Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit
Zahlungssysteme

Im Buch Mormon finden wir den Hinweis auf ein Zahlungssystem, dass auf Münzen schließen lässt. Im Alma Kapitel 11 ist die Sprache von Gold- und Silberstücken, die ihre feste Bezeichnung hatten ( Senine, Schum, Limna,..) und als Entlohnung und Kaufmittel verwendet wurden. Auch im Buch Ether wird von Geld gesprochen.

Die Frage bleibt, ob es in der Neuen Welt ein solches Zahlungsmittel in Geld- oder Münzenform überhaupt gegeben hat. Als gängiges Zahlungsmittel müssten dann, wie in der Alten Welt, überall Funde gemacht werden. Lesen wir über die Azteken nach:

„ Die Erledigung von Geschäften muss ziemlich langwierig und kompliziert gewesen sein. Da es kein Geld gab, wurde meistens Tauschhandel betrieben. Die Verkäufer mussten das vom Käufer gewünschte anbieten und die zum Tausch von ihm angebotene Ware annehmen. Manche Artikel, z.B. Kakaobohnen und Stoffe, wurden in begrenztem Maß als Währung benutzt. Nach den Berichten einiger spanischer Chronisten dienten mit Goldstaub gefüllte Federkiele demselben Zweck. Wert und Qualität dieser unhandlichen Tauschmittel waren verschieden, so dass selbst mit ihrer Hilfe die meisten geschäftlichen Transaktionen sehr unbequem waren und viel Zeit in Anspruch nahmen. " 1

Und bei den Inka:

„ Die Inka hatten weder Geld noch irgendein anderes Zahlungsmittel. Es gab nur Tauschhandel, der durch eine Art von staatlichem Kreditsystem ergänzt wurde. " 2
Das Wirtschaftssystem der Inka kann nur verstanden werden, wenn man weiß, auf welche Ressourcen es aufbauen konnte. Da der Staat Tahuantinsuyu Geld nicht kannte, beruhte sein Reichtum auf folgenden Einnahmequellen: auf der Arbeitskraft der Bewohner des Staates sowie auf dem Besitz von staatlichen Ländereien und Herden....
Wenn wir von Wirtschaftsmodellen im Raum Peru sprechen, müssen wir uns darüber im klaren sein, dass es sich um Systeme handelt, die kein Geld kannten und kaum nach irgendwelchen Marktregeln organisiert waren. "
Wie schon gesagt: in einer Wirtschaft ohne Geld herrschte das Modell der Wiederverteilung vor...
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Im 16. Jahrhundert gab es unter den Inka eine Gruppe von Händlern, die man Chincha-Händler nannte. Diese tauschten ihre Ware mit Plättchen oder Beilen aus Kupfer oder einer Legierung. Hinter dem Tausch ist ein tief religiöses Motiv zu vermuten. Aber auch dieses geldähnliche Tauschmittel passt weder in die Zeit des Buches Mormon noch zu dem erwähnten Münzsystem des Buches Mormon. Joseph Smith entlehnte sein System dem Alten Testament.

In ganz Nord- und Südamerika ist Geld bis heute, in präkolumbianischer Zeit als Zahlungsmittel, nicht bekannt gewesen.


Fußnoten

1 Zeitalter der Menschheit, Altes Amerika, S.102 . TIME-LIFE International

2 Zeitalter der Menschheit, Altes Amerika, S.107 . TIME-LIFE International

3 Das Inkareich, Entstehung und Untergang, Bechtermünz Verlag, S. 181,183, 184ff