Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit
Diskriminierung im Mormonismus

Prinzipiell gibt es im Mormonismus fünf Bereiche der Diskriminierung bestimmter Gruppierungen. Die Diskriminierung an sich basiert auf veralteten Denkweisen des 19. Jahrhunderts, Relikten, überzogener Moralität und fragwürdiger, religiöser Weltanschauungen. Die Bereiche teilen sich wie folgt auf (detaillierte Informationen sind jeweils über die im Text verfügbaren Links erhältlich):

1. Die Diskriminierung der Frau
2. Die Diskriminierung Schwarzer und der Indianer
3. Die Diskriminierung Homosexueller
4. Die Diskriminierung Abtrünniger
5. Die Diskriminierung von Gelehrten

1. Die Diskriminierung der Frau
Auch wenn die Mormonen den Wert der Familie sehr betonen und die Wichtigkeit der Rolle der Frau als Mutter hervorheben, so haben wir es doch mit einem streng patriarchalischen System zu tun. Der Mann gilt als Oberhaupt der Familie und trägt das Priestertum. Frauen erhalten zwar Aufgaben in der Kirche aber das Priestertum bleibt ihnen verwehrt. Die "Richter in Israel" sind durchweg Männer. Männer besetzen alle wichtigen Positionen in der Kirche und überwachen auch die Organisationen (FHV, PV), die von Frauen geleitet werden. Frauen erhalten nur Berufungen, die nicht mit dem Priestertum in Konflikt geraten und direkt mit den Aufgaben der Mutter in Zusammenhang stehen (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Dazu gehört die Frauenhilfsvereinigung und die Primarvereinigung.
Im Tempel müssen sich Frauen verschleiern, während das Männer nicht tun. Im Tempel geloben Frauen auch, "auf den Rat des Mannes" zu hören. Bis 1990 hieß es noch, dass die Frau "dem Gesetz des Mannes Folge zu leisten hat" und der in der Zeremonie gezeigten Eva wurde aufgrund der Übertretung gesagt, dass ihr Mann über sie "herrschen wird". Frauen können zwar eine Ausbildung machen aber ihr Lebensziel besteht darin Kinder zu bekommen und sich um den Haushalt zu kümmern. Moderne Familienstrukturen sind bei den Mormonen verpönt.
Der markanteste Teil der Diskriminierung bestand und besteht jedoch in der bis 1890 offiziell praktizierten Polygamie. Joseph Smith führte die Polygamie ein und hatte selbst über 30 Frauen. Per göttlichem Dekret erklärte er seinerzeit alle Ehen für ungültig und forderte sogar die Frauen seiner Mitstreiter ein. Auch heute noch können im Tempel mehrere Frauen an einen Mann gesiegelt werden, wenn die jeweils vorige Frau gestorben ist. Mormonen glauben, dass dem Mann im Himmel dann mehrere Frauen gehören. Auch dort steht die Frau als eine unter vielen dem Mann nur zur Seite. Er trägt auch dort das Priestertum.
Man glaubt zwar auch an eine "himmlische Mutter" aber Gott selbst ist natürlich ein Mann.
Interessant auch ist die Betrachtung der Frau in den "Heiligen Schriften", besonders im Buch Mormon. Es fällt auf, dass dem weiblichen Geschlecht allenfalls eine Randbedeutung zukommt. Viel hatten die männlichen Schreiber über die Frauen jedenfalls nicht zu sagen.
Mormonen sprechen immer von der Gleichwertigkeit der Frau aber gleichberechtigt wird sie niemals sein.


2. Die Diskriminierung Schwarzer und der Indianer
Im 19. Jahrhundert war es in bestimmten religiösen Gruppierungen üblich zu glauben, dass die Schwarzen einen Fluch haben, nämlich die dunkle Hautfarbe. Da man davon ausging, dass der Mensch von Adam und Eva abstammt, musste es eine Erklärung für die Schwarzen geben. So übernahm man die Ansicht, dass Kains Fluch die schwarze Hautfarbe ins Leben rief. Daraus resultierte die Anti-Schwarzen-Doktrin der Mormonen. Während die meisten Gruppierungen diesen Glauben längst abgelegt haben, halten die Mormonen auch heute noch daran fest. Dies führte u.a. dazu, dass bis 1978 den Schwarzen das Priestertum verwehrt wurde. Seit 1978 können diese nun zwar das Priestertum erhalten aber der Glaube an einen Fluch ist weiterhin fest in der Doktrin verankert. So übernahm Joseph Smith diese Idee auch für sein Buch Mormon und ließ seine einst weißen Einwohner Amerikas durch einen göttlichen Fluch dunkel werden. Die HLT sind nicht bereit, sich von diesem Glauben zu trennen. Aussagen namhafter Führer der Sekte sind mehr als haarsträubend.
Nachtrag 2015: Mormonische Führer haben sich nun scheinbar doch (2013) endlich von der Lehre distanziert, wie man auf der Internetseite der Mormonen nachlesen kann. Leider kommt diese Einsicht viel zu spät und sie ist wie immer nur unter öffentlichem Druck enstanden. Für die Mitglieder selbst entsteht nun ein weiteres Dilemma. Wie konnte Gott in "seiner einzig wahren Kirche" über 150 Jahre religiösen Rassismus billigen. Warum hat kein "Prophet" oder "Apostel" dem je Einhalt geboten?


3. Die Diskriminierung Homosexueller
Homosexualität gilt seit jeher als schwere Sünde und als krankhaftes Verhalten, von dem man umkehren oder geheilt werden muss. Die Gemeinschaft unterstützt mit hohen Geldbeträgen Kampagnen, die sich gegen die Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Beziehungen richten. Homosexuelle können nicht Mitglieder der Gemeinschaft werden und müssen mit disziplinarischen Maßnahmen rechnen, wenn sie ihre Neigungen nicht verändern. Mormonen haben eine komplett veraltete Ansicht über Ursprung und Wesen der Homosexualität, wie ein Artikel über Homosexualität und Mormonismus auf dieser Site aufzeigt.


4. Die Diskriminierung Abtrünniger
Die Mormonen verhalten sich seit Anbeginn in diesem Bereich prinzipiell genauso, wie andere Gruppen auch. Abtrünnige gelten in der Regel als Verräter, vor allem dann, wenn sie ihre Erfahrungen und Erkenntnisse über den Glauben publik machen. Dennoch gehören die Mormonen nicht zu den Extremen, die ehemaligen Mitgliedern mit Represalien drohen (was es in den Anfängen der Kirche jedoch gab!: Siehe Blutsühne).
Abtrünnige erhalten die üblichen Stigmen: Sünder, Verführte, des Teufels, Verräter, Kranke, Schwache, usw.
Die Mormonen führen seit den späten 80er Jahren außerdem Buch über Abtrünnige und Dissidenten. Dazu wurde ein Komitee vom damaligen Oberhaupt Ezra Taft Benson gegründet: Das "Strengthening Church Members Committee". Dieses Komitee hat die Aufgabe, im Geheimen Daten über mögliche "Feinde" aus den eigenen Reihen zu sammeln.


5. Die Diskriminierung von Gelehrten
Im Gegensatz zu den Zeugen Jehovas sind die Mormonen keine anti-intellektuelle Gruppierung. Sie unterhalten eine eigene Universität in Utah (BYU) und fordern ihre Mitglieder auf, sich Wissen anzueignen. Allerdings darf dieses Wissen nicht im Widerspruch zu den Lehren der Kirche stehen. Wissen also ja aber nur, solange es konform mit den Dogmen ist. Dadurch kommt es innerhalb der Gemeinschaft zu Spaltungen unter den Gelehrten. Die von der Kirche gesponserte Organisation F.A.R.M.S, die aus Gelehrten besteht, die reine Apologetik betreiben, steht Wissenschaftlern gegenüber, die versuchen offen und ehrlich mit gefundenen Daten und Fakten umzugehen. Diese Freidenker erhalten das Stigma eines Dissidenten und werden, sofern sie ihre Meinung nicht ändern, exkommuniziert. Immer häufiger erkennen auch mormonische Gelehrte, dass viele Punkte der Lehre und Geschichte nicht mit der Realität übereinstimmen. Sie wollen ihr Wissen aber nicht verstecken, sondern suchen den Dialog mit dem eigenen Glauben. Dieser Dialog endet häufig mit der Einladung zu einem Disziplinarverfahren (Kirchengericht).
Beispiele dafür gibt es genug: Paul Toscano, Avraham Gileadi, D. Michael Quinn, Maxine Hanks and Lavina Fielding Anderson, sind Namen von Intellektuellen, die 1993 exkommuniziert wurde. Der Fall von Thomas W. Murphy aus dem Jahre 2002 zeigt, dass die Politik der Mormonen sich in dieser Hinsicht nicht verändert hat.
Der Grund für das harte Durchgreifen der Mormonen ist, wie in allen ideologisch geprägten Gruppen, den Erhalt des Systems zu sichern. Und nichts ist für ein solches System schlimmer, als die nackte Wahrheit. Spirituelle Führer, wie etwa Thomas S. Monson, warnen gar vor der Zerstörung des Glaubens durch die Wissenschaft.

Fazit:
Die Mormonen halten die Diskriminierung deshalb aufrecht, weil sie in der Problematik eine Gefahr für ihr streng theokratisches Weltbild sehen.
Der Mormonenapostel Boyd K. Packer definierte einige dieser Gefahren wie folgt:

"Die Gefahren, von denen ich gesprochen habe kommen von der Schwulen-Lesben-Bewegung, der Feministen-Bewegung, und die allgegenwärtige Herausforderung von den so genannten Gelehrten oder Intellektuellen." (Aus einer Ansprache zum Koordinationsrat der Kirche, 1993 )