungefähr 100 Yards [91 Meter] oberhalb und nördlich der Quelle. Im allgemeinen holten sie sich ihr Wasser nachts von der Quelle. Am Donnerstagmorgen sah ich zwei Männer mit Eimern von der Wagenburg aufbrechen und zur Quelle rennen und ihre Eimer mit Wasser füllen und zurückgehen. Die Kugeln flogen dicht und schnell um sie herum aber sie kamen in Sicherheit in ihre Wagenburg zurück. Die Indianer waren damit einverstanden sich still zu verhalten, bis Befehle von Haight zurückkamen aber sie hielten ihr Wort nicht. Sie griffen den Treck am Donnerstagmorgen, ungefähr bei Tagesanbruch, gezielt an. Bei diesem Angriff wurden den Clara-Indianern zwei Krieger getötet und drei verwundet. Dies machte diese Bande so wütend, dass sie sich nach Hause aufmachten und eine ziemliche Anzahl Rinder mit sich trieben. Während dieses Tages sagte ich zu John Mangum: "Ich werde das Tal überqueren und an der anderen Seite hinaufgehen, auf die Hügel westlich der Wagenburg, um mir die Lage anzuschauen." Ich machte mich auf den Weg. Während ich das Tal überquerte, wurde ich von den Auswanderern gesehen und sobald sie sahen, dass ich ein Weißer war, hissten sie in der Mitte der Wagenburg oder des Lagers eine weiße Flagge. Sie sandten darauf zwei kleine Jungen vom Lager aus, um mit mir zu reden aber zu jener Zeit konnte ich mit ihnen nicht reden, da ich nicht wusste, welche Befehle Haight mir zurücksenden würde und nicht eher bis ich seine Anweisungen kannte, würde ich nicht wissen, wie ich zu handeln hätte. Ich versteckte mich, um mich von den Kindern fernzuhalten. Sie kamen an die Stelle, wo sie mich zuletzt gesehen hatten und suchten überall nach mir aber als sie mich nicht finden konnten, kehrten sie um und gingen in Sicherheit zum Lager zurück. Während die Jungen nach mir suchten, kamen mehrere Indianer zu mir und baten um Munition, womit sie sie töten wollten. Ich sagte ihnen, dass sie den Kindern nichts antun dürften und wenn sie es täten, würde ich den ersten töten, der versuchen würde sie zu verletzen. Mit dieser Tat konnte ich die Jungen retten. Alles, was über kleine weißgekleidete Mädchen, die zu mir ausgeschickt worden wären erzählt worden ist, ist falsch. Nichts derartiges war je geschehen. Ich blieb auf der Westseite des Tales für etwa zwei Stunden, während dieser Zeit schaute ich ins Auswandererlager hinunter und spürte all die geistigen Qualen, die ein Mensch, der barmherzige Gefühle hat empfinden kann und dennoch weiß, wie ich es damals wusste, was auf jene unglückliche Gemeinschaft zukam, wenn die Indianer mit ihren blutigen Absichten Erfolg hätten.

Während ich auf dem Hügel stand und in die Wagenburg hinuntersah, sah ich zwei Männer herauskommen, um etwas Holz zu sägen. Die Indianer und die Weißen feuerten unablässig auf sie, aber sie beachteten die Gefahr nicht und fuhren mit ihrer Arbeit fort, bis sie sie erledigt hatten und gingen dann ins Lager zurück. Die Männer handelten beide so tapfer, dass es unmöglich war vor ihnen keine Achtung zu haben. Nachdem ich dort gestanden und hinuntergeschaut hatte und vor Kummer fast tot war, kehrte ich zur Gesellschaft im Lager zurück. Ich war fast außer mir wegen des Wartens auf Anweisungen von den Autoritäten in Cedar City. Ich betete darum, dass Anweisungen kommen würden, die mich befähigen würden, jenen Haufen von leidenden Leuten zu retten aber es kamen keine solchen Anweisungen. Sie sollten nie kommen. Am Donnerstagabend kamen John M. Higbee, Major der 'Iron Militia', und Philip K. Smith, wie er im allgemeinen genannt wird aber dessen Name Klingensmith ist, Bischof von Cedar City, in unser Lager mit zwei oder drei Wagen und einer Anzahl Männer, alle gut bewaffnet. Ich kann mich an folgende Männer erinnern, die am Todeswerk, das bald folgen sollte, teilnahmen: John M. Higbee, Major und Kommandeur der 'Iron Militia' und auch Erster Ratgeber zu Isaac C. Haight; Philip Klingensmith, Bischof von Cedar City; Ira Allen vom Hohen Rat; Robert Wiley vom Hohen Rat; Richard Harrison aus Pinto, ebenfalls Mitglied des Hohen Rates; Samuel McMurdy, einer der Ratgeber Klingensmiths; Charles Hopkins vom Stadtrat Cedar Citys; Samuel Pollock; Daniel McFarland, ein Schwiegersohn von Isaac C. Haight, und er handelte als Adjutant unter Major Higbee; John Ure vom Stadtrat; George Hunter vom Hohen Rat; und ich glaube ernsthaft, dass John McFarland, jetzt ein Staatsanwalt in St. George, Utah, dort war - ich bin nicht sicher, dass er dort war aber ich habe den deutlichen Eindruck, dass er anwesend war -; Samuel Jukes; Nephi Johnson mit einer Anzahl von Indianern unter seinem Kommando; Irvin Jacobs; E. Curtis, ein 'Captain of Ten'; Thomas Cartwright vom Stadtrat und vom Hohen Rat; William Bateman, der nachher die Friedensfahne ins Auswandererlager trug; Anthony Stratton; A. Loveridge; Joseph Clews; Jabez Durfey; Columbus Freeman und einige andere, an deren Namen ich mich nicht erinnern kann. Ich weiß, dass unsere gesamte Armee aus 54 Weißen und über dreihundert Indianern bestand. Sobald sich diese Personen um das Lager versammelt hatten, fragte ich Major Higbee, welche Befehle er mitgebracht hätte. Dann erklärte ich vollständig alles, was in den 'Meadows' geschehen war, damit jeder die Situation verstehen könnte. Major Higbee berichtete folgendermaßen: "Die Befehle des Präsidenten lauten, dass alle Auswanderer aus dem Weg geräumt werden müssen. Präsident Haight hat sich mit Colonel Dame beraten, bzw. hatte Befehle von ihm, alle Auswanderer aus dem Weg zu räumen; niemand der alt genug war zu sprechen, sollte verschont werden." Er fuhr dann fort und sagte im wesentlichen, dass die Auswanderer als unsere Feinde und als Feinde der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzen Tage durch das Land gekommen wären; dass sie keinen Passierschein von einer autorisierten Person hätten, der ihnen erlaubt hätte, das Territorium zu verlassen; dass es niemandem außer Freunden erlaubt wäre, das Territorium zu verlassen; und dass jene unsere verschworenen Feinde wären, sie müssen getötet werden; dass sie nichts als ein Teil von Johnstons Armee wären; dass sie, wenn ihnen gestattet wäre, weiter nach Kalifornien zu ziehen, die Kriegswolke im Westen aufwirbeln und die sichere Vernichtung über alle Siedlungen in Utah bringen würden; dass die Sicherheit für das Volk in der vollständigen Vernichtung des ganzen erbärmlichen Haufens bestünde. Ich sagte ihnen dann, dass Gott mein Herz umwandeln müsse, bevor ich einer solchen üblen Sache wie die Massentötung jener Leute zustimmen könnte. Ich versuchte mit Higbee und den Brüdern zu argumentieren. Ich sagte ihnen, wie stark die Auswanderer ihre Stellung befestigt hätten und wie schlecht es wäre, Frauen und Kinder zu töten. Mir wurde befohlen zu schweigen. Higbee sagte, ich würde mich den Autoritäten widersetzen. Er sagte damals: "Bruder Lee fürchtet unschuldiges Blut zu vergießen. Warum denn, Brüder? Es gibt in dem ganzen Lager von heidnischen Gesetzlosen keinen einzigen Tropfen unschuldiges Blut. Sie sind eine Bande von Halsabschneidern, Räubern und Mördern. Sie gehören zu den Leuten, die die Heiligen aus Missouri vertrieben und mithalfen, das Blut unserer Propheten Joseph und Hyrum zu vergießen und es sind die Befehle an uns von allen, die Vollmacht haben, die Auswanderer aus ihrer Festung herauszubekommen und den Indianern zu helfen, sie zu töten." Darauf sagte ich, dass Joseph Smith uns sagte, dass wir niemals jemanden verraten sollten, dass wir ohne Verrat anzuwenden, die Auswanderer nicht aus ihrer Wagenburg herausbekommen könnten und somit war ich dagegen. Ich wurde von Higbee, Klingensmith und Hopkins unterbrochen, die sagten, dass so die Befehle von Präsident Isaac C. Haight an uns lauteten und dass Haight seine Befehle von Colonel Dame und den Autoritäten in Parowan hätte und dass alle Bevollmächtigten einer Meinung wären und dass sie vom Rat in Cedar City zu den 'Meadows' gesandt worden wären, um zu beraten und die Art und Weise festzulegen, wie die Gesellschaft der Auswanderer beseitigt werden sollte. Die Männer, die sich damals berieten, so muss ich hier erklären, knieten nun in einem Gebetskreis nieder und beteten und riefen den Geist des Herrn an, sie anzuweisen, wie sie in dieser Angelegenheit verfahren sollten. Nach dem Gebet sagte Major Higbee:" Hier sind die Befehle," und händigte mir ein Papier von Haight aus. Im wesentlichen waren es die Befehle von Haight, die Auswanderer aus ihrer Stellung zu ködern und alle, die sprechen könnten, zu töten. Dieser Befehl war schriftlich. Higbee händigte es mir aus und ich las es und ließ es dann auf den Boden fallen und sagte: "Das kann ich nicht tun!"

Im wesentlichen bestanden die Befehle darin, dass die Auswanderer aus ihrer Festung herausgeködert und alle ausgetilgt werden sollten, so dass niemand übrigbleibe, um die Geschichte zu erzählen und dann könnten die Autoritäten sagen, dass es die Indianer getan hätten. Die Worte "ködern" und "austilgen" wurden in jener Botschaft oder Befehl gebraucht und diese Befehle kamen vom Rat in Cedar City zu uns und als die Befehle unserer Militärvorgesetzten, denen wir zum Gehorsam verpflichtet waren. Der Befehl war von Haight unterzeichnet, als Kommandeur der Truppen in Cedar City. Haight erzählte mir am Tag nach dem Massaker, während wir uns auf den 'Meadows' befanden, dass er seine Befehle von Colonel Dame bekommen hatte. Ich verließ daraufhin den Rat und ging weg, um allein zu sein und kniete mich im Gebet vor Gott nieder und bat ihn, die Entscheidung jenes Rates zu verwerfen. Ich vergoss viele bittere Tränen und meine gequälte Seele trennte sich aufgrund meines großen Leids fast vom Körper. Ich möchte an dieser Stelle sagen, wobei ich den Himmel, die Engel und den Geist gerechter Menschen anrufe, Zeugnis über das abzulegen, was ich sage: Wenn ich damals über tausend Welten zu gebieten gehabt hätte, ich hätte sie umsonst hergegeben, um jene Gesellschaft vor dem Tod zu bewahren. Während ich in bitterer Pein die traurige Lage meiner Selbst und anderer beklagte, kam Charles Hopkins, ein Mann in den ich großes Vertrauen hatte, zu mir vom Rat und versuchte mich zu trösten, indem er sagte, dass er glaubte, dass alles in Ordnung wäre, denn die Brüder im Priestertum wären alle in der Sache einig und es wäre nicht gut für mich, sich ihnen zu widersetzen. Ich sagte ihm, dass der Herr mein Herz umwandeln müsse, bevor ich solch eine Tat bereitwillig ausführte. Ich möchte ferner erklären, dass es zu jener Zeit in Utah eine Terrorregierung gab und viele Männer sind nach kurzer Vorwarnung wegen Ungehorsams beseitigt worden und ich konnte einige Male knapp entkommen. Aufgrund von ernstlicher, dringender Bitte von Bruder Hopkins kehrte ich mit ihm zur Ratsversammlung zurück. Als ich zurückkam, betete der Rat wiederum um Unterstützung. Der Rat wurde die 'Stadträte', die Kirchen- oder Hohen Räte genannt und alle Autoritäten bildeten zusammen mit den Privatbürgern einen Kreis und knieten nieder, so dass sich die Ellenbogen gegenseitig berührten. Mehrere Brüder beteten um himmlische Anweisungen. Nach dem Gebet sagte Major Higbee: "Ich habe den Beweis für Gottes Billigung unserer Mission. Es ist Gottes Wille, dass wir unseren Auftrag buchstabengemäß ausführen." Ich sagte: "Mein Gott! Das ist mehr, als ich tun kann. Ich muss es ablehnen, an dieser Sache teilzuhaben." Higbee sagte dann zu mir: "Bruder Lee, Präsident Haight hat mir befohlen, Sie darüber zu informieren, dass Sie eine Krone celestialer Herrlichkeit für Ihre Treue erhalten werden und Ihre ewige Freude wird vollkommen sein." Ich war von diesem Angebot sehr ergriffen, denn ich hatte volles Vertrauen in die Macht des Priestertums, solche Belohnungen und Segnungen zu verleihen aber ich war bestrebt, diese Leute zu retten. Dann stellte ich den Antrag, dass wir den Indianern den gesamten Viehbestand der Auswanderer geben bis auf eine ausreichende Zahl, um ihre Wagen ziehen zu können und sie dann gehen zu lassen. Alle führenden Männer waren gegen diesen Antrag. Niemand außer mir erhob dort seine Stimme oder seinen Arm zugunsten der Bewahrung ihrer Leben.

Die Versammlung wurde von einer Autorität eröffnet. Ich kann mich nicht erinnern, wer es war. Er sprach ungefähr auf folgende Weise: "Brüder, wir sind hierher gesandt worden, um eine Pflicht zu erfüllen. Es ist eine Pflicht, die wir Gott, unserer Kirche und unserem Volk schulden. Die Befehle der Autoritäten lauten, dass alle Auswanderer sterben müssen. Unsere Führer sprechen mit inspirierten Zungen und ihre Anweisungen kommen vom Gott des Himmels. Wir haben kein Recht, in Frage zu stellen, was sie uns zu tun geboten haben. Es ist unsere Pflicht zu gehorchen. Wenn wir handeln wollten, wie einige unserer "weichknieigen" Brüder es von uns wünschen, wäre es unmöglich. Die Sache ist zu weit fortgeschritten, um uns zu gestatten jetzt aufzuhören. Die Auswanderer wissen, dass wir den Indianern geholfen haben und wenn wir sie ziehen lassen, werden sie sicher Vernichtung über uns bringen. Es ist eine Tatsache, dass am Mittwochabend zwei von den Auswanderern, das Lager verließen und sich zurück nach Cedar City auf den Weg machten, um Hilfe zu holen, um den Angriffen der Indianer standhalten zu können. Sie hatten Richard's Springs erreicht, als mit William C. Stewart, Joel White und Benjamin Arthur, drei unserer Brüder von Cedar City, zusammentrafen. Die Männer erklärten den Brüdern ihre Absicht und während ihre Pferde an der Quelle tranken, erschoss Bruder Stewart, der sich ungewöhnlich voll des Eifers für die Herrlichkeit Gottes und den Aufbau des Reiches Gottes auf Erden fühlte, einen von den Auswanderern und tötete ihn, einen jungen Mann mit dem Namen Aden. Als Aden von seinem Pferd fiel, schoss Joel White und verwundete den anderen Heiden, aber unglücklicherweise entkam er und kehrte in sein Lager zurück und berichtete, dass die Mormonen den Indianern, in allem, was sie gegen die Auswanderer unternahmen, halfen. Nun werden die Auswanderer diese Fakten in Kalifornien berichten, wenn wir sie gehen lassen. Wir müssen sie alle töten und unsere Befehle lauten, sie durch Verrat herauszubekommen, wenn sonst nichts getan werden kann, um sie in unsere Macht zu bekommen." Viele der Brüder redeten auf gleiche Weise und jeder argumentierte, dass die Befehle ausgeführt werden müssen. Mir wurde dann der Plan der Aktion erklärt, über den man sich geeinigt hatte, und er lautet wie folgt: Die Auswanderer müssen mit einem Schutzversprechen aus ihrer Festung herausgelockt werden. Bruder William Bateman sollte die Friedensfahne tragen und eine Unterredung fordern und dann sollte ich die Bedingungen der Unterwerfung aushandeln. Ich sollte fordern, dass alle Kinder, die so jung waren, dass sie nicht sprechen konnten, in einem Wagen untergebracht werden sollten und die Verwundeten sollten ebenfalls in einem Wagen untergebracht werden, und ich sollte zustimmen, dass die Mormonen die Auswanderer vor den Indianern beschützen und sie sicher nach Cedar City begleiten würden, wo sie beschützt werden sollten, bis sich eine Gelegenheit ergebe, sie nach Kalifornien zu senden. Man war sich einig, dass wenn ich die volle Zustimmung und den Vertrag, wie die Brüder es nannten, erreicht hätte, die Wagen mit den Waffen, den Verwundeten und den Kindern in Richtung Hamblin's Ranch aufbrechen sollten. Die Frauen sollten zu Fuß marschieren und in einer Reihe den Wagen folgen; die Männer sollten den Frauen folgen und auch in einer Reihe marschieren. Major John M. Higbee sollte mit seiner Militär-Kompanie ungefähr 200 Yards [~183m] vom Lager entfernt stehen und in einer Zweierreihe in offener Ordnung mit ungefähr 20 Fuß [~ 6m] Abstand zwischen den Reihen stehen, so dass die Wagen zwischen ihnen durchfahren könnten. Die Kutscher sollten direkt hindurchfahren ohne bei den Truppen anzuhalten. Die Frauen sollen dort nicht anhalten, sondern den Wagen folgen. Die Truppen sollten die Männer für einige Minuten anhalten, bis die Frauen ein Stück voraus in den Zedernwäldern wären, wo die Indianer im Hinterhalt versteckt wären. Dann sollte sich der Marsch fortsetzen, die Truppen eine Reihe bilden, so dass jeder Soldat neben einem Auswanderer und auf der rechten Seite seines Mannes ginge, und der Soldat sollte sein Gewehr auf seinem linken Arm tragen, bereit zu sofortigem Gebrauch. Der Marsch sollte fortgesetzt werden, bis die Wagen den Hinterhalt der Indianer passiert hätten und bis die Frauen sich direkt in der Mitte der Indianer befänden. Higbee sollte dann die Befehle geben und sagen: "Tut eure Pflicht!" In diesem Moment sollten die Truppen die Männer niederschießen; die Indianer sollten alle Frauen und größeren Kinder und die Wagenlenker töten und ich sollte die verwundeten und kranken Männer, die sich in den Wagen befänden, töten. Zwei Männer auf Pferden sollten in der Nähe platziert sein, um jeden Auswanderer zu überwältigen und zu töten, der dem ersten Angriff entkommen könnte. Die Indianer sollten die Frauen und die größeren Kinder töten, so dass gewährleistet wäre, dass kein Mormone des Vergießens unschuldigen Blutes schuldig werden würde - falls sich unschuldiges Blut in dieser Gesellschaft, die sterben sollte, befinden sollte. Unsere führenden Männer sagten alle, dass es kein unschuldiges Blut in der ganzen Gesellschaft gäbe.

Die Ratsversammlung löste sich kurz nach Tagesanbruch am Freitagmorgen auf. Alle Pferde, außer zwei für die Männer, die diejenigen überwältigen sollten, die entrinnen könnten und einem für Dan McFarland, der als Adjutant hin- und herreiten sollte, um Befehle von einem Teil des Feldes zum anderen befördern zu können, wurden zusammengeführt. Dann wurde gefrühstückt und die Brüder bereiteten sich auf die bevorstehende Arbeit vor. Ich war nun überzeugt, dass es der Wunsch des gesamten Mormonenpriestertums war, diese Sache zu erledigen. Ein Grund so zu Denken war, dass es im Einklang mit den Lehren der Führer war und da Utah sich im Kriegszustand mit den Vereinigten Staaten befand, glaubten wir, dass alle Heiden als Kriegsmaßnahme getötet werden müssten und dass die Mormonen als Gottes auserwähltes Volk, die Erde zu verwalten und zu besitzen und den Globus zu regeln und zu regieren hätten. Ein anderer und einer meiner stärksten Gründe zu glauben, dass die Führer wünschten, dass diese Sache erledigt würde, ist auf das Gespräch zurückzuführen, das ich mit George A. Smith hatte und das ich in dieser Erklärung voll wiedergegeben habe. Ich war überzeugt, dass Smith die Auswanderer passiert hatte, während er sich auf dem Weg von Salt Lake City befand und ich wusste damals, dass dies der Treck war, den er meinte, als er von einem Treck sprach, der Drohungen aussprechen und unser Volk misshandeln würde usw. Das Volk befand sich in vollem Feuer der Reformation und begierig darauf, eine Tat auszuführen, die ihrem Ansehen als eifrige Kirchenmänner etwas hinzufügen würde. Deshalb, alle Dinge in Betracht ziehend und glaubend, dass meine Vorgesetzten inspirierte Männer wären, die sich in keiner Hinsicht in bezug auf die Kirche oder die Pflichten ihrer Mitglieder irren könnten, beschloss ich den Wünschen derjenigen, die Vollmacht hatten, gehorsam zu sein. Ich nahm mein Kreuz auf mich und bereitete mich vor, meine Pflicht zu tun. Bald nach dem Frühstück befahl Major Higbee den beiden Indianerdolmetschern Carl Shirts und Nephi Johnson, die Indianer von dem Plan der Operation zu informieren und sie im Hinterhalt ihre Plätze einnehmen zu lassen, so dass sie von den Aussiedlern nicht eher gesehen werden könnten bis das Werk des Todes beginnen würde. Dies wurde getan, um die Aussiedler glauben zu lassen, dass wir die Indianer weggeschickt hätten und ehrlich und in gutem Glauben handelten, als wir zustimmten, sie vor den Wilden zu beschützen. Die Befehle wurden befolgt und innerhalb von fünf Minuten war auf den gesamten 'Meadows' kein einziger Indianer mehr zu sehen. Sie verbargen sich und lagen still wie Baumstämme, bis ihnen der Befehl gegeben wurde, hervorzustürmen und die Frauen zu töten. Dann rief Major Higbee alle Leute auf, sich zu formieren und wies mich an, ihnen den gesamten Plan zu erklären. Dies tat ich, indem ich einfach erklärte, was von jeder Person während der gesamten Verrichtung zu tun erwartet wurde. Dann gab Major Higbee diesen Männern den Befehl vorzurücken. Sie marschierten bis an den Punkt, der vorher vereinbart worden war. Dann wurde William Bateman ausgewählt, den Aussiedlern eine Friedensfahne entgegenzutragen und sie zum Aufgeben aufzufordern und mir wurde befohlen, hinzugehen und den Vertrag zu schließen, nachdem jemand auf unsere Friedenfahne geantwortet hätte. (Die Aussiedler hatten von der Zeit an, als sie mich das Tal überqueren sahen, eine weiße Flagge in ihrem Lager wehen lassen.) Bateman nahm eine weiße Flagge und machte sich auf zum Aussiedlerlager. Als er sich auf dem halben Weg zur Wagenburg befand, traf sich einer der Aussiedler mit ihm, der, wie ich nachher erfuhr, Hamilton hieß. Sie redeten eine Weile aber ich habe nie erfahren, was zwischen ihnen geredet wurde. Bruder Bateman kehrte zum Kommando zurück und sagte, dass die Aussiedler unsere Bedingungen akzeptieren und sich wie von ihnen verlangt ergeben würden.

Mir wurde dann von Major Higbee befohlen, zur Wagenburg zu gehen, den Vertrag auszuhandeln und die ganze Sache zu überwachen. Mir wurde nochmals befohlen, sicherzugehen und alle Waffen samt Munition in die Wagen bringen zu lassen und auch die Kinder und die Kranken und Verwundeten in die Wagen zu schaffen, so wie es vom Rat beschlossen worden war. Dann sagte Major Higbee zu mir: "Bruder Lee, wir erwarten von Ihnen, dass Sie alle Anweisungen, die Ihnen von unserem Rat gegeben worden sind, getreu ausführen." Samuel McMurdy und Samuel Knight wurde dann befohlen, ihre Gruppen vorwärts zu treiben und mir zu folgen, um die Kinder, Waffen usw. wegzuschaffen. Die Truppen bildeten zwei Reihen, wie vorher beschlossen, und standen mit ruhenden Waffen auf jenem Weg, als ich sie verließ. Ich ging vor den Wagen her zur Wagenburg hin. Als ich dort ankam, traf ich Mr. Hamilton außerhalb des Lagers. Er löste die Ketten von einigen der Wagen und schaffte einen Wagen aus dem Weg, so dass unsere Mannschaften in die Wagenburg und in ihr Lager hineinfahren konnten. Es war jetzt Mittag oder etwas später. Ich fand, dass die Aussiedler stark befestigt waren. Ihre Wagen waren zu einem Kreis miteinander verkettet. In der Mitte befand sich ein Schützengraben, der groß genug war, um eine ganze Kompanie aufzunehmen. Dies half ihnen, sich vor dem beständigen Feuer ihrer Feinde zu schützen, das sich von beiden Seiten des Tales von einer Felsenkette aus, die ihren Angreifern als Brustwehr diente, über sie ergoss. Das Tal war an dieser Stelle nicht breiter als 500 Yards [~457 Meter] und die Aussiedler hatten ihr Lager nahe der Mitte des Tales. Im Osten und Westen befand sich jeweils eine niedrige Kette von zerklüfteten, felsigen Bergen, die zum Schutz vor den Indianern und den Mormonen einen ausgezeichneten Platz schufen und ihnen verhältnismäßige Sicherheit boten, während jene auf die Aussiedler feuerten. Das Tal verläuft an dieser Stelle fast in Nord-Süd-Richtung. Als ich die Wagenburg betrat, fand ich die Aussiedler damit beschäftigt, zwei Männer von Bedeutung unter ihnen zu beerdigen, die nur kurze Zeit vorher an den Folgen der Verwundungen, die ihnen von den Indianern zur Zeit des ersten Angriffs am Dienstagmorgen zugefügt worden waren, gestorben waren. Sie wickelten die Körper in Umhänge aus Büffelfell und beerdigten sie in einem Grab innerhalb der Wagenburg. Einige Männer sagten mir dann, dass sieben Männer getötet und siebzehn weitere beim ersten Angriff der Indianer verwundet worden wären und dass drei der verwundeten Männer seitdem gestorben wären, wodurch also zehn von ihnen während der Belagerung getötet worden wären.

Als ich die Festung betrat, sammelten sich Männer, Frauen und Kinder in wilder Bestürzung um mich. Einige hatten das Gefühl, dass ihre glückliche Befreiung gekommen wäre. Während andere trotz großer Not und alle tränenüberströmt mich mit Zweifel, Misstrauen und Schrecken ansahen. Meine Gefühle zu jener Zeit kann man sich vorstellen (aber ich bezweifle, dass die Macht des Menschen fähig ist, sich vorzustellen, wie erbärmlich ich mich fühlte). Keine Sprache kann meine Gefühle beschreiben. Meine Lage war schmerzlich, anstrengend und schlimm. Mein Gehirn schien in Flammen zu stehen. Meine Nerven waren für einen Augenblick überdreht. Die Menschlichkeit war überfordert, als ich an die grausame, unmenschliche Rolle dachte, die ich spielte. Tränen bitterer Qual fielen in Strömen von meinen Augen. Meine Zunge versagte ihren Dienst. Meine Kräfte waren unbenutzt, betäubt und durch Kummer abgetötet. Ich wünschte, die Erde hätte sich geöffnet und mich dort verschluckt, wo ich stand. Gott weiß, dass mein Leiden groß war. Ich kann meine Gefühle nicht beschreiben. Ich wusste, dass ich ein grausames Spiel spielte und eine verdammenswerte Tat beging. Doch mein Vertrauen in die Frömmigkeit meiner Führer war derart, dass ich mich zwang zu glauben, dass ich nicht genügend geistig war, den wichtigen Teil auszuführen, der mir befohlen war. Mein Zögern war nur für einen Augenblick. Dann, mit dem Gefühl, dass die Pflicht "den Gehorsam gegenüber Befehlen" verlangt, legte ich meine Schwachheit und Menschlichkeit beiseite und wurde ein Werkzeug in den Händen meiner Vorgesetzten und meiner Führer. Ich richtete meine Botschaft aus und sagte den Leuten, dass sie ihre Waffen in den Wagen bringen müssten, um nicht die Feindseligkeit der Indianer zu erregen. Ich befahl, dass die Kinder und Verwundeten, etwas Kleidung und die Waffen in die Wagen gebracht wurden. Ihre Gewehre waren meistens "Kentucky Rifles" des Vorderladertyps. Ihre Munition war fast aufgebraucht - ich glaube, es waren nicht einmal 20 Ladungen im ganzen Lager übrig. Wenn die Aussiedler einen guten Munitionsvorrat gehabt hätten, hätten sie sich niemals ergeben und ich glaube nicht, dass wir sie je ohne große Verluste hätten gefangen nehmen können, da sie tapfere und sehr entschlossene Männer waren. Gerade als die Wagen beladen waren, kam Dan. McFarland in die Wagenburg geritten und sagte, dass Major Higbee befohlen hätte, dass man sich beeilen müsse, denn er fürchtete, dass die Indianer zurückkehren und erneut angreifen würden, bevor er die Aussiedler an einen Ort der Sicherheit bringen könnte. Ich feuerte die Leute an und ließ die Wagen in Richtung Cedar City abfahren. Als wir aus der Wagenburg herauskamen, befahl ich, dass die Wagen nach links drehten, so dass sie die Truppen rechts von uns ließen. Dan McFarland ritt vor den Frauen her und führte sie nach rechts zu den Truppen, wo sie immer noch in offener Ordnung standen, so wie ich sie verlassen hatte. Die Frauen und die größeren Kinder gingen vorne voraus, wie ich es angeordnet hatte und die Männer folgten ihnen. Der vorderste Mann befand sich ungefähr 50 Yards [~46 Meter] hinter der letzten Frau. Die Frauen und Kinder wurden direkt von den Truppen angetrieben. Als die Männer ankamen, jubelten sie den Soldaten zu, im Glauben, dass sie ehrlich handelten. Dann gab Higbee seinen Männern die Befehle, eine Reihe zu bilden und ihre Plätze einzunehmen, wie vorher angeordnet, d.h. zur Rechten der Aussiedler, so viel sah ich. Aber dann befanden sich unsere Wagen außer Sichtweite der Truppen über dem Hügel. Ich war insofern ungehorsam, dass ich abdrehte, denn ich war darum bestrebt nicht in Sichtweite der blutigen Tat zu sein, wovon ich wusste, dass sie jetzt folgen sollte. Ich wusste, dass ich viel zu tun hatte, obwohl es einen grausamen und unnatürlichen Charakter hatte. Es war meine Pflicht, zusammen mit den beiden Kutschern die Kranken und Verwundeten, die sich in den Wagen befanden, zu töten, sobald wir die Gewehre der Truppen feuern hörten. Ich ging zwischen den Wagen, die Pferde hatten einen schnellen Gang und wir befanden uns eine volle halbe Meile von Major Higbee und seinen Männern entfernt, als wir die Schüsse hörten. Als wir die Gewehre hörten, befahl ich anzuhalten und wir setzten damit fort, unseren Teil zu tun. Ich mache hier mit der Wiedergabe dieser grausigen Geschichte einer Inhumanität des Menschen eine Pause und stelle mir selbst eine Frage: Sieht es in mir ehrenhaft aus und kann ich mein Gewissen vor Gott rein machen, indem ich mich selbst beschütze, während ich andere anklage? Nein, niemals! Der Himmel verbietet es, dass ich eine Last auf die Schultern anderer lege, dass ich nicht bereit bin, meinen eigenen Teil daran zu tragen. Ich bin weder meinem Volk gegenüber ein Verräter noch gegenüber meinen früheren Freunden und Kameraden, die an jenem finsteren Tag bei mir waren, als das Werk des Todes in Gottes Namen durch einen Haufen von verleiteten und religiösen Fanatikern ausgeführt wurde. Es ist meine Pflicht, Tatsachen zu berichten wie sie sind und das werde ich tun. Ich sagte, dass alle kleinen Kinder in die Wagen gebracht wurden. Dies stimmt nicht, denn ein kleines Kind, ungefähr sechs Monate alt, wurde in die Arme seines Vaters gelegt und es wurde durch dieselbe Kugel getötet, die in die Brust seines Vaters eindrang. Ihm wurde in den Kopf geschossen. Später wurde mir von Haight berichtet, dass es durch einen Unfall getötet wurde, aber ich kann nicht sagen, ob dies stimmt oder nicht. Ich sah es tot daliegen, als ich vom Ort des Schlachtens zurückkehrte. Als wir außer Sichtweite waren, wie ich schon sagte und gerade als wir auf den Hauptweg kamen, hörte ich einen Donner von Gewehrschüssen von dem Ort, von dem ich wusste, dass dort die Truppen und die Aussiedler waren. Unsere Mannschaften gingen daraufhin in einen schnellen Gang über. Erst hörte ich ein Gewehr, dann folgte sofort ein weiterer Donner. McMurdy und Knight hielten sofort ihre Mannschaften an, denn sie hatten von Higbee genau wie ich den Befehl, zu helfen, die Kranken und Verwundeten, die sich in den Wagen befanden, zu töten und dies zu tun, sobald sie die Gewehre der Truppen hörten. McMurdy befand sich vorn. Sein Wagen war hauptsächlich mit den Waffen und den kleinen Kindern beladen. McMurdy und Knight kamen aus ihren Wagen heraus, jeder hatte ein Gewehr. McMurdy ging zu Knights Wagen, wo sich die Kranken und Verwundeten befanden und während er sein Gewehr an die Schulter legte sagte er: "Oh Herr, mein Gott, empfange ihre Geister, es ist für Dein Königreich, dass ich dies tue!" Daraufhin erschoss er einen Mann, der mit seinem Kopf auf der Brust eines anderen Mannes lag. Die Kugel tötete beide. Auch ich ging zu dem Wagen, mit der Absicht meinen Teil am Töten zu tun. Ich zog meine Pistole und spannte sie aber irgendwie ging sie vorzeitig los und ich schoss McMurdy über den Oberschenkel, wobei meine Pistolenkugel seine Wildlederhose aufschlitzte. McMurdy wandte sich zu mir und sagte: "Bruder Lee, bleiben Sie gelassen, Sie sind aufgeregt; Sie hätten mich fast getötet." Knight erschoss dann einen Mann mit seinem Gewehr. Er schoss dem Mann in den Kopf. Knight schlug auch einem Jungen den Schädel ein, der ungefähr vierzehn Jahre alt war. Der Junge kam zu unseren Wagen hergerannt und Knight schlug ihm mit dem Gewehrkolben auf den Kopf und zerschmetterte seinen Schädel. In diesem Augenblick erreichten viele Indianer unsere Wagen und alle Kranken und Verwundeten wurden fast augenblicklich getötet. Ich sah einen Indianer aus Cedar City, der Joe genannt wurde, wie er zum Wagen rannte und einen Mann bei den Haaren packte und seinen Kopf hochhob und in sein Gesicht schaute. Der Mann schloss seine Augen und Joe schoss ihm in den Kopf. Die Indianer untersuchten dann alle Verwundeten in den Wagen und alle Körper, um zu sehen, ob jemand noch lebte und jedem, der ein Lebenszeichen zeigte, wurde sofort in den Kopf geschossen. Ich tötete dort niemanden aber es war ein Zufall, der mich davor bewahrte, denn ich hatte die volle Absicht, meinen Teil des Tötens zu erledigen aber bis ich die Aufregung - dass ich fast McMurdy getötet hätte - überwunden hatte, war das ganze Töten der Verwundeten schon erledigt. Die Erklärung von Nephi Johnson, in der er sagte, dass ich die Kehle eines Mannes durchgeschnitten hätte, ist nicht wahr. Direkt nachdem die Verwundeten alle getötet waren, sah ich ein Mädchen, etwa zehn oder elf Jahre alt, zu uns aus der Richtung herüberrennen, wo die Truppen den Hauptteil der Aussiedler angegriffen hatten. Sie war mit Blut bedeckt. Ein Indianer erschoss sie, ehe sie die Entfernung von 60 Yards [~ 55 Meter] zu uns erreicht hatte. Dies war die letzte Person, die ich sah, die bei jener Gelegenheit getötet wurde.

Etwa in diesem Moment eilte ein Indianer zum vorderen Wagen und ergriff einen kleinen Jungen und war dabei ihn zu töten. Der Junge entkam dem Indianer und rannte zu mir und erfasste mich bei den Knien und bettelte, ihn zu retten und nicht zuzulassen, dass der Indianer in tötete. Der Indianer hatte das Kinn des kleinen Burschen in der Wagenunterkunft verletzt, als er ihn schnappte. Ich sagte dem Indianer, er solle den Jungen in Ruhe lassen. Ich nahm das Kind hoch in meine Arme und brachte ihn in den Wagen zurück und rettete ihm so das Leben. Dieser kleine Junge sagte, dass sein Name Charley Fancher und sein Vater Anführer des Trecks wäre. Er war ein aufgeweckter Junge. Ich adoptierte ihn später und gab ihn Caroline. Sie behielt ihn bis Dr. Forney alle Kinder in den Osten brachte. Ich glaube, dass William Sloan, alias Idaho Bill, derselbe Junge ist. Nachdem alle Gruppen tot waren, befahl ich Knight, auf eine Seite hinauszukutschieren und die toten Körper hinauszuwerfen. Dies tat er und er warf sie aus seinem Wagen an eine Stelle, die etwa 100 Yards [~91 Meter] vom Weg entfernt war und danach kam er dorthin zurück, wo ich stand. Danach befahl ich Knight und McMurdy, die Kinder, die vor dem Tod bewahrt worden waren (sechzehn an der Zahl, einige sagen siebzehn, ich sage sechzehn), zu nehmen und zu Hamblins Ranch zu fahren. Sie taten, wie ich es angeordnet hatte. Bevor die Wagen losfuhren, kam Nephi Johnson in Begleitung mit den Indianern, die unter seinem Kommando standen, heran und ich glaube, Carl Shirts kam auch aber ich weiß, dass ich Carl Shirts damals als Feigling betrachtete und ich ließ ihn später dafür leiden, dass er ein Feigling war. Sieben weiße Männer kamen ebenfalls herbei, aber ich weiß ihre Namen nicht mehr, da ich vergessen habe wer sie waren. Knight log, als er sagte, dass ich zur Ranch ging und ihm befahl, mit seinem Team zum Schlachtfeld zu gehen. Ich habe zu keiner Zeit etwas von seinem Team gewusst oder gehört, bis zu dem Zeitpunkt, als er mit einer Ladung von bewaffneten Männern in seinem Wagen am Donnerstagabend ankam. Wenn jemals jemand ihm befahl zu den "Meadows" zu gehen, dann war es Higbee. Jeder Zeuge, der behauptet, er wäre zu den "Meadows" gegangen, ohne zu wissen, was er dort tun würde, hat gelogen, denn sie alle wussten Bescheid, genauso wie Haight oder jeder andere, und sie alle, jeder einzelne von ihnen, stimmten in der Ratsversammlung am Freitagmorgen kurz vor Tagesanbruch dafür, alle Aussiedler zu töten. Nachdem die Wagen mit den Kindern zu Hamblins Ranch aufgebrochen waren, kehrte ich um und ging dorthin zurück, wo die Brüder waren. Nephi Johnson lügt, wenn er sagt, dass er zu Pferd war und mich traf oder dass ich ihm Befehle gab, hinzugehen und die Wagen zu bewachen. Er ist ein falsch schwörender Schuft und er hat sich allem verschworen, das mir schaden könnte. Gott weiß, dass das, was ich getan habe, schlimm genug war, aber er hat gelogen, um den Führern der Kirche zu entsprechen, die mich aus dem Weg haben wollen. Während ich zu den Brüdern zurückging, kam ich an den toten Körpern einiger Frauen vorbei. An einer Stelle sah ich sechs oder sieben Körper dicht zusammen. Sie waren vollkommen nackt ausgezogen und ihre gesamte Kleidung war von den Indianern von ihren Körpern gerissen. Ich ging an der Linie entlang, wo die Aussiedler getötet worden waren und sah viele Körper tot und nackt auf dem Schlachtfeld liegen, nicht weit davon entfernt, wo die Frauen lagen. Ich sah zehn Kinder. Sie waren nahe beieinander getötet worden. Sie waren zwischen zehn und sechzehn Jahre alt. Die Körper der Frauen und Kinder lagen in ziemlicher Entfernung zerstreut auf dem Boden, bevor ich dort hinkam, wo die Männer getötet wurden. Ich weiß nicht, wie viele getötet wurden aber ich glaubte damals, dass etwa fünfzehn Frauen, ungefähr zehn Kinder und ungefähr vierzig Männer getötet wurden aber die Erklärung anderer, mit denen ich seither über das Massaker gesprochen habe, lässt mich glauben, dass an jenem Tag volle einhundertzehn auf den "Mountain Meadows" getötet wurden und die zehn, die in der Wagenburg gestorben waren und der junge Aden, der von Stewart bei Richards' Springs getötet wurde, würden die Gesamtzahl von 121 ergeben. Als ich den Ort erreichte, wo die toten Männer lagen, wurde mir berichtet, wie die Befehle ausgeführt wurden. Major Higbee sagte: "Die Jungs haben bewundernswert gehandelt, sie hatten gut gezielt und alle von den verdammten Heiden, außer zweien oder dreien, fielen mit der ersten Salve." Er sagte, dass drei oder vier ein ganzes Stück weit fliehen konnten aber die Männer auf den Pferden holten sie bald ein und schnitten ihnen die Kehle durch. Higbee sagte, dass die Indianer ihren Teil der Arbeit gut gemacht haben, dass es nicht mehr als eine Minute dauerte, sie zu erledigen, bevor sie überhaupt begonnen hatten. Ich fand, dass die ersten Befehle buchstabengetreu ausgeführt worden waren.

Drei der Aussiedler entkamen aber die Indianer wurden auf ihre Fährte geschickt und sie überholten und töteten sie, bevor sie die Siedlungen in Kalifornien erreichten. Aber es würde mehr Zeit in Anspruch nehmen als ich übrig habe, um alle Einzelheiten von ihrer Jagd und Gefangennahme zu berichten. Ich werde es vielleicht später in meinen Niederschriften tun, aber nicht jetzt. Ich fand Major Higbee, Klingensmith und die meisten Brüder in der Nähe stehen, wo die größte Anzahl der toten Männer lag. Als ich auf die Brüder zuging, sagte Major Higbee: "Wir müssen jetzt die Körper nach Wertsachen untersuchen." Ich sagte, dass ich solch eine Arbeit nicht tun wollte. Higbee sagte daraufhin: "Gut, Sie halten meinen Hut und ich untersuche die Körper und lege die Wertsachen, die ich finde, in den Hut." Die Körper wurden alle von Higbee, Klingensmith und Wm. C. Stewart durchsucht. Ich hielt für eine Weile den Hut aber bald wurde mir so übel, dass ich ihn einem anderen geben musste, da ich für einige Minuten nicht in der Lage war zu stehen. Die Suche ergab ein wenig Geld und einige Uhren, aber man fand keine große Geldmenge. Higbee und Klingensmith behielten die Wertsachen, so vermute ich, denn ich habe nie erfahren, was damit passiert ist, außer dass sie sie behielten. Ich glaube, sie behielten alles. Nachdem die Toten durchsucht waren, wie ich es gerade berichtete, wurden die Brüder zusammengerufen und Higbee und Klingensmith, sowie auch ich, gaben Ansprachen und wiesen die Leute an, diese Angelegenheit vor der ganzen Welt geheim zu halten, nichts ihren Ehefrauen oder ihren besten Freunden zu erzählen, und wir gelobten alles bezüglich dieser Angelegenheit ein Leben lang als Geheimnis zu bewahren. Wir nahmen uns auch die bindendsten Schwüre ab, zueinander zu stehen und immer darauf zu bestehen, dass das Massaker allein von den Indianern begangen worden war. Dies war auch der Rat von Brigham Young, wie ich hiernach zeigen werde. Den meisten Männern wurde in jener Nacht befohlen, dort auf dem Schlachtfeld zu lagern. Aber Higbee und Klingensmith gingen mit mir zu Hamblins Ranch, wo wir etwas zu essen bekamen und wir blieben dort die ganze Nacht. Ich war fast tot und brauchte Ruhe und Schlaf; in der Tat hatte ich seit letzter Samstagnacht nur wenig geruht. Ich nahm bald, nachdem ich mein Abendessen gegessen hatte, meine Satteldecke und warf sie auf den Boden und legte mich auf der Satteldecke nieder, wobei ich meinen Sattel als Kopfkissen benutzte, und schlief einen gesunden Schlaf bis zum nächsten Morgen. Ich wurde am Morgen durch ein lautes Gespräch zwischen Isaac C. Haight und William H. Dame geweckt. Sie waren sehr aufgeregt und stritten miteinander. Ich stand sofort auf aber ich war nicht in der Lage zu hören, worüber sie sich stritten, denn sie wurden leiser, sobald sie sahen, dass andere auf sie aufmerksam wurden. Ich erfuhr bald, dass Col. Dame, Richter Lewis von Parowan und Isaac C. Haight mit etlichen anderen in der Nacht die Hamblin-Ranch erreicht hatten aber ich weiß nicht zu welcher Zeit sie dort ankamen. Nach dem Frühstück gingen wir gemeinsam zu den Meadows zurück, um die Toten zu begraben und uns um die dort zurückgelassenen Besitztümer zu kümmern. Als wir die Meadows erreichten, ritten wir alle zu dem Teil des Schlachtfeldes, wo die Frauen tot herumlagen. Die Körper der Männer, Frauen und Kinder waren gänzlich nackt ausgezogen worden, was die Szenerie zur ekelhaftesten und grausigsten machte, die man sich vorstellen kann. Da ich wusste, dass Dame und Haight bei Hamblins Streit hatten, wollte ich wissen, wie sie sich angesichts der Toten verhalten würden, die dort als Folge ihrer Befehle lagen. Ich war sehr interessiert, was Dame zu sagen hätte, weshalb ich dicht bei ihnen blieb, ohne den Anschein zu erwecken, dass ich sie beobachtete.

Colonel Dame war eine Zeitlang still. Er schaute über das ganze Schlachtfeld und war ziemlich blass und sah unbehaglich und erschreckt aus. Ich dachte damals, er würde gerade den Unterschied zwischen dem Geben und dem Ausführen von Befehlen, betreffend dem ganzen Morden, herausfinden. Er sprach zu Haight und sagte: "Ich muss diese Angelegenheit den Autoritäten berichten." "Wie wollen Sie es berichten?" fragte Haight. Dame sagte: "Ich werde es einfach so berichten wie es ist." "Ja, das denke ich auch und werden Sie sich an dem Rest beteiligen?" "Nein", sagte Dame, "ich werde mich nicht beteiligen, denn ich hatte nichts damit zu tun." Haight sagte daraufhin: "So einfach geht das nicht, denn Sie wissen es 'verdammt noch mal' besser. Sie haben es angeordnet. Nichts ist getan worden außer aufgrund Ihrer Befehle und es ist für Sie zu spät, um Dinge anzuordnen und dann nicht dazu zu stehen und nicht zu den Männern zu stehen, die Ihre Befehle ausgeführt haben. Sie können mich nicht hereinlegen und ich wäre verdammt, wenn ich es mir gefallen ließe. Sie sind ebenso schuldig wie jeder und Sie wissen, dass wir nichts anderes getan haben als was Sie angeordnet haben. Ich weiß, dass ich Befehle befolgt habe und bei Gott, ich werde mir diese Sache nicht in die Schuhe schieben lassen." Colonel Dame war sehr erregt. Ihm hatte es die Sprache verschlagen und er wäre weggegangen aber er wusste, dass Haight ein Mann von Entschlossenheit war und dass er keine Torheiten zulassen würde. Sobald sich Colonel Dame sammeln konnte, sagte er: "Ich dachte nicht, dass es so viele waren, sonst hätte ich damit nichts zu tun haben wollen." Ich dachte, es wäre jetzt Zeit, mich einzumischen, also sagte ich: "Brüder, was ist das Problem zwischen Ihnen? Ich möchte nicht dass unsere Vorgesetzten uneins sind." Haight kam herüber an meine Seite und stellte sich ein wenig mir gegenüber und sah gleichzeitig Colonel Dame ins Gesicht. Er war sehr aufgebracht und sagte: "Das Problem ist einfach folgendes: Colonel Dame beriet mit mir und befahl mir, diese Sache zu tun, und jetzt will er sich davonschleichen und mich im Stich lassen und, bei Gott, das wird er nicht tun. Er wird nicht alles auf meine Schultern legen. Das kann er nicht tun. Er soll ja nicht versuchen, das zu tun. Ich werde ihn in die Hölle pusten, bevor er alles mir in die Schuhe schiebt. Er muss zu dem stehen, was er getan hat, wie ein kleiner Mann. Er weiß, dass er dies angeordnet hat und ich warne ihn, es zu leugnen." Colonel Dame war vollkommen eingeschüchtert. Er wagte nicht, es noch einmal zu leugnen, aber er sagte: "Isaac, ich wusste nicht, dass sie so viele waren." "Das macht keinen Unterschied," sagte Haight, "Sie befahlen mir, es zu tun, und Sie müssen für Ihre Befehle gerade stehen."

Ich dachte, es wäre jetzt an der Zeit, diese Aufregung zu beenden. Denn viele von den jüngeren Brüdern kamen jetzt dazu. Darum sagte ich: "Brüder, dies ist nicht der Ort, um über solche Dinge zu sprechen. Sie werden mir zustimmen, dass Sie dorthin gehen, wo Sie leise sein und darüber sprechen können." Haight sagte: "Da gibt es nichts mehr zu sagen, denn er weiß, dass er es angeordnet hat, und somit muss er auch dazu stehen." Dies beendete den Streit zwischen ihnen und ich hörte nicht eher darüber, dass Colonel Dame das Geben von Befehlen noch einmal geleugnet hätte, bis nachdem die Kirchenautoritäten beschlossen, mich für die Sünden der Kirche zu opfern. Dann gingen wir das Schlachtfeld entlang und kamen dort vorbei, wo die Brüder damit beschäftigt waren, die Körper zu bedecken. Sie stapelten die Körper zu Haufen auf, in kleinen Vertiefungen, und warfen Erde über sie. Die Körper waren knapp bedeckt, da der Boden hart war und die Brüder hatten nicht genügend Werkzeuge zum Graben. Ich vermute, dass es wahr ist, dass der erste Regen die Körper wieder freiwusch, aber ich ging nie wieder zurück, um nachzusehen, ob es so war oder nicht. Dann gingen wir auf dem Schlachtfeld entlang an die Stelle, wo sich die Wagenburg und das Lager befunden hatten, dorthin, wo die Wagen standen. Wir stellten fest, dass die Indianer alle Wagenabdeckungen und die Kleidungsstücke und die Vorräte mitgenommen hatten, und sie hatten die Federn aus den Federbetten entleert und alle Bezüge mitgenommen. Nachdem die Toten abgedeckt oder beerdigt waren (aber es hatte nicht viel mit einer Beerdigung zu tun), wurden die Brüder zusammengerufen und es wurde beim Aussiedlerlager eine Ratsversammlung abgehalten. Alle führenden Männer hielten Ansprachen: Colonel Dame, Präsident Haight, Klingensmith, John M. Higbee, Hopkins und ich. Die Ansprachen bestanden in erster Linie aus Danksagungen zu Gott, dass er unsere Feinde in unsere Hände geliefert hatte, als nächstes Danksagungen an die Brüder für den Eifer in Gottes Sache und schließlich in der Betonung der Notwendigkeit, immer zu sagen, dass es allein die Indianer gewesen wären und dass die Mormonen nichts damit zu tun hätten. Wie auch immer, die meisten Ansprachen hatten die Form von Ermahnungen und Befehlen, die ganze Angelegenheit vor jedem außer Brigham Young geheim zu halten. Es wurde einstimmig abgestimmt, dass jeder, der das Geheimnis ausplaudern oder erzählen sollte, wer dabei war oder irgendetwas tun sollte, dass zur Entdeckung der Wahrheit führen würde, den Tod erleiden sollte. Die Brüder nahmen dann einen höchst feierlichen Eid auf sich, wobei sie sich selbst zu den schlimmsten und schrecklichsten Strafen verpflichteten, die ganze Angelegenheit vor jedem menschlichen Wesen geheim zu halten, solange sie lebten. Niemand sollte die Fakten kennen. Die Brüder wurden eingeschworen, nicht untereinander darüber zu reden und jeder schwörte zu helfen, diejenigen zu töten, die sich als Verräter der Kirche oder des Volkes in dieser Sache erweisen würden. Man war sich dann einig, dass Brigham Young über die ganze Sache von jemandem informiert werden sollte, der vom Kirchenrat ausgewählt werden sollte, nachdem die Brüder heimgekehrt waren. Es wurde auch beschlossen, alle Güter nach Klingensmith als Bischof der Kirche in Cedar City zu schaffen und er sollte zur Wohlfahrt der Kirche für die Güter sorgen, bis Brigham Young in Kenntnis gesetzt war und er weitere Anweisungen geben sollte, was damit geschehen sollte.

Kapitel XIX

Colonel Dame segnete dann die Brüder und wir machten uns fertig, um in unsere Heime zurückzukehren. Ich nahm meinen kleinen Indianerjungen Clem hinter mich aufs Pferd und brach nach Hause auf. Ich überquerte die Berge und kehrte auf demselben Weg zurück wie ich gekommen war. Als ich ungefähr zwei Meilen nach Harmony hineingekommen war, überholte ich eine Gruppe von ungefähr vierzig Indianern auf ihrem Heimweg vom Massaker. Sie hatten eine große Menge blutiger Kleidung bei sich und trieben einige Stück Rindvieh mit sich, die sie den Aussiedlern abgenommen hatten. Die Indianer freuten sich sehr, mich zu sehen und sie sagten, dass ich ihr Anführer sei und dass sie mit mir als meine Männer nach Harmony gehen wollten. Es war der Befehl von den Kirchenautoritäten, alles zu tun, was wir könnten, um die Indianer friedlich zu stimmen und sie zu den besten Freunden der Mormonen zu machen, also beschloss ich, auf sie einzugehen. Ich ritt weiter und sie marschierten hinter mir her, bis wir das Fort von Harmony erreichten. Wir begaben uns in das Fort und marschierten innen um die Runde, wonach sie anhielten und ein Siegesgeschrei von sich gaben, was für sie dasselbe bedeutete wie die Hurra-Rufe der Weißen. Ich ordnete dann an, den Indianern zu essen zu geben. Meine Familie gab ihnen etwas Brot und Melonen, was sie aßen und danach verließen sie mich und gingen zu ihrem Stamm. Ich möchte hier nochmals erklären, dass auf dem Schlachtfeld und nach dem Massaker und wieder bei der Ratsversammlung im Aussiedlerlager am Tag nach dem Massaker Befehle gegeben wurden, alles geheim zu halten und wenn jemand das Geheimnis irgendeinem Menschen erzählen würde, müsste er getötet werden und ich behaupte, dass es eine Tatsache war, wenn je ein Mann es damals erzählt hätte, oder viele Jahre danach, wäre er gestorben, denn einige "Zerstörende Engel" wären seiner Fährte gefolgt und hätten ihn über den "Rand des Beckens" geschickt. Von jenem Tag an bis heute hat man es unter allen, die mit jenem Massaker zu tun hatten, so verstanden, dass derjenige, der das Geheimnis ausplauderte, sterben sollte. Er musste getötet werden, wo immer man ihn finden würde, wegen des Verrates an den Männern, die die Aussiedler töteten und wegen seines Verrates an der Kirche. Niemand hatte die Freiheit, es seiner Frau oder sonst jemandem zu erzählen. Auch war den Brüdern nicht erlaubt, darüber zu sprechen, nicht einmal untereinander. So lauteten die Befehle und Anweisungen von Brigham Young bis hinunter zur untersten Autorität. Die Befehle, alles den Indianern zuzuschieben, waren genauso zwingend wie alles geheim zu halten. Dies war der Ratschluss aller, die Vollmacht hatten und Jahre lang wurde er treu beachtet.

Die Kinder, die gerettet wurden, wurden nach Cedar City und in andere Siedlungen gebracht und unter verschiedenen Familien aufgeteilt, wo sie verwahrt wurden, bis sie Dr. Forney, dem Agent der Vereinigten Staaten, übergeben wurden, der ihretwegen kam. Ich hatte in den folgenden drei Monaten nach dem Massaker nichts mit den Gütern oder dem Vieh oder sonst etwas zu tun, das den Aussiedlern genommen wurde und danach übernahm ich lediglich die Verantwortung für das Vieh, weil es mir von Brigham Young so befohlen wurde. Insgesamt gab es im Aussiedlerlager achtzehn Wagen. Sie hatten alle hölzerne Achsen, außer einem, der eine Achse aus leichtem Eisen hatte. Er war von vier Maultieren gezogen worden. Es gab ungefähr fünfhundert Stück Rindvieh aber ich habe niemals die Hälfte davon bekommen. Die Indianer töteten eine große Anzahl von ihnen zur Zeit des Massakers und trieben weitere zu ihren Stämmen, als sie von den Mountain Meadows heimkehrten. Klingensmith setzte das Brandzeichen der Kirche auf fünfzig oder mehr von den besten Rindern und dann trieben er, Haight und Higbee die Rinder nach Salt Lake City und verkauften sie gegen Waren, die sie zum Handeln nach Cedar City zurückbrachten. Die Indianer bekamen ungefähr zwanzig Pferde und Maultiere. Samuel Knight, einer der Zeugen bei meiner Gerichtsverhandlung, bekam eine große fuchsbraune Stute. Haight erhielt ein Gespann von durchschnittlichen amerikanischen Maultieren. Joel White bekam eine schöne Stute. Higbee bekam ein gutes, großes Maultier. Klingensmith bekam ein Gespann Maultiere. Haight, Higbee und Allen nahmen sich jeder einen Wagen. Die Leute nahmen sich alle, was sie wollten, und sie hatten sich viel mehr als die Hälfte aufgeteilt und aufgebraucht, bevor ich die Verantwortung darüber bekam. Das erste Mal, dass ich davon hörte, dass ein Bote zu Brigham Young wegen Anweisungen geschickt worden war, um zu erfragen, was mit den Aussiedlern geschehen sollte, war drei oder vier Tage nachdem ich von den Meadows heimgekehrt war. Damals hörte ich es von Isaac C. Haight, als er zu mir nach Hause kam und mit mir eine Unterredung hatte. Er sagte: "Wir befinden uns alle in Schwierigkeiten. Haslem ist mit Befehlen von Brigham Young von Salt Lake City zurückgekehrt, die Aussiedler in Sicherheit ziehen zu lassen."

In dieser Unterhaltung sagte Haight auch: "Ich hatte einen Befehl an Higbee gesandt, die Aussiedler zu verschonen, nachdem ich einen Befehl ausgesandt hatte, sie alle zu töten, aber aus irgendeinem Grund erreichte die Botschaft ihn nicht. So wie ich es verstehe, begab sich der Bote überhaupt nicht zu den Meadows." Sofort erkannte ich, dass wir uns in der Klemme befanden, und ich fragte Haight, was zu tun wäre. Wir sprachen die Angelegenheit noch einmal durch. Haight sagte dann, dass die Anweisungen vom Rat lauteten, dass ich nach Salt Lake City gehen und die ganze Angelegenheit Brigham Young vortragen sollte. Ich fragte ihn, ob er nicht einen Bericht an den Gouverneur schreiben wollte, da er der richtige Mann dafür wäre, denn er hätte in diesem Teil des Landes das Kommando über das Militär und nach Dame das Kommando über den gesamten Distrikt. Ich sagte ihm, dass dies ein Sache wäre, für die die Militärabteilung zuständig wäre und sie als solche berichtet werden sollte. Er lehnte es aber ab, einen Bericht zu schreiben und sagte: "Sie können es besser berichten als ich es schreiben könnte. Sie sind wie ein Mitglied von Brighams Familie und können mit ihm persönlich und vertraulich reden. Ich möchte, dass Sie alles, was Sie können, auf sich nehmen und die Brüder nicht mehr, als Sie für nötig halten, bloßstellen. Tun Sie dies, Bruder Lee, wie ich es Ihnen befehle und Sie werden dafür eine himmlische Belohnung erhalten und die Zeit wird kommen, wenn alle, die mit uns handelten, froh über den Teil sein werden, den Sie getan haben, denn die Zeit ist nahe, da die Heiligen sich der Reichtümer der Erde erfreuen sollen. Und alle, die den Glauben und die Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage verleugnen, erschlagen werden - das Schwert der Rache wird ihr Blut vergießen. Ihr Wohlstand wird unserem Volk als Beute gegeben werden." Zu jener Zeit glaubte ich alles, was er sagte und ich erwartete voll und ganz, die himmlische Belohnung, die er versprochen hatte, zu empfangen. Aber jetzt sage ich: Verdammt seien all diese "himmlischen Belohnungen", die ich für das bekommen werde, was ich an jenem schicksalsvollen Tage getan habe. Damals wurde dem Volk jeden Sonntag gepredigt, dass die Mormonen sofort die Erde erobern würden und das ganze Volk glaubte, dass das Millennium gekommen wäre und dass Christi Regierung als vollendete Tatsache auf Erden bald beginnen würde.

Den Befehlen von Isaac C. Haight gemäß machte ich mich auf den Weg nach Salt Lake City, um sämtliche Tatsachen im Zusammenhang mit dem Massaker Brigham Young zu berichten. Ich brach etwa eine Woche oder zehn Tage nach dem Massaker auf und ich war ungefähr zehn Tage unterwegs. Als ich in der Stadt ankam, ging ich zum Haus des Präsidenten und gab Brigham einen vollständigen und detaillierten Bericht über die ganze Angelegenheit, von Anfang bis Ende, nur dass ich etwas mehr auf mich nahm als ich getan hatte. Er fragte mich, ob ich einen Brief von Haight mit seinem Bericht über diese Sache mitgebracht hätte. Ich sagte: "Nein, Haight wollte von mir, dass ich einen mündlichen Bericht darüber abgebe, da ich ein Augenzeuge von dem meisten war." Ich ging damals die ganze Affäre durch und gab ihm einen Bericht, so vollständig wie es für mich möglich war. Ich beschrieb jede Einzelheit. Ich erzählte ihm von den Befehlen, die Haight mir als erstes gab. Ich erzählte ihm alles. Ich erzählte ihm, dass "Bruder McMurdy, Bruder Knight und ich die verwundeten Männer in den Wagen mit Hilfe der Indianer töteten. Wir töteten sechs verwundete Männer." Er stellte mir viele Fragen und ich erzählte ihm jede Einzelheit und alles, was ich wusste. Ich beschrieb alles sehr deutlich. Ich erzählte ihm, was ich gegen das Töten der Frauen und Kinder gesagt hatte. Brigham sagte daraufhin: "Isaac (er meinte Haight) hat mir eine Nachricht geschickt, dass wenn sie jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in diesem Haufen getötet hätten, dass kein Tropfen unschuldigen Blutes von den Brüdern vergossen worden wäre, denn sie sind eine Bande von Mördern, Räubern und Dieben." Während ich noch mit ihm redete, kamen einige Männer ins Haus, um ihn zu sehen. Deshalb bat er mich, mich ruhig zu verhalten, bis sie gegangen wären. Ich befolgte seine Anweisung.

Sobald die Männer hinausgegangen waren, fuhr ich mit meinem Bericht fort. Ich gab ihm die Namen aller, die beim Massaker anwesend waren. Ich erzählte ihm, wer die verschiedenen Menschen tötete. Eigentlich gab ich ihm jede Information, die man geben konnte. Als ich damit fertig war, über diese Angelegenheit zu sprechen, sagte er: "Dies ist die unglücklichste Affäre, die je die Kirche befallen hat. Ich fürchte den Verrat unter den Brüdern, die dabei waren. Wenn irgendeiner diese Sache weitererzählt, so dass es an die Öffentlichkeit kommt, wird sie uns großen Schaden zufügen. Ich möchte, dass sie jetzt verstehen, dass sie dies nie wieder erzählen dürfen, nicht einmal Heber C. Kimball. Es muss unter uns geheimgehalten werden. Ich möchte, dass sie sich hinsetzen wenn sie nach Hause kommen und einen langen Brief schreiben und mir einen Bericht über die Affäre geben, welcher die Indianer verantwortlich macht. Sie unterzeichnen den Brief als Farmer für die Indianer und übergeben ihn mir als Vermittler der Indianer. Dann kann ich einen solchen Brief dazu benutzen, um Schaden und lästige Nachfragen abzuwehren." Ich sagte ihm, dass ich den Brief schreiben würde. (Ich hielt mein Wort, aber als Beweis seiner Treulosigkeit: Er gab denselben Brief, den er mich schreiben ließ, an seinen Anwalt Howard und er hat ihn als Beweis gegen mich bei meiner Gerichtsverhandlung vorgestellt.) Als er diesen Brief erhielt, wusste Brigham Young genau wie ich, dass er kein wahrer Brief war und dass er nur aufgrund seiner Befehle geschrieben wurde, um die Öffentlichkeit von der richtigen Fährte wegzuführen. Er wusste, dass er geschrieben wurde, um einfach die ganze Schuld den Indianern in die Schuhe zu schieben und die Brüder zu decken. Diesen Brief schreibend gehorchte ich nur meinen Befehlen und verdiente mir die himmlische Belohnung, die mir versprochen worden war. Dann sagte er: "Wenn nur Männer getötet worden wären, hätte ich mir nicht so viele Sorgen gemacht aber das Töten der Frauen und Kinder ist die Sünde daran. Ich vermute, dass die Männer hartgesotten waren aber es ist schlimm, Frauen und Kinder für die Sünden der Männer zu töten. Diese ganze Sache steht vor mir wie eine schreckliche Vision. Ich brauche Zeit, um darüber nachzudenken." Dann sagte er mir, dass ich gehen und mich am nächsten Tag wieder melden solle. Dann würde er mir eine Antwort geben. Ich sagte zu ihm: "Präsident Young, die Leute hatten alle das Gefühl, und ich weiß, dass ich glaubte Befehlen zu gehorchen und für das Wohl der Kirche zu handeln und in strikter Übereinstimmung mit den Gelöbnissen, die wir gemacht haben, das Blut der Propheten zu rächen. Entweder müssen Sie anerkennen, was die Leute getan haben, oder Sie müssen uns aus den Gelöbnissen und Verpflichtungen entlassen, die wir auf uns genommen haben." Die einzige Antwort, die er gab, war: "Gehen Sie jetzt und kommen Sie morgen früh wieder und dann werde ich Ihnen eine Antwort geben."

Ich kam am nächsten Morgen wieder, um ihn zu treffen. Als ich eintrat, schien er ziemlich fröhlich zu sein. Er sagte: "Ich habe diese Sache zum Gebetsthema gemacht. Ich ging damit direkt zu Gott und bat ihn, diesen Alptraum von mir zu nehmen, falls es eine rechtschaffene Sache war, die mein Volk getan hat, als sie jene Leute auf den "Mountain Meadows" töteten. Gott hat mir geantwortet und die Vision war sofort verflogen. Ich habe die Gewissheit von Gott, dass er alles für immer verworfen hat und die Tat rechtschaffen und in guter Absicht geschah. Die Brüder handelten aufgrund reiner Motive. Das einzige Ärgernis besteht darin, dass sie ein wenig voreilig gehandelt hatten. Sie waren ein wenig in der Zeit voraus. Ich stehe zu dem, was sie getan haben. Alles, was ich befürchte, ist Verrat seitens einiger, die bei euch waren aber wir werden uns darum kümmern." Ich wurde nochmals gewarnt und erhielt den Befehl, die ganze Sache als heiliges Geheimnis zu behandeln, und wieder wurde mir gesagt, als "Indianer-Farmer" den Bericht zu schreiben und die Schuld den Indianern anzulasten. So endete unser Interview und ich verließ ihn und machte mich bald auf den Weg heim nach Harmony. Brigham Young war damals mit der Reinheit meiner Motive, die mich handeln ließen, wie ich es auf den "Mountain Meadows" getan hatte, zufrieden. Jetzt setzt er alle Hebel gegen mich in Bewegung aber ich weiß, dass es nur Feigheit ist, die ihn gegen mich wenden ließ, wie er es zuletzt getan hatte.

Es gibt noch einen weiteren Irrtum, der von der Allgemeinheit in Utah geglaubt wurde, insbesondere unter den Mormonen. Nämlich, es wird im allgemeinen berichtet, dass Brigham Young eifrig bemüht war, Richter Cradlebaugh zu helfen, alle Schuldigen festzunehmen. Es gibt in dieser Aussage nicht einen Funken Wahrheit. Brigham Young kannte die Namen jedes Mannes, der in irgendeiner Weise in das Mountain-Meadows-Massaker verwickelt war. Er wusste genauso viel darüber wie ich, nur dass er es nicht wie ich gesehen hatte. Wenn Brigham Young einen Mann oder fünfzig oder fünfhundert einsperren lassen wollte, und er müsste nur ein Wort sagen, so würden sie sofort eingesperrt werden. Es gäbe kein Entrinnen für sie, wenn er ihre Festnahme anordnen würde. Jeder, der etwas über Affären in Utah zu jener Zeit weiß, weiß, dass es so ist. Es ist wahr, dass Brigham ein großes "Trara" zu jener Zeit machte und viel davon redete, dass er die Schuldigen vor Gericht bringen würde aber kein Wort war ernst gemeint, nicht ein einziges Wort. Er ging mit Cradlebaugh nach Süden aber er achtete sorgfältig darauf, dass Cradlebaugh niemanden fangen konnte, der dem Massaker beigewohnt hatte. Ich weiß, dass ich viel Kenntnis über ihr Kommen erhielt und so ging es auch allen Brüdern. Es gehörte zu einem der listigen Tricks Brigham Youngs, die Regierung blind zu machen. Dass dies wahr ist, kann ich mit der Aussage beweisen, die er in Cedar City machte, während er mit Richter Cradlebaugh unterwegs war, die Sache zu untersuchen und die Schuldigen festzunehmen. Richter Cradlebaugh und seine Männer arbeiteten gewissenhaft, um alles darüber herauszufinden, aber sie brachten nicht sehr viel in Erfahrung. Es ist zwar wahr, dass sie sich auf dem richtigen Weg befanden aber sie konnten nicht alles erfahren, da Brigham Young darauf achtete, dass sie die Tatsachen nicht erfahren konnten. Während er in Cedar City war, predigte Brigham eines Abends aber niemand von den Leuten des Richters hörte ihn. In seiner Predigt sagte er vom Mountain-Meadows-Massaker sprechend: "Wißt ihr, wer diese Leute waren, die auf den "Mountain Meadows" getötet wurden? Ich werde euch sagen, wer diese Leute waren. Sie waren Väter, Mütter, Brüder, Schwestern, Onkel, Tanten, Vettern und Kinder jener, die die Heiligen töteten und sie aus Missouri vertrieben und nachher unsere Propheten im Carthage-Gefängnis töteten. Diese Kinder, um die die Regierung solch eine Aufregung gemacht hat, wurden von der Regierung eingesammelt und nach Missouri, nach St. Louis zurückgebracht, und es wurden Briefe an ihre Verwandten geschickt, damit sie kämen und sie abholten. Aber ihre Verwandtschaft schrieb zurück, dass sie sie nicht haben wollten, dass sie die Kinder von Dieben, Gesetzlosen und Mördern wären und sie nicht nehmen wollten. Sie wollten nichts mit ihnen zu tun haben und wollten sie nicht um ihre Häuser herum haben. Diese Kinder befinden sich jetzt im Armenhaus in St. Louis. Und doch nach all diesem wurde mir erzählt, dass es viele Brüder gibt, die bereit sind gegen die Brüder, die in jener Affäre verwickelt waren, auszusagen und zu schwören. Ich hoffe, dieser Bericht enthält keine Wahrheit. Ich hoffe, es gibt hier keine solche Personen unter dem Klang meiner Stimme. Sollte dies doch der Fall sein, werde ich euch meine Meinung über euch und die Tatsache sagen, soweit es euer Schicksal betrifft. Wenn ihr nicht sofort Buße von dieser unheiligen Absicht tut und das Geheimnis von allem, was ihr wisst, bewahrt, werdet ihr einen Hundetod sterben und verdammt sein und zur Hölle gehen. Ich möchte nichts mehr von Verrat unter meinem Volk hören." Diese Worte Brigham Youngs gaben allen, die draußen in der Wildnis waren, um nicht den Beamten über den Weg zu laufen, viel Trost. Es gab uns Gewissheit über unsere Sicherheit und nahm uns die Tränen. Es zirkulierten alle Arten von Berichten über mich und je größer die Lüge, die erzählt wurde, umso bereitwilliger wurde sie geglaubt. Ich habe in dieser Erklärung nur gesagt, was ich beim Mountain-Meadows-Massaker getan habe. Die Zeugenaussage von Jacob Hamblin ist gänzlich falsch. Hamblin log in jeder Einzelheit soweit sich seine Aussage auf mich bezog. Es ist mein Schicksal für das, was ich tat, zu sterben, aber ich gehe mit einer Gewissheit meinem Tod entgegen, dass er nicht schlechter sein kann als mein Leben in den letzten neunzehn Jahren.

(MORMONISM UNVEILED: OR THE LIFE AND CONFESSIONS OF THE LATE MORMON BISHOP JOHN D. LEE, 1880, S.213f, 218-254, 258f)

Nachtrag:
John D. Lee wurde von Brigham Young, 13 Jahre nach dem Massaker, wegen des Vorfalls auf den Bergwiesen exkommuniziert. Die Kirche hatte scheinbar ihren Sündenbock gefunden. Weiter wurde Lee wegen Mordes vor Gericht gestellt und am 23.03.1877 auf den Mountain Meadows hingerichtet. Kurz bevor er erschossen wurde sagte er:

"Es scheint, als ob ich zum Opfer gemacht wurde - ein Opfer muss es geben und ich bin das Opfer ... Ich bin ein wahrer Gläubiger im Evangelium Jesu Christi. Ich glaube nicht an alles, was heute gelehrt und von Brigham Young praktiziert wird. Es ist mir egal, wer das hört ... Ich bemühte mich 30 Jahre lang, den Willen dieses Mannes zu meiner Freude zu machen, und jetzt, wohin bin ich damit gekommen!? Ich wurde auf eine feige und heimtückische Weise geopfert. Ich kann nichts dagegen tun. Dies sind meine letzten Worte - es ist so ... Welches Vertrauen kann ich in einen solchen Mann haben? Ich habe keines und ich glaube nicht, dass mein Vater im Himmel welches hat."
Juanita Brooks, The Mountain Meadows Massacre, S.208f

Nachdem die Mormonenhistorikerin Juanita Brooks umfassende Recherchen über das Massaker getätigt und viele Dinge ans Licht gebracht hat (für die sie mit der Kirche in Schwierigkeiten geriet), wurde die Mitgliedschaft von John D. Lee am 20. April 1961 wiederhergestellt.

Es gibt reichlich Hinweise dafür, dass die Bluttat in engem Zusammenhang mit der Lehre der Blutsühne stand. Eine Lehre, die von Brigham Young und anderern Kirchenführern gepredigt wurde.