Die Mormonen - Zwischen 'Wahrheit' und Wirklichkeit
Die Herkunft der amerikanischen Völker

Laut dem Buch Mormon, stammt die vorkolumbianische Bevölkerung von den Einwanderern aus der Alten Welt, so wie sie im Buch beschrieben sind. Dies würde bedeuten, dass die Übersiedler die Vorväter der uns heute bekannten Völker der Neuen Welt sind. Dazu gehören die Azteken, Tolteken, Olmeken, Mixteken, Maya, Indianer, usw...

Wir lesen im Vorspann zum Buch Mormon:

„ Die Angehörigen der anderen waren viel früher angekommen, und zwar nachdem der Herr beim Turmbau zu Babel die Sprachen verwirrt hatte; diese Gruppe ist als Jarediten bekannt. Nach tausenden von Jahren wurden alle vernichtet, ausgenommen die Lamaniten, und diese sind im wesentlichen die Vorfahren der Indianer." 1
Nachtrag: Im Jahre 2007 ließ die Mormonenführung, aufgrund drückender wissenschaftlicher Beweise, den obigen Satz in der neuen Ausgabe des Buches Mormon wie folgt ändern:
„Nach Tausenden von Jahren wurden alle vernichtet, bis auf die Lamaniten, und sie befinden sich unter den Vorfahren der amerikanischen Indianer.“ (Salt Lake Tribune, 08.11.2007)
Joseph Smith bemerkte:
„ Das Buch Mormon ist ein Bericht von den Vorvätern unserer westlichen Indianerstämme.... Daraus erfahren wir, dass unsere Indianer die Abkömmlinge jenes Josefs sind, der nach Ägypten verkauft wurde....." 2

Dass die Indianer rein semitischer Herkunft sind, war zumindest Bestandteil des Glaubens bis in das letzte Jahrhundert hinein. Durch die bahnbrechenden archäologischen Errungenschaften unserer Zeit, räumen so manche Kirchengelehrte auch noch zusätzliche Möglichkeiten ein:

„ Somit waren die Indianer jüdischer Nationalität, deren Vorväter von Jerusalem kamen, vom Königreich Judas. Somit waren sie auch vom Hause Israel...
Die amerikanischen Indianer hatten jedoch auch noch anderes Blut in ihren Adern. Es ist möglich, dass isolierte Überbliebene der Jarediten während der Zerstörungsperiode hindurch lebten....
Es ist ziemlich offensichtlich, dass orientalische Gruppen ihren Weg über die Beringstraße fanden...
Seit den Tagen der spanischen Eroberer und der Kolonialisierung von Mexiko und Südamerika, gab es weitere Vermischungen des reinen lamanitischen Blutes. Aber alles in allem, für die große Mehrzahl der Nachfahren der ursprünglichen Einwohner der westlichen Hemisphäre, ist die dominierende Blutlinie die Israels. "
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Während die mehr fundamentalistischen Mitglieder an der reinen semitischen Herkunft der Indianer festhalten und die wissenschaftliche Sicht entsprechend in Frage stellen oder sogar belächeln, räumen andere die Möglichkeit oder sogar die Existenz anderer Völkergruppen ein. FARMS-Gelehrte wie John L. Sorenson gehen sogar so weit, dass sie die Ansichten von Joseph Smith und Moroni - bezüglich der Verbreitung der Lamaniten und Nephiten - als falsch erachten und den Handlungsbereich des Buches Mormon auf ein sehr kleines Gebiet beschränken. Um diese Behauptungen aufrecht erhalten zu können, muss der offiziellen Lehre der Kirche widersprochen werden, was zu kircheninternen Problemen geführt hat. Die folgenden Untersuchungen zeigen jedoch auf, dass sich keine der mormonischen Lehren und Theorien durch wissenschaftliche Ergebnisse bestätigen ließ.

Die unterschiedlichen Ansichten der Mormonen zu diesem Thema, führen zu einer ziemlich verworrene Diskussion, da zeitliche Perioden verglichen werden müssen und diese erheblich differieren. Außerdem ergibt sich dadurch auch ein Problem mit Adam und Eva, die von der Kirche immer noch als die ersten Menschen angesehen werden ( Oder gab es doch Präadamiten, wie James Talmage und andere glaubten?). Laut Joseph Smith befand sich ja auch der Garten Eden in Nordamerika, was wiederum neue Fragen zum Thema Frühbesiedelung aufwerfen würde. Belassen wir es dabei und wenden uns einigen interessanten Fakten zu.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die genannten Ereignisse. Die ersten Übersiedler, gemäß dem Buch Mormon, waren die Jarediten, die ca. 2200 v. Chr. vom Turmbau zu Babel in die Neue Welt über das Meer kamen. Deren Geschichte wird im Buch Ether behandelt. Von diesem Volk soll es nach einer großen Schlacht nur noch einen Überlebenden gegeben haben. Lehis und Ischmaels Familie gelangen etwa um 600 v. Chr. über das Meer in die Neue Welt und etwas später die Kolonie Muleks.

Dies würde folgendes bedeuten:

  • Alle (nach offizieller Lehre) oder einige (nach Ansichten von FARMS) Einwohner des vorkolumbianischen Amerika stammen von diesen Übersiedlern ab.
  • Die (einige) Ureinwohner Amerikas sind daher semitischer Abstammung.
  • Die hebräischen Übersiedler kamen alle mit Booten oder Schiffen von der Alten Welt übers Meer.
  • Die hebräischen Übersiedler brachten Sprache, Schrift und Kultur aus der Alten Welt mit.

Vergleichen wir nun mit der Fachliteratur. Zunächst die Herkunft:

„ Eines ist sicher: Die Menschen sind nach Amerika eingewandert, sie haben sich nicht dort entwickelt.... Nach Auffassung einiger Anthropologen gehörten die entfernten Vorfahren der amerikanischen Indianer zur Spezies des aus der Alten Welt stammenden Homo Sapiens. Sie ließen sich während der letzten Phase der Eiszeit in der Neuen Welt nieder... Die Flucht vor Feinden oder die Suche nach Nahrung trieb sie in kleinen Gruppen durch Ostsibirien über die Beringstraße nach Alaska....
Gut gearbeitete Lanzenspitzen aus Stein, die man zwischen den Knochen ausgestorbener Tiere gefunden hat, stellen die ersten genau datierbaren Spuren des Menschen in Amerika dar [ ca. 12000 Jahre alt ]. ... Viele Anthropologen glauben jedoch, dass die ersten Einwanderer viel früher aus Asien kamen. .. vermutlich haben also die ersten Einwanderer Sibirien schon vor etwa 20000 oder sogar 40000 Jahren verlassen.... " 4

„ Die Geschichte des alten Peru .... umfasst von der ersten Siedlungen bis zum Reich der Inka eine Zeitspanne von rund 8500 Jahren. Sie fügt sie ein in die Vorgeschichte des präkolumbischen Amerika, wo die anthropologische Entwicklung aus zwei Gründen von höchstem Interesse ist. Zum einen, weil sie sich vollkommen von derjenigen in Asien und Afrika unterscheidet, wo sich unterdessen die ersten Kulturen entwickelt hatten; zum anderen, weil ihre Verbindung mit der Alten Welt über die Beringstraße, eine während der vierten Eiszeit zustande gekommenen Landbrücke, mit rund 57000 Jahren im Vergleich zur Geschichte der Menschheit nur von kurzer Dauer war.... Die ersten prähistorischen Spuren, die der Mensch in Peru hinterlassen hat, gehen ungefähr auf das Jahr 12000 v. Chr. zurück. " 5

„ In der Tat sind Forscher des prähistorischen Amerika allgemein zu der Schlussfolgerung gekommen, dass die ersten Einwohner der Neuen Welt über die Beringstraße von Asien her kamen. ...." 6

„ Der physische Typ des amerikanischen Indianers ist grundlegend mongolid und damit den Völkern Ost-, Zentral- und Nordost-Asiens am nächsten verwandt. Archäologische Belege deuten darauf hin, dass die Vorfahren der heutigen Indianer in fortgesetzter Folge kleinerer Auswanderungen – wahrscheinlich über eine Landbrücke, die bekanntermaßen während der letzten Eiszeit in der Region um die Beringstraße existierte – beginnend vor etwa 25000 bis 30000 Jahren in die Neue Welt kamen. "
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Jüngste Forschungsergebnisse sprechen sogar von der Möglichkeit, dass bereits vor 40000 bis 50000 Jahren eine Gruppe verirrter Fischer von Australien aus in der Neuen Welt landeten. Man fand dazu eine Frau, die keine mongoliden Züge aufwies, sondern negride. Es wurde daher eine These aufgestellt die besagt, dass es noch vor den Einwanderern aus der Beringstraße eine negride Menschengruppe in der Neuen Welt gegeben haben muss, die dann von den mongoliden vernichtet wurde. Ein so genanntes Genozid. Stimmt diese These, so stammen die ersten Einwohner Amerikas nicht aus Ostasien, sondern aus Australien. Erst nach diesen kamen dann andere (die zweiten) über die Beringstraße.
(Die These der negriden Einwanderung wird sicher kontrovers diskutiert: Mehr Informationen...)

Weitere, neuere Forschungen versuchen auch zu belegen, dass es vor 15.000 - 17.000 Jahren, während der Eiszeit, Übersiedlungen aus Europa gegeben hat. Funde von Speerspitzen und DNA-Analysen nördlicher Indianerstämme zeigen auf, dass es eine Verbindung zu den Solutreen-Menschen (Frankreich) aus der Steinzeit gegeben haben muss und diese noch früher als die Clovis-Menschen, den amerikanischen Kontinent besiedelt haben. Man vermutet, dass sie über den vereisten Atlantik - mit Eskimotechnik - gekommen sein könnten.

Allerdings kann man heute sagen, dass die Vorfahren der indianischen Völker primär mongolider Herkunft sind (Clovis-Menschen), auch wenn zukünftige Entdeckungen und DNA-Analysen wahrscheinlich aufzeigen werden, dass es noch andere Einflüsse gab (wie bereits anhand der Solutreen-Menschen gezeigt). Die Zeitschrift Science hat erst kürzlich (1999) dazu einen Bericht veröffentlicht, indem dies durch genetische Untersuchungen bewiesen wurde. Der russische Genetiker Ilya Zakharov fand beispielsweise heraus, dass es eine DNA-Verbindung zwischen den Indianern und den Tuvan Menschen, die 2.100 Meilen Südost von Moskau wohnen, gibt 8. Das ist sensationell! Durch den genetischen Fingerabdruck ist die Abstammung heute absolut nachweisbar, denn dieser ist so individuell, wie ein Fingerabdruck. Es steht daher heute ohne Zweifel fest, durch archäologische und genetische Untersuchungen, dass die Vorfahren der meisten Indianer mongolid sind 9.

Weitere genetische Studien des Y Chromosoms zeigen auf, dass es durchaus auch einen kaukasoiden (Europäer und Inder) Vorfahren gegeben haben kann. Diese würde die Funde von nicht-mongoliden Skeletten erklären, wie den Kennewick Mann (Alter etwas 9400 Jahre). Man geht davon aus, dass es sich dabei um frühe Einwanderungen aus Eurasien handelt, die im Pleistozän ( zw. 15000 und 50000 J.) über Asien und die Beringstraße in die Neue Welt gelangten. Auch wenn manche ambitionierten Mormonengelehrten in diesen Zusammenhängen bereits schon wieder einen Beweis für das Buch Mormon sehen, zeigen die detaillierten Forschungsergebnisse auf, dass es sich hierbei um alles andere als solche Beweise handelt. Denn selbst wenn es eine genetische Verwandtschaft eurasischer oder europäischer Art gegeben haben sollte, hat diese sicherlich nichts mit den Ideen des Buches Mormon zu tun. Jede andere Interpretation, wie die der Mormonen, wäre anachronistisch und pseudowissenschaftlich, denn bislang fehlen dazu jegliche genetische, kulturelle und chronistisch korrekten Beweise und Zusammenhänge.

Im Jahr 2000 betrieb die kircheneigene Universität BYU DNA-Studien. In einem Artikel in der Salt Lake Tribune vom 30. November 2000 kam damals allerdings klar zum Ausdruck, dass eigentlich keine anderen Ergebnisse, als die, die bereits von nicht-mormonischen Wissenschaftlern erbracht wurden, zu erwarten sind. Und so hat es sich auch bewahrheitet. Auch wenn Sorenson die Population der Lamaniten mittlerweile auf eine winzige Gruppe irgendwo in Zentralamerika reduziert haben will und keine Chance darin sieht, dass die DNA-Ergebnisse hinweise auf die Lamaniten ergeben werden. Sorenson widerspricht mit seinen Ansichten ohnehin schon seit langem den traditionellen Glaubensgrundlagen, die seit Joseph Smith gelehrt wurden und steht damit in Widerspruch zu seinen eigenen Kirchenautoritäten. Es ist anzunehmen, dass die BYU-Studien eine offene Kollidierung zwischen den orthodoxen Ansichten der Mormonen und der Wissenschaft im eigenen Haus hervorbringen werden.
Nachtrag 2005: Bislang konnte auch die BYU, wie zu erwarten war, keine genetischen Beweise für eine semitische Abstammung der Ureinwohner Amerikas vorlegen. Gleichzeitig wurden weltweit weitere DNA-Untersuchungen getätigt, die eines klar aussagen: Die Vorfahren der Indianer waren nicht die Hebräer - ein Dolchstoß für die Authentizität des Buches Mormon und den Glauben der Mormonen.
Mormonische Gelehrte an der BYU gehen heute auch davon aus, dass es genetisch nicht möglich sein wird, semitische Spuren in der DNA der Indianer zu finden. Sie argumentieren, dass nur eine sehr kleine Gruppe von Hebräern Teil der Bevölkerung der Neuen Welt war und diese sich mit den anderen Gruppen vermischte ("Sauerteig mit Brot"). 99,6% der DNA-Untersuchungen weisen auf einen asiatischen Ursprung hin. Anstatt nun der Realität ins Auge zu sehen, werden neue apologetische Sichtweisen postuliert, die zum einen den ursprünglichen Lehren Joseph Smiths widersprechen und zum anderen nichts anderes Darstellen, als eine Rettungsdecke - besser bekannt als Dissonanz Management. Weiter muss hier gesagt werden, dass es sich bei den neuen Sichtweisen der Apologeten nur um deren Meinung handelt. Auf ein offizielles Statement der religiösen Führer aus Salt Lake City werden wir wohl - wie immer - umsonst warten, denn für sie steht die Glaubwürdigkeit ihrer Gemeinschaft auf dem Spiel.

Aber es gibt auch mormonische Wissenschaftler, die Konsquenzen aus den Tatsachen ziehen. Dr. Simon Southerton, ein ehemaliger Bischof und Molekularbiologe, der aufgrund der genetischen Erkenntnisse die Mormonenkirche verlassen hat, machte folgende Aussage im oben erwähnten Artikel der Tribune:

"Die existierenden DNA-Forschungen zeigen auf überwältigende Art und Weise, dass die eingeborenen Amerikaner und Polinesier, Nachfahren asiatischer Vorfahren sind. Ist es ehrlich, die Mitglieder der Kirche in Hinblick auf die Berge von Beweisen für diese Fakten im Dunkeln zu lassen, während man über die Mächtigkeit dieser Technologie diskutiert, um genealogische Verwandschaften offenzulegen? "

Auch der Mormone Thomas W. Murphy, im Jahre 2002 Doktorand an der Universität von Washington, behandelte in seiner Dissertation das Thema Genetik und Indianer. In seinen Studien kam er zur selben Schlussfolgerung wie Southerton und andere: Die Indianer sind keine Nachfahren der Israeliten. Für seine Publikation drohte ihm die Gemeinschaft mit Exkommunikation. Er selbst sagte:

"Uns wurde gelehrt, die Wahrheit zu sagen, nicht jedoch, wenn die Wahrheit der Kirchenlehre widerspricht. Ich ziehe es vor, die Wahrheit zu sagen."

Mittlerweile gibt es auch ein Video in englischer Sprache (Mitwirkenden u.a. Thomas W. Murphy und Dr. Simon Southerton), welches anhand wissenschaftlicher DNA-Analysen aufzeigt, dass die Indianer nicht von den Hebräern abstammen: Mormon Challenge.

Neuere DNA-Studien (2005) gehen sogar davon aus, dass die amerikanischen Ureinwohner nur etwa 70 Vorfahren aus Asien hatten:

"Lediglich etwa 70 Einwanderer aus Asien legten vor knapp 14.000 Jahren den Grundstein für die Besiedlung Amerikas. Die Bevölkerung der Neuen Welt ging somit aus einer erstaunlich geringen Zahl an Menschen hervor, hat ein amerikanischer Biologe anhand von Genanalysen herausgefunden.
Dass die Vorfahren der Ureinwohner Amerikas den neuen Kontinent von Sibirien aus über eine damals noch vorhandene Landbrücke an der Bering-See erreichten, gilt mittlerweile als erwiesen. Details über diese Besiedlung sind jedoch noch stark umstritten. Mithilfe eines Rechenmodells analysierte Jody Hey nun neun Gene, die Aufschluss über die genetische Bevölkerungsgeschichte geben können und in der wissenschaftlichen Literatur bereits gut untersucht sind. Dazu verwendete er DNA-Sequenzen von heute lebenden Asiaten und Ureinwohnern Amerikas.
Diese Untersuchung ermöglicht unter anderem eine Abschätzung der ursprünglichen Populationsgröße und den zeitlichen Ablauf der Besiedlung. Die Ergebnisse seiner Untersuchung legen nahe, dass es mit rund 70 Individuen nur eine sehr kleine Anzahl an Einwanderern aus Asien war, deren Gene die Grundlage für die Bevölkerung Amerikas bildeten." (Quelle: www.wissenschaft.de - ( Jody Hey -Rutgers-Universität, New Jersey: PLoS Biology, Bd. 3, S. e193))

Nachtrag 2012: Neuste Untersuchungen von 365.000 DNA-Sequenzen zeigen, dass der amerikanische Kontinent in drei Wellen von Asien aus bevölkert wurde.
Nachtrag 2014: Asien oder Europa? Herkunft der Ureinwohner Amerikas geklärt:

"Lange stritten Forscher darüber, woher die Ureinwohner Amerikas kamen. Anhand der Untersuchung des Erbguts eines vor 12.600 Jahren gestorbenen Jungen ist diese Frage nun beantwortet. 80 Prozent aller Ureinwohner des Kontinents sollen von seiner Familie abstammen. Der lange Streit um die Abstammung der Ureinwohner Amerikas scheint gelöst: Ein Team von Wissenschaftlern wies in einer umfangreichen Genom-Studie nach, dass die heutigen Ureinwohner Amerikas direkt von asiatischen Einwanderern abstammen, die vor rund 15.000 Jahren auf den Kontinent kamen. Sie widerlegten in ihrer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie andere Theorien, denen zufolge die Ureinwohner auch von Europäern abstammen könnten. Die Forscher untersuchten das Erbgut eines Jungen, der vor rund 12.600 Jahren als Kleinkind gestorben und im heutigen US-Bundesstaat Montana begraben worden war. Erst 1968 war das älteste Skelett Nordamerikas bei Bauarbeiten gefunden worden. "Die genetischen Daten bestätigen, dass die Vorfahren dieses Jungen aus Asien stammten", sagt der Ko-Autor der Studie, Michael Waters, von dem in Texas ansässigen Zentrum für Studien über die ersten Amerikaner. Die Familienangehörigen des Kindes wiederum seien "direkte Vorfahren" der heutigen Ureinwohner Amerikas gewesen. Der Junge war Mitglied der sogenannten Clovis-Kultur, die vor rund 13.000 bis 12.600 Jahren in Nordamerika lebte und für ihre Waffen und Werkzeuge bekannt ist." (weiter lesen...)
Wir halten also fest, dass diese Beweise in völligem Widerspruch zu der offiziellen Annahme der Mormonenkirche stehen, dass die dominierende Blutlinie israelitisch (semitisch) sei (was 2007, wie eingangs erwähnt, im Vorspann des BM auch eingeräumt wurde) und auch die Ansichten von FARMS nicht bestätigen. Im Gegenteil. Bislang konnten keinerlei linguistische noch kulturelle Zusammenhänge gefunden werden und dies nach über einem halben Jahrhundert von Forschungen in der Neuen Welt. Die DNA-Analysen können heute auch definitiv belegen, dass die Indianer nicht von den zehn verlorenen Stämmen Israels abstammen.

Gab es eine Verbindung zur Alten Welt?

„ Vorliegendes Material belegt, dass die ersten Menschen, die diesen Kontinent von Osten her erreichten, Wikinger waren, die den nordöstlichen Teil Nordamerikas um das Jahr 1000 kurz besuchten und sich dann in Grönland niederließen. Nichts deutet darauf hin, dass sie Mexiko oder Zentralamerika erreichten.....
Eine der gewichtigsten Erkenntnisse, die die wissenschaftliche Annahme stützen, dass Kontakte mit der Alten Welt, sollte es sie überhaupt gegeben haben, von sehr geringer Bedeutung für die Entwicklung der Zivilisationen der amerikanischen Indianer waren, ist der Umstand, dass keine der domestizierten Pflanzen und Tiere (außer dem Hund) aus der Alten Welt in der Zeit vor Kolumbus in der Neuen Welt vorkamen. Amerikanische Indianer hatten keinen Weizen, Gerste, Hafer, Hirse, Reis, Kühe, Schweine, Hühner, Pferde, Esel oder Kamele vor 1492. (Kamele und Pferde gab es in Amerika, zusammen mit Bison, Mammut und Mastodon, aber alle diese Tiere wurden um 10000 v.u.Z. ausgerottet, als sich die ersten Großwildjäger über Amerika ausbreiteten.).... Es ist möglich, dass die Verbreitung kultureller Charakterzüge über den Pazifik hinweg zu Mesoamerika und der Nordwestküste Südamerikas einige hundert Jahre vor der christlichen Ära begannen. Dennoch scheinen solche interhemisphären Kontakte Resultate versehentlicher Seereisen zu sein, die im östlichen und südlichen Asien starteten. Es ist keinesfalls sicher, dass solche Kontakte überhaupt mit den alten Ägyptern, Hebräern oder anderen Völkern Westasiens oder des Nahen Ostens stattfanden. "
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Heyerdahls Kon-Tiki-Fahrt:

„ Eine kulturelle Beeinflussung von Europa aus ist nicht nachweisbar; möglich, wenngleich nach Art und Grad umstritten, ist sie von Ostasien aus. Die berühmte Kon-Tiki-Fahrt Heyerdahls (1947) sollte die Möglichkeit eine kulturellen Zusammenhangs mit Polynesien demonstrieren, vermochte aber nicht zweifelsfrei den erstrebten Beleg zu erbringen, dass die angenommene kulturelle Beeinflussung auf solchem Weg erfolgte. " 11

Alte Theorien:

„ Spekulationen über die Rassenzugehörigkeit und den Ursprung der Bewohner der Neuen Welt begannen schon mit dem ersten Eintreffen der Europäer. Kolumbus hielt sie für Eingeborene Ostindiens... Während des 16. Jahrhunderts gab es nicht wenige sehr gebildete Mönche und Priester, die in Mexiko die verschiedensten Überlieferungen der Eingeborenen gehört hatten, die besagten, dass deren Vorfahren in Booten über das Meer nach Amerika gelangt seien. Aufgrund dessen waren viele Missionare davon überzeugt, sie hätten es mit den Abkömmlingen der im Alten Testament erwähnten Zehn Verlorenen Stämme Israels zu tun. Nicht einmal die Tatsache, dass nicht ein Stamm oder Volk Hebräisch oder eine damit verwandte Sprache sprach, vermochte diese Theorie zu entkräften, die jahrhundertelang weiterlebte und selbst gegenwärtig noch ihre Anhänger hat. " 12
Diese letzte Aussage stammt von Prof. Michael D. Coe, einem der führenden Anthropologen auf diesem Gebiet. In einem seiner zahlreichen Bücher, aus dem dieses Zitat stammt, geht er auf die Ansicht der Kirche zu diesem Thema ein und knüpft interessante Zusammenhänge.
„Nach der Amerikanischen Revolution (1770-1776), als die Weißen nach Westen über die Appalachen in indianisches Territorium vordrangen, tauchten erneut die verschiedensten Spekulationen auf, insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Die Siedler fanden in den Stromtälem des Ohio und Mississippi Mounds (Erdhügel) aus vergangenen Epochen, für die die jetzt dort lebenden Indianer keine Erklärung wussten. In einigen »Begräbnis-Hügeln« wurden Kupfergegenstände, Perlen, Glimmer sowie andere prachtvolle Beigaben entdeckt. Die geheimnisvollen Menschen, die diese Anlagen errichtet hatten, bezeichnete man als 'Mound Builders' (Hügelbauer). Da damals rassistische Vorurteile und allgemein anti-indianische Ressentiments an der Tagesordnung waren, nahm man an, die Architekten der 'Mounds' könnten unmöglich die Indianer, sondern müssten eine seit langem untergegangene weiße Rasse sein.
Die Vorstellung, Weiße hätten schon lange vor Kolumbus Amerika bewohnt, wurde zusätzlich genährt von dem über weite Strecken gefälschten Bericht über Madoc, einen aus Wales stammenden Kolonistenführer, der angeblich schon 300 Jahre vor Kolumbus die Neue Welt erreicht haben soll. Man glaubte geraume Zeit, selbst heute noch gibt es vereinzelte Vertreter dieser Richtung, dass es 'weiße' Indianer unter den Stämmen der Plains gäbe....
Diese Ansichten beeinflussten zweifellos auch das Denken Joseph Smiths (1805-1844), des Gründers der Glaubensgemeinschaft der Mormonen. "

Coe geht dann kurz auf den Inhalt des Buches Mormon ein, indem er u.a. die mit einer dunklen Hautfarbe gestraften Lamaniten erwähnt. Er fährt fort:

„ Als Joseph Smith über die Entdeckungen Stephens und Catherwoods in den Ruinenstädten der Maya in Mexiko und Zentralamerika las, behauptete er sogleich, diese Bauwerke seien von den Nephiten errichtet worden., weil er die 'primitiven' Indianer solcher kultureller Meisterleistungen nicht für fähig hielt.
Aber Smith war nicht der einzige, der sich von der Geschichte über das Schicksal der Zehn Verlorenen Stämme Israels inspirieren ließ. "
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Aus der History of the Church erfahren wir, dass auch Joseph Smith, mit einigen anderen, 1834 in Illinois solche Hügel besichtigt hat und die darin gefundenen Gebeine, einem alten 'weißen' Lamaniten namens Zelph zuschrieb 14 ( Nähere Angaben zu diesem Ereignis und Zelph: siehe Buch Mormon - Archäologie - Geographie ). Die von Coe angeführte Problematik dieser alten Theorien über die Herkunft der Indianer und den genannten Ansichten bezüglich der Hautfarbe, spiegelt sich in der gesamten Geschichte des Buches Mormon wider, mitsamt der Rassenfrage, die ja auch in anderem Zusammenhang eine Rolle spielt. Die Kirche ist wohl die letzte Gruppierung von Menschen, die noch an solche Theorien glaubt.

Wir stellen also fest:

  • Die Ureinwohner Amerikas kamen lange vor der Zeitrechnung des Buches Mormon über die Beringstraße - und möglicherweise vereinzelt auch über andere Wege - in die Neue Welt. ( Anstatt über die Beringstraße gewandert zu sein, könnten die Ureinwohner von Asien aus, südlich des Bering Meeres, auch Boote benutzt haben und landeten dann wahrscheinlich südlich der Kordilleren-Eisplatte ( zwischen Kanada und den USA ) 15). Es kann sogar sein, dass noch frühere Gruppen aus Australien kamen und es gibt mögliche Verbindungen zu den Solutreen-Menschen.
  • Der physische Typ des amerikanischen Indianers ist grundlegend mongolid, was durch die Genetik bewiesen wurde. Eine eurasiche Verwandtschaft aus dem Pleistozän ist möglich. Weitere europäische Verwandschaften scheinen durch neuste genetische Untersuchungen eher ausgeschlossen.
  • Eine kulturelle Beeinflussung Europas ist nicht nachweisbar. Schon gar nicht mit semitischem oder ägyptischem Ursprung.
  • Kontakte mit der Alten Welt, wenn es sie den jemals gegeben hat, sind eher zufällig und ostasiatischer Herkunft.
  • Es gab niemals weiße Ureinwohner in Amerika.

Zur Zeit Joseph Smiths nahm man allgemein an, wie bereits oben angeführt, dass die Vorfahren der Indianer von den Hebräern abstammten. In Büchern, wie View of the Hebrews von Ethan Smith ( wurde 7 Jahre vor dem Buch Mormon publiziert) , die dem Propheten zugänglich waren und anderen Quellen, wurde diese Annahme vertreten. Diese Annahme spiegelt sich auch im Buch Mormon wieder und repräsentiert damit die Anschauungen der damaligen Zeit.

Die Sicht des Mormonismus zu den anthropologischen Begebenheiten der Neuen Welt stammt somit aus dem frühen 19. Jahrhundert und ist alles andere als zeitgemäß, steht im Widerspruch zu den Erkenntnissen der heutigen Zeit isoliert und kann nur durch eine einseitige, apologetische Lehre aufrechterhalten werden.


Fußnoten

1 Buch Mormon, Einführung

2 Lehren des Propheten Joseph Smith, S.19

3 Bruce R. McConkie, Mormon Doctrine, S.33, 1979

4 Zeitalter der Menschheit, Altes Amerika, S.12-14 . TIME-LIFE International

5 Das Inkareich, Entstehung und Untergang, Bechtermünz Verlag, S. 7

6 National Geographic Society. Auf Anfrage beim Institut für Religiöse Forschung, in einem Brief vom 12. Aug. 1998

7 Smithsonian Institut,

8 Christian Science Monitor, 8.12.1998

9 Aus einem Bericht der Zeitung „Die Zeit", Erst Schwarze dann Rote, September 1999

10 Smithsonian Institut, siehe BM als Grundlage für archäologische Forschung?

11 Welt Geschichte, Von der Urzeit bis zur Gegenwart, S.366. Karl Müller Verlag.

12 Michael D. Coe, Weltatlas der Alten Kulturen, Amerika vor Kolumbus, 1993, S.24

13 Michael D. Coe, Weltatlas der Alten Kulturen, Amerika vor Kolumbus, 1993, S.24

14 History of the Church, Band 2, S.79-80

15 Michael D. Coe, Weltatlas der Alten Kulturen, Amerika vor Kolumbus, 1993, S.31