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Der Mormonismus ist auf seinen Gründer Joseph
Smith (1805 - 1844) zurückzuführen. Smith behauptete im Jahre
1820 eine Vision
gehabt zu haben, in der ihm Gott Vater und Jesus Christus erschienen. Diese
sollen ihm mitgeteilt haben, dass alle derzeit bestehenden Kirchen im Irrtum
seien und er sich keiner anschließen dürfe. In den Jahren von 1823
bis 1827 hatte er weitere Erscheinungen. Diesmal von einem Engel namens Moroni,
der ihm letztendlich den Auftrag gegeben haben soll das Buch
Mormon von goldenen Platten - die seit Jahrhunderten in einem nahen Hügel
lagerten - zu übersetzen. Joseph Smith übersetzte dann das Buch mit
Hilfe eines selbstgefundenen "Sehersteines" und dem so genannten "Urim und Tummim",
der dem Buch beigelegen haben soll. Das Buch handelt von den Ureinwohnern Amerikas,
die gemäß den Ansichten des 19. Jahrhunderts, von Jerusalem aus in
die Neue Welt kamen und dort eine gemischte Religionsform
aus Altem und Neuem Testament lebten. Der Höhepunkt des Buches ist der
Besuch von Jesus Christus in der Neuen Welt.
Joseph Smith gründete schließlich am 6. April 1830
mit nur sechs Mitgliedern die "Kirche Christi" (später Kirche Jesu Christi Der
Heiligen Der Letzten Tage oder Mormonen) in Fayette, New York. Die Mormonenkirche breitete
sich aus und musste in den folgenden Jahren häufig ihren Standort wechseln.
Von Fayette (New York) nach Kirtland (Ohio) und Far West (Missouri). Von dort
nach Nauvoo (Illinois) und schließlich nach Westen über die Rocky
Mountains. Dort gründeten die Mormonen ihre noch heute bestehende Metropole
Salt Lake City (Utah). In den Gründerzeiten von Salt Lake (1847) und danach
folgten Tausende von Gläubigen dem Ruf der Gemeinschaft und nahmen den beschwerlichen
Weg (1300 km) über die Prärie und die Berge auf sich, um sich im "Zion"
der Mormonen zu sammeln. Die Pioniere der Mormonenkirche trugen damit einen großen
Teil zur Erschließung des amerikanischen Westens bei.
Im Zuge der Besiedlung und der Gründung des Staates Utah, befanden sich
die Mormonen sogar kurze Zeit mit den USA im Krieg. Zu dieser Zeit wurde auch
das drittgrösste Massaker in der amerikanischen Geschichte von Mormonen
und Indianern an einem friedlichen Siedlertreck verübt: Das
Mountain Meadow Massaker.
Nach dem Tod Joseph Smiths, im Jahre 1844, bildeten sich einige Splittergruppen (darunter die RLDS
- heute Community of Christ).
Der Hauptzweig - Die Kirche Jesu Christi Der Heiligen Der Letzten Tage (HLT) - ist heute weltweit vertreten und hat nach eigenen Angaben mittlerweile um
die 14 Mio. Mitglieder (2012). Die Hälfte davon leben in den USA. Sie verzeichnet einen Zuwachs von ca. 200.000 - 300.000 Mitgliedern jährlich. 2004 waren es 241.239 Bekehrungen. Diese
von den Mormonen offiziell genannten Zahlen sind allerdings zu hinterfragen, weil die Gemeinschaft die hohe Anzahl der jährlichen Austritte in ihrer
Wachstumsstatistik nicht berücksichtigt.
In Amerika treten jährlich
so viele Menschen aus, wie im gleichen Zeitraum zum Mormonismus konvertieren. Erhebungen haben ergeben, dass es insgesamt nur etwa 4 Mio. Mitglieder
gibt, die jeden Sonntag die Versammlungen besuchen. Die Differenz zur oben genannten Zahl sind inaktive und ausgetretene Mitglieder. Mormonen verweisen
in diesem Zusammenhang gerne darauf, dass sie die am schnellsten wachsende Religionsgemeinschaft seien. Fakt ist jedoch, dass die Mormonen ihre Austritte
nicht berücksichtigen
und andere Gemeinschaften, wie die Sieben-Tage-Adventisten (1849 gegründet und heute ca. 13 Mio. Mitglieder), erheblich schneller wachsen, nämlich
mittlerweile mit 900.000 bis 1.2 Mio. Konvertiten jährlich (s.a. Salt
Lake Tribune,
01.09.2005). Damit fällt auch ein anderer Mythos, den die Mormonen gerne anführen: Sie sehen sich als eine aufsteigende
neue Weltreligion. Sieht man richtig hin, stellt sich die Frage, wie das sein kann. Mit einem Heer von 60.000 Vollzeitmissionaren versuchen die Mormonen
die Zahl ihrer Mitglieder zu erhöhen. Statistisch gesehen bekehrte also im Jahre 2004 jeder Missionar 4 Menschen zu seinem Glauben. Da mehr als
die Hälfte davon inaktiv wurden oder austraten, bleiben pro Missionar gerade mal 1.5 - 2 Bekehrte für das Jahr übrig. Während die
Gemeinschaft in den 80er Jahren noch ein Wachstum von 5% erfuhr, waren es zwischen 2000 und 2004 nur noch 3%. Stellt man Aufwand und Ergebnis gegenüber,
so wird klar, dass es sich hierbei nicht um eine zukünftige Weltreligion handelt, sondern um eine Gemeinschaft, die mit enormem Aufwand nur wenig
erzielt hat und sinkende Wachstumsraten aufzuweisen hat. Keine andere Religionsgemeinschaft, wie z.B. die Zeugen Jehovas oder die Sieben-Tage-Adventisten,
verfügen über solche missionarische
Mittel und wachsen doch schneller als die Mormonen.
Die Mormonen sind in Deutschland (2007) mit etwa 38.000 Mitgliedern vertreten. Aus eigener Erfahrung kann gesagt
werden, dass etwa ein Drittel davon - also ca. 12.000 - aktive Mitglieder sind. Der Rest wird wenig erfolgreichen Reaktivierungsmaßnahmen unterzogen
und inoffiziell nicht selten als "Dateileichen" bezeichnet.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich die Gemeinschaft mit Austritten schwer tut, denn
das schlägt sich negativ in der Statistik nieder und die ehrliche Auseinandersetzung mit den realen Zahlen erzeugt Dissonanzen
im Glaubensgerüst, daher werden die nach unten korrigierten Zahlen auch offiziell von den Führern nicht verkündet. Das wäre ein Eingeständnis
des eigentlichen Misserfolgs. Ein typisches Verhalten für die Mormonen.
Menschen,
die austreten möchten,
erleben daher nicht selten ein langwieriges
Prozedere, bei dem oft erst die Androhung juristischer
Maßnahmen zum Erfolg führt. Der Zuwachs in Deutschland stagniert seit Jahren. Dafür
gibt es unterschiedliche Ursachen. Eine davon ist die im Internet seit Jahren wachsende Aufklärung in deutscher Sprache. Zum anderen findet jede
Gruppierung innerhalb einer Gesellschaft ihren spezifischen Sättigungsgrad und der scheint bei den Mormonen mit 0.05% Bevölkerungsanteil erreicht
zu sein.
Die Mormonenkirche ist durch ihr Priestertum und
dessen Führungsämter
in Gemeinden, Pfähle und Gebiete organisiert.
Den Kopf bilden die so genannte Erste Präsidentschaft mit dem "Propheten"
und das Kollegium der "Zwölf Apostel". Diese werden von den Kollegien der "Siebziger" unterstützt. Jeder, der in diese Gremien berufen
wird, nennt man eine "Generalautorität". Stirbt der Prophet, so rückt automatisch der dienstälteste Apostel nach.
In den Gemeinden und Pfählen
stehen Älteste, Bischöfe und Pfahlpräsidenten den Mitgliedern
vor. Die Frauen tragen kein Priestertum, haben aber in den so genannten Hilfsorganisationen
auch Führungsämter inne. Das Priestertum der Mormonenkirche ist eine
Mischform aus den Strukturen des Alten und Neuen Testamentes. Es besteht aus
einem "Aaronischen" und "Melchisedekischen" Priestertum. In den unteren Ebenen
arbeiten ausschließlich unbezahlte Laienpriester, die diese Arbeit neben
ihrer normalen Beschäftigung verrichten. In höchster Ebene arbeiten
die Führer Vollzeit und werden dafür inoffiziell bezahlt.
Jugendliche, männliche Mitglieder erhalten das Aaronische Priestertum schon ab 12 Jahren. Das
Melchisedekische Priestertum wird ab 18 Jahren übertragen.
Bis 1978 durften Männer mit dunkler
Hautfarbe das Priestertum nicht tragen. Die Gemeinschaft glaubt, so wie
es im 19. Jahrhundert üblich war, dass Menschen mit schwarzer Hautfarbe
einen Fluch
tragen, der auf das Verhalten Kains im Alten Testament und den Ungehorsam der
Lamaniten des Buches Mormons zurückzuführen ist. Die Mormonenkirche
lässt heute zwar schwarze Priester zu, hat sich von der Lehre aber nicht
getrennt. Diskriminierung findet neben dem Rassenproblem aber auch noch anderweitig
statt. So z. B. die Diskriminierung
von Frauen, Homosexuellen,
Gelehrten und Abtrünnigen.
In den Anfängen der Gemeinschaft konnten die Männer
mehrere Frauen
heiraten. Diese von der Mormonenkirche als "ewiges Gesetz" angesehene Lehre
wurde aber im Jahre 1890 aufgrund von äußerem Druck abgeschafft und
wird von der offiziellen Mormonenkirche in der Praxis nicht mehr betrieben.
Dennoch glauben die Mitglieder, dass diese im Reich Gottes fortbestehen wird
(Gott hat demnach auch viele Frauen) und so können in den Tempeln der Gemeinschaft
weiterhin mehrere Frauen an einen Mann gesiegelt (hier: verheiratet) werden. Allerdings nur dann,
wenn der bislang lebende Ehepartner verstorben ist. Splittergruppen der Mormonen
praktizieren auch heute noch Polygamie
in den USA.
Die Lehre der Mormonen ist eine Vermischung aus Altem und
Neuem Testament, anderer Gruppierungen, wie z.B. den Freimaurern, sowie dem
Gedankengut Joseph Smiths und seiner Mitstreiter, wobei auch der Okkultismus
und das Wissen des 19. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielten. Der Mormonismus
ist daher den synkretistischen (Neu)Religionen zuzuordnen, wird aber auch als
chiliastische Sekte
verstanden. Mormonen sehen sich selbst als Christen, die christliche
Ökumene aber aufgrund des abweichenden Lehren nicht. Neben der Bibel
glauben die Mitglieder noch an weitere Bücher, die sie in den Kanon ihrer
Heiligen Schrift aufgenommen haben. Neben dem Buch Mormon gibt es das Buch "Lehre
und Bündnisse" und die "Köstliche Perle". Das Buch Mormon wird
als das richtigste Buch auf Erden angesehen und erhält damit einen höheren
Stellenwert als die Bibel. Dies begründet sich dadurch, dass die Gemeinschaft
die Bibel als unvollständig und an vielen Stellen falsch übersetzt
sieht, aus der viele Lehren der damaligen Zeit entnommen worden sind. Obwohl
archäologisch, anthropologisch und sprachwissenschaftlich längst widerlegt,
versuchen Mormonengelehrte (Apologeten) immer noch, die Authentizität
der Bücher Mormon
und Abraham
in einem fast verzweifelten Kampf aufrecht zu erhalten. Steht oder fällt
doch die Glaubhaftigkeit der Mormonenkirche mit der Wahrheit oder Unwahrheit
dieser Bücher.
Sie sieht sich selbst als einzig wahre und "wiederhergestellte" Kirche Jesu
Christi. Der Prophet an ihrer Spitze wird als Sprachrohr Gottes angesehen. Er
präsidiert über die gesamte Organisation, hat zwei Ratgeber und gehört
einem Kollegium von neuzeitlichen "Aposteln" an. Die Gemeinschaft
ist theokratisch aufgebaut und der Gehorsam und das Anerkennen der vorgesetzten
Führer ist wichtiger Glaubensbestandteil. Kritik an Führern wird nicht
geduldet. Gemäß der Ersten
Vision von Joseph Smith gelten alle anderen Kirchen als ein "Gräuel
in den Augen Gottes" und als "verderbt". Mormonen geben sich
diesbezüglich nach außen hin gerne tolerant. Ihre theologischen Grundgedanken
sind es jedoch nicht.
Der Grund warum Smith überhaupt Erfolg mit seinen theologischen Auslegungen
und Gedanken hatte liegt darin, dass er ein grundlegendes amerikanisches Bedürfnis
befriedigte. Er holte das "Heilige Land" nach Amerika. Selbst der
Garten Eden
befand sich laut Smith dort. Demnach wird Christus auch bei seinem Zweiten Kommen
in Amerika erscheinen und das Neue Jerusalem soll in Missouri errichtet werden. Er
legte viele Schriftstellen des Alten und Neuen Testamentes auf diese Gedanken
hin aus und schürte so den patriotisch-religiösen Eifer der Menschen,
den wir auch heute noch in den USA finden: "God's own country".
Weiter ist der Glaube an Jesus Christus und das Familienleben
sehr wichtig. Einmal in der Woche halten die Mitglieder einen "Familienabend"
ab. Was zunächst als positive Einrichtung erscheint, sieht bei näherer Betrachtung anders aus. Die Mitglieder werden so sehr in die Kirchentätigkeiten
eingespannt, dass ein Familienabend notwendig erscheint, um die Familie wenigstens einen Tag in der Woche (Montag) an einen Tisch zu bringen, deren Mitglieder
ansonsten von einer Versammlung zur nächsten rennen.
Die Familien werden zu Hause von so genannten "Heim-
und Besuchslehrern"
besucht und belehrt. Diese berichten dann über den Stand der Familien in
ihren entsprechenden Gremien oder dem Bischof. Alle Mitglieder stehen somit
unter Beobachtung. Fast jedes aktive Mitglied erhält eine "Berufung" in der Mormonenkirche,
die mehr oder weniger zeitaufwendig ist. Die Mitglieder investieren sehr viel
Zeit und Mittel im Dienst der Gemeinschaft, was bei manchen unweigerlich zu
Problemen führt. Auch die Jugendarbeit spielt eine große Rolle. Die
daraus resultierende Sozialisation
der Jugend stellt einen der Grundpfeiler für das Wachstum der Gemeinschaft
dar.
Junge Männer (Pflicht) und Frauen (freiwillig) werden
mit 19 bzw. 21 auf Mission geschickt, um in der ganzen Welt die Mormonenkirche
zu repräsentieren und deren Glauben zu verkünden. Über
60.000 Missionare sind für ihren Glauben tätig. Die Missionare unterliegen strengen Regeln. Für die gesamte Missionszeit dürfen sie niemals
alleine sein, sondern immer in Begleitung ihres Mitarbeiters. Engerer Kontakt mit dem anderen Geschlecht ist untersagt. Es gibt keinen Urlaub und auch
keine Freizeitgestaltung, bis auf einen halben Tag ("Preparation-Day") in der Woche, an dem sie zusätzlich noch ihre Wäsche und die Einkäufe erledigen
müssen. Es gibt kein Fernsehen und keine Zeitung. Die Mission legt fest, welche Literatur gelesen werden darf. Nicht-mormonische Literatur ist verboten.
Auch die Auswahl der Musik wird streng reglementiert. In den meisten Missionen dürfen auch keine Telefonate nach Hause getätigt werden, auch nicht an
Weihnachten. Bei der Ankunft (so geschehen in England 1987) wird dem Missionar der Personalausweis entzogen und erst am Ende der Mission wieder ausgehändigt. Es
existiert eine feste Kleiderordnung. Männer tragen nur Anzüge, Frauen dürfen nur Röcke tragen. Bis vor wenigen Jahren musste jeder
Missionar seine Mission auch noch komplett selbst finanzieren. Heute gibt es einen Zuschuss.
Die größten
Konvertierungserfolge erzielen die Missionare in den ärmeren
und weniger gebildeten Teilen Südamerikas. Der Glaube etabliert sich allgemein in den gebildeteren Bevölkerungsschichten weltweit erheblich
schlechter, auch wenn die Mormonen keine anti-intellektuelle Gruppierung wie die Zeugen Jehovas sind. Die Präsentation
nach außen
ist der Gemeinschaft sehr wichtig. Daher wird alles getan, um schlechte Publicity zu umgehen, wobei auch der Mangel
an Kritikfähigkeit offenbar wird. Gerade in den letzten Jahren (2002/2003)
versuchte die Gemeinschaft im deutschen Internetbereich immer präsenter
zu werden. Dazu schreckte man auch vor Domainspamming,
Tricks und Prozessen nicht zurück.
Der Eintritt in die Mormonenkirche erfolgt formal über die Taufe und die Konfirmation,
die ab acht Jahren möglich sind.
Die Gemeinschaft finanziert
sich über den "Zehnten", einem auf dem Alten Testament beruhenden Gesetz,
bei dem jedes Mitglied einen Zehntel
seines Einkommens zu entrichten hat. Dadurch wird jährlich ein finanzieller Zuwachs von schätzungsweise mehr als 6 Milliarden Dollar erzielt.
Zusätzlich verfügt der Glaube über Besitztümer und Firmenanteile, im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar. Die Mormonen investieren
viel Geld in den Bau eigener Einrichtungen, sind aber auch karitativ tätig. Weiter werden Gelder zusätzlich wirtschaftlich angelegt. Die Kirchenführer
verhindern seit Jahren eine aussagekräftige
Transparenz, was die finanzielle Situation angeht. Den Mitgliedern gegenüber
wird in den halbjährlichen
Konferenzen lediglich gesagt, dass alles korrekt verwaltet wird. Einen näheren Einblick erhalten sie als Zehntenzahler jedoch nicht. Bei diesen Zahlen
stellt sich allerdings auch die Frage, warum die Mitglieder, trotz des Reichtums ihrer Denomination und der hohen Zehntenabgaben, noch in vielen anderen
Bereichen ihres Kirchenlebens zur Kasse gebeten werden und die Budgets der Gemeinden so niedrig sind, dass es ohne weitere
"Opfergaben" der Mitglieder nicht
geht.
Die Mitglieder leben entsprechend dem "Wort
der Weisheit" abstinent. Sie nehmen weder Alkohol, Tabak, Kaffee oder Schwarztee
zu sich. Dieses Gesundheitsgesetz wurde im Jahre 1833 von Joseph Smith "offenbart",
erhielt aber seinen heutigen festen Platz in der Gemeinschaft wahrscheinlich erst
zu Zeiten der Prohibition, denn Smith selbst - wie auch viele der damaligen
Führer - hielten sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts niemals ernsthaft an
dieses Kirchengebot. Weiter ist es interessant zu wissen, dass der Verbrauch
des Antidepressivums Prozac in Utah 60 Prozent über dem US-Durchschnitt
liegt und besonders Frauen, aufgrund der hohen religiösen Erwartungen,
zur Pille greifen (Siehe: Belastungssyndrom
und Antidepressiva). Auch Diabetes stellt ein größeres Problem
in Utah dar.
Das Weltbild der Mormonen dreht sich primär um den so
genannten "Plan
der Erlösung". Dieser besagt, dass der Mensch einst in der Gegenwart
Gottes als Geistkind lebte und zu Prüfungszwecken zur Erde kam, um später
wie Gott werden zu können. Demnach ist jeder Mensch ein potentieller Gott,
der eines Tages selbst Welten erschaffen kann - allerdings nur mit Hilfe des
mormonischen Priestertums. Das Weltbild
ist daher polytheistischer Natur (aber nicht vergleichbar mit dem Polytheismus
der Griechen oder Römer). Die Voraussetzung für das Gott-Werden, ist
die "ewige Ehe" und das erhalten von Tempelbündnissen.
Das Leben nach der Auferstehung wird in drei Herrlichkeiten unterteilt. In die
Höchste kommen nur Mitglieder der Mormonenkirche. Entsprechend diesem Glauben,
war auch Gott selbst einst ein Mensch, der sich erst später zu Gott entwickelt
hat. Mormonen glauben auch, dass Gott in der Nähe eines Sternes Namens
"Kolob" wohnt und sind außerdem weitgehend Teil des in Amerika von konservativen Bibellesern stark vertretenen Kreationismus,
der die Evolution - und damit Darwin - als falsch erklärt und das Buch Genesis buchstäblich interpretiert.
Weitere Merkmale sind die von der Gemeinschaft errichteten
Tempel.
Nur Mitglieder mit einem gültigen "Tempelschein" dürfen den Tempel
betreten. Voraussetzung sind ein moralisch einwandfreies Leben, Gehorsam den
Führern gegenüber, Pflichterfüllung in der Mormonenkirche, Glaube
an die Grundsätze (Ehrlichkeit, Zehnten, Treue, usw.). Im Tempel wird die
so genannte "Taufe für die Toten" vollzogen. Die Mitglieder glauben, dass
eine stellvertretende Taufe für Verstorbene möglich ist. Weiter erhalten
erwachsene Mitglieder ihr "Endowment". Diese Zeremonie, bei der spezielle Tempelkleidung
erforderlich ist, verpflichtet das Mitglied zur absoluten Loyalität und
Hingabe zur Gemeinschaft und soll ihn mit den nötigen, geistigen Dingen
ausrüsten, die ein Leben in der Gegenwart Gottes ermöglichen. Die
Zeremonie ist eine abgeänderte Form der Freimaurerzeremonie, vermischt
mit Elementen des Neuen und Alten Testaments, sowie den Einflüssen Joseph
Smiths und seiner Nachfolger. Joseph Smith selbst und viele seiner Anhänger
gehörten dem Freimaurertum seiner Zeit an, die eigene Logen gründeten.
Paradoxer Weise darf heute kein Mitglied mehr Freimaurer werden, weil diese
als eine "geheime Organsiation" angesehen werden. Im Rahmen der Zeremonie
werden Namen, Zeichen und Kennzeichen bekannt gegeben, die die Mitglieder niemals
nach außen tragen dürfen. Bis 1990 wurden den Mitgliedern innerhalb
der Zeremonie mögliche göttliche
Todesstrafen im Falle einer Herausgabe angedroht. Aufgrund der hohen Geheimhaltungspflicht
und des stark indoktrinierenden Charakters des Endowments, unterliegen die Mitglieder
bewußt und unbewußt einem großen, psychologischen Druck (siehe
auch: psycho-soziale
Betrachtung der Mormonen). Nach Erhalt des Endowments dürfen die Mitglieder
keine einfache Unterwäsche mehr tragen. Sie erhalten so genannte "Garments",
die sie Zeit ihres Lebens als Erinnerung an ihre Bündnisse tragen müssen.
Damit greift die Gemeinschaft sehr weit in das Privatleben ihrer Mitglieder
ein.
In den 90er Jahren wurden unter Protest der jüdischen Öffentlichkeit, die Totentaufen für Holocaustopfer (darunter Anne Frank) in den Tempeln der Mormonen
beendet. Doch auch für die Täter, wie Adolf
Hitler und andere Nazigrößen, wurden stellvertretende Taufen und Endowmentzeremonien durchgeführt.
Im Tempel werden aber auch Ehen für die Ewigkeit geschlossen
und Familien aneinander "gesiegelt". Die Mormonenkirche glaubt, dass Familien ewigen Bestand
haben und wirbt heute primär mit dieser Botschaft. Wer nicht im Tempel
heiratet, kann einst nicht wie Gott werden und wird eine dienende Funktion im
Himmel einnehmen. Diese Lehre setzt vor allem alleinstehende Erwachsene unter Druck. Um diese Gruppe zu verheiraten, gibt es diverse interne Programme,
welche das Zusammentreffen fördern - eine Art "Heiratsmarkt" (diesen Begriff benutzen Mormonen hinter vorgehaltener Hand selbst).
Rechtschaffenheit und Moral stehen im Glaubenssystem an erster Stelle. Die Geschichte zeigt jedoch, dass die Mormonen diesem Anspruch
oft selbst nicht gerecht wurden. Der Skandal um die Olympischen
Spiele 2002 in Salt Lake City, ist nur ein Beispiel dafür. Hierbei hatten Mormonen durch Bestechung den Zuschlag für die Spiele in der Mormonenmetropole
erwirkt.
Die Lehre der Gemeinschaft wurde über die Jahre immer wieder
verändert und den äußeren Begebenheiten angepasst (Polygamie,
Schwarze und das Priestertum, Tempel, usw.). Sie versucht sich langsam von den
vielen fragwürdigen Lehren der Vergangenheit zu distanzieren und ein Bild
der allgemeinen Akzeptanz zu schaffen. Es wird nur noch wenig Betonung auf markante
Lehren gelegt und vielmehr die Familie und Jesus Christus in den Vordergrund
gestellt. Die Mitglieder gehen weitgehend unkritisch mit der Vergangenheit,
Veränderlichkeit und den Lehren der Mormonenkirche um. Diese Website soll helfen,
einen tieferen Einblick in den Mormonismus zu erhalten.
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