Diese Frage wird sehr häufig gestellt. Mormonen würden generell
mit Nein antworten und Kritiker der Gemeinschaft in der Regel mit Ja. Ich werde
diese Frage nicht gleich mit Ja oder Nein beantworten. Religionswissenschaftler, Soziologen und Juristen haben in der Vergangenheit vermehrt darauf
verzichtet, den Begriff "Sekte" für eine bestimmte Glaubensgemeinschaft anzuwenden, während Psychologen und vor allem Aussteiger diesen durchaus weiter
verwenden. Prinzipiell muss man zunächst
hinterfragen, was im Allgemeinen unter einer Sekte verstanden wird und was eine Sekte laut Definition ist.
Definition:
1. Bedeutung: "Befolgte (Lehre)" - lat. secta, von sequi ‚folgen‘, in der Bedeutung beeinflusst von secare ‚schneiden,
abtrennen‘.
2. Kleinere von einer christlichen oder einer anderen Hochreligion abgespaltene
religiöse Gemeinschaft.
3. Philosophisch oder politisch einseitig ausgerichtete Gruppe.
4. Was kann unter psychologischen Gesichtspunkten dazu gesagt
werden?
5. Wie sind die Mormonen gemäß der von den Kultusministerien herausgegebenen
Sektencheckliste
zu beurteilen?
6. Wie steht es mit dem Sektenverständnis im Volksmund?
Der Volksmund versteht unter einer Sekte eine in sich geschlossene,
religiöse Gruppierung, die ihre Mitglieder in der Regel indoktriniert und
in ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis bringt. Meist unter erhöhtem zeitlichen
und finanziellen Aufwand. Oft stehen solchen Gruppen Gurus, Führer oder Propheten
vor. Die Mitglieder verlassen meist ihr bisheriges Umfeld und widmen sich
fast ausschliesslich der Gemeinschaft. Sie sehen sich selbst als auserwählt
an.
Die Mormonen stützen ihre Behauptung auf Punkt 2 der
Definition. Sie sehen sich nicht als Abspaltung, sondern als komplette
Neugründung, da Joseph Smith von Gott angeblich beauftragt wurde, die
"einzig wahre Kirche auf Erden" wiederherzustellen. Man spricht in den
Kreisen der Mormonen daher von der "Wiederherstellung". Manche Mormonen
sehen die Gemeinschaft auch als angehende, neue Weltreligion. Dies stellt
allerdings die Frage in den Raum, ob eine angehende Weltreligion Teil
einer der bestehenden Weltreligion sein kann. Mormonen sehen sich nämlich
als Christen und damit als Teil einer der unter Punkt 2 bestehenden
Hochreligionen. Kritiker und andere christliche Kirchen und Gemeinschaften,
zählen die Mormonen, aufgrund ihrer teilweise vom allgemeinen biblischen
Christentum sehr abweichenden Lehren, nicht
zu den Christen. Prinzipiell handelt es sich bei den Mormonen um
eine synkretistische Neureligion, die der christlichen Ökumene
fremd ist, da ihr Absolutheitsanspruch keine anderen Religionen als
autorisiert gelten lässt. Mormonen glauben, dass das Heil Gottes
nur durch die eigene Lehre zugänglich gemacht werden kann.
Ist das Argument der Wiederherstellung gültig? Nun,
dies ist natürlich zunächst reine Glaubenssache. Glaubt man Joseph
Smith, so sind die Mormonen eine Kirche, die direkt von Gott ins Leben
gerufen wurde. Ich habe auf dieser Homepage allerdings sehr viele Fakten
aufgeführt, die genau das Gegenteil aufzeigen. Die Mormonen mögen keine
direkte Abspaltung einer damals oder heute noch bestehenden christlichen
Gemeinschaft gewesen sein aber die "einzig wahre Kirche" sind sie mit
Sicherheit auch nicht. Sie sind aber dann in gewissem Sinne eine Abspaltung
der christlichen Hochreligion, wenn sie sich selbst als Christen
bezeichnen und dies entspricht dem Selbstverständnis der Mormonen,
auch wenn das mit dem Begriff der Neureligion etwas im Widerspruch
steht. In diesem Sinne müsste man die Gemeinschaft nämlich
dann auch zu den vielen Splittergruppen zählen - mit der Besonderheit,
sowohl christliche und alttestamentarische Glaubensinhalte, als auch
viele eigene Lehren von Joseph Smith zu beinhalten (synkretistisch,
Sonderlehren). Der Punkt ist deshalb etwas undurchsichtig, weil die
Betrachtungsweise des Ursprungs, je nach Blickwinkel, anders ausfällt.
Christen, Ja oder Nein? Was sind eigentlich Christen? Teil einer Hochreligion,
Ja oder Nein? Abspaltung oder Neureligion? Die Mormonen tragen allerdings
durch ihren Antwortspagat auf all diese Fragen nicht sonderlich zur
Klärung bei.
Punkt 3 der Definition trifft zu. Die Mormonen sind definitiv
eine philosophisch einseitig ausgerichtete Gruppierung, mit strengem theokratischem
System und Reglements.
Auch die Sektendefinition des Volksmundes hat zumindest teilweise
ihre Berechtigung. Die Mormonen sind allerdings in keinster Weise mit den
Scientologen oder ähnlich markanter Psycho-Gruppen zu vergleichen. Allerdings
hat die Lehre indoktrinierenden und - was den Tempel betrifft - auch okkulten
Charakter. Mitglieder erhalten ein völlig neues Weltbild, verlassen meist
ihr altes Umfeld, investieren sehr viel Zeit und Geld und folgen i.d.R. kritik-
und bedingungslos ihren Führern. Es kommt zu einem Persönlichkeitsverlust.
Eine Loslösung vom Glauben kann je nach Tiefe der Integration eine nicht einfacher
psychologischer Prozess sein, der sich über mehrere Monate oder gar Jahre
hinziehen kann. Mit Repressalien hat allerdings niemand zu rechnen. Die Mormonen
sind ein friedliches Volk und versuchen in der Gesellschaft einen positiven
Eindruck zu hinterlassen, was allerdings in deren Anfängen nicht immer so war.
Eine interessante
Ausführung von Dipl.-Psych. Dieter Rohmann zeigt weiterhin aus psychologischer
Sicht auf, dass die Mormonen sehr viel Ähnlichkeit mit seiner Definition
von Sekten oder Kulten haben. (Siehe auch: www.kulte.de)
Weiter ist die psycho-soziale
Betrachtung der Mormonen sicher sehr aufschlussreich und trägt
zur Urteilsfindung erheblich bei. Ich bin an dieser Stelle auch der
Meinung, dass ein Außenstehender, darunter auch Sektenbeauftragte,
nur schwer zu einem richtigen Urteil finden können. Dies wird durch
die teilweise sehr verharmlosenden Aussagen einiger "Experten"
aufgezeigt. Vielmehr sollte man auf das Wissen und die erlebte Erfahrung
von ehemaligen Mitgliedern zurückgreifen, die das Innenleben der
Gemeinschaft kennen.
Ich bin auch der Meinung, dass es nicht damit getan ist, eine rein theoretische Definition der Begrifflichkeit "Sekte" aufzustellen,
so wie es die Wissenschaft handhabt. Ich verstehe deren Bestreben nach differenzierter Sachlichkeit, kann aber als Austeiger diesen Terminus
mit einer praktischen Erfahrung verbinden und ihm damit eine erweiterte Bedeutung zuordnen, die ihre Berechtigung hat. Diese Erweiterung hilft
vor allem Außenstehenden zu verstehen, welche potentiellen Gefahren eine Mitgliedschaft in solchen Gruppen mitsich bringen kann. Damit
ist der Begriff "Sekte" für mich in der Tat auch ein negativ behaftetes Stigma, dass immer dort angewendet werden sollte, wo
es notwendig ist.
Und es gibt allen Grund, dies so zu sehen. Jemand, der wie ich, in den Tempelriten der Mormonen vor 1990, seinen Daumen
über die Kehle ziehen musste, als Andeutung
der Strafe, die einen bei Freigabe der geheimen Zeichen und Kennzeichen ereilen könnte, ist geprägt.
Im Vergleich mit der Sektencheckliste
entsprechen die Mormonen zu 94% den Kriterien!! Keine Frage konnte
mit Nein beantwortet werden.
Fazit: Laut Definition, dem allgemeinen Verständnis
über Sekten, der psychologischen Betrachtung und der Sektencheckliste
sind die Mormonen meiner Meinung nach in vielen - wenn nicht in den meisten - Bereichen
als Sekte, bzw. Kult, zu betrachten und es ist daher notwendig, dass
über den Mormonismus in der Öffentlichkeit informiert wird.
Man ordnet die Gemeinschaft prinzipiell den synkretistischen Neureligionen,
bzw. chiliastischen Sekten (Duden), zu.
Synkretismus: <gr.-nlat.> der; -: 1. Vermischung verschiedener Religionen, Konfessionen
od. philosophischer Lehren, meist ohne innere Einheit .
Chiliasmus: [ç-, griechisch] der, die Lehre von einer tausendjährigen Herrschaft Christi auf Erden
am Ende der geschichtlichen Zeit (Offenbarung des Johannes 20,110);
Weitere Informationen zum Thema Sekten finden Sie hier:
Weiterer schweizer Link
zum Thema Sekten
Studie
des Deutschen Bundestages über Sekten und Psychogruppen (Link leider nicht mehr verfügbar)
Elektronisches Informationssystem
über Sekten
INTERIM - Hilfe
und Selbsthilfe e.V.
KULTE
- Eine sehr gute Seite zum Thema Ausstieg aus Sekten und Kulten von Dipl.-Psych.
Dieter Rohmann
Nun, bevor die Mormonen innere Reformen anstreben (Bsp. Akzeptanz
von Homosexuellen, Frauen im Priestertum, usw.), werden erst andere Mauern
fallen müssen. So lange man den Mitgliedern den Mythos von der einzig
wahren Kirche mit Erfolg verkauft, wird es schwer sein, einzelne Reformpunkte,
die tief im Dogma integriert sind, zu ändern. Auch wenn in der Vergangenheit
bereits etliches verändert wurde (werden musste, wegen äußerem
Druck). Allgemein tendieren die Mormonen in den letzten Jahren zu dem äußeren
Erscheinungsbild einer gewöhnlichen, christlichen Kirche hin, was man
an den öffentlichen Aussagen ihres Präsidenten Hinckley sehen kann.
Dennoch wird die Gemeinschaft ihre problematischen
Glaubensinhalte nicht los, auch wenn man das nach außen hin gerne
so hätte. Würde die Gemeinschaft ihren alleinigen Wahrheitsanspruch
aufgeben, wäre der Weg für interne Reformen frei. Ich sehe diesen
Prozess noch in ferner Zukunft aber er muss kommen, denn auch an der BYU wird
man wegen der doktrinären Widersprüche langsam unruhig und nicht
wenige Gelehrte wenden sich von der Kirche ab.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in der intellektuellen Gruppe der Mitglieder
ein Einbruch stattfinden wird. Spätestens wenn die an der BYU im Moment
anlaufenden genetischen
Studien zur Herkunft der Indianer zu keinem anderen Ergebnis gekommen
sein werden, wie die anderer Institute, wird es zu neuen Fragestellungen kommen
und vielleicht zu einer Neuidentifizierung der Mormonen. Oder zu einer Aufspaltung
zwischen Fundamentalisten und Reformern. Ein spannendes Thema und ein heikles
Unterfangen. Denn viele sind nur deshalb dabei, weil es den oben genannten
Mythos gibt. Es gibt aber auch andere, die ohne den Wahrheitsanspruch dabei
bleiben würden und solche, die ohnehin schon liberal sind und die Kirche
als nicht einzig wahr ansehen.
Trotzdem haben wir noch das Problem der Realitätsentfremdung der meisten
Mitglieder. Was tun, mit den vielen indoktrinierten Köpfen? Weiter impfen
oder frei denken lassen? Ein Eldorado für die Psychologen von morgen.
Lassen wir die Zeit entscheiden. Sicher ist jedoch dies: Gruppierungen wie
die Mormonen wird es immer geben, auch wenn alle Welt mit der Fahne der Realität
vor den Häusern winkt. Der Mensch hat einen Hang zur Leichtgläubigkeit
und sucht existentiellen Schutz in heilbringenden Lehren. Und dennoch, wir
stehen am Anfang eines neuen Zeitalters, in dem der Mensch lernen sollte,
die zentralen Wahrheiten aller Religionen von den begleitenden Mythen zu trennen.
Erst nach dieser Freilegung wird es dem Menschen gelingen, einen noch ungeahnten
Fortschritt zu erleben, weil er auf unabhängige Weise, die Fähigkeiten
seiner selbst zu nutzen wissen wird. Fähigkeiten, die die Religionen
erkannt haben aber die sie an Reglements und Gewissen binden. Die Freiheit
versklavt sozusagen.
Leider werden wir schon alle tot sein, wenn diese möglichen Entwicklungen
eintreten werden aber als Realdenker können wir uns als Wegbereiter in
Szene setzen und wer weiß, vielleicht bekommt ja einer mal den Nobelpreis
dafür. :-)
Ist Liberalismus daher ein Ausweg oder eher ein Umweg? Das mag jeder halten,
wie er will. Für mich, als ehemaliges Mitglied, kommt der Liberalismus
jedenfalls nicht in Frage, da ich keinerlei Konformität mehr verspüre
und die eingeschränkte, perspektivische Sicht der Gemeinschaft, meinem
eigenen, freien Weltbild nur widersprechen würde - Reformen hin oder
her. Warum etwas hinbiegen, wenn man es neu anders und besser machen kann?
Mormonen glauben, wie mach andere Glaubensgemeinschaften
auch, immer noch an Adam und Eva als erste Menschen. Diese Lehre besteht
seit der Gründungszeit und hat bis heute Bestand. Besonders im
Tempel
der Mormonen, wird diese Ansicht den Mitgliedern als wichtiger Glaubensbestandteil
gelehrt. Da nach Ansicht der Mormonen Gott und die ersten Menschen weiß
sind, bzw. waren, muss es also eine Erklärung dafür geben,
warum es anders farbige Menschen gibt.
Mormonen haben daher auch die im 19. Jahrhundert bestehende Ansicht
übernommen, dass Menschen dunkler Hautfarbe, einen göttlichen
Fluch besitzen. Als Kain Abel erschlug, setzte - laut dem Alten Testament
- Gott ein Zeichen auf Kain: Die dunkle Hautfarbe eben. Auch im Buch
Mormon wurden die Lamaniten deswegen mit einer dunklen Hautfarbe bestraft,
weil sie ungehorsam waren. Aus diesen Gründen lehrten die Führer
der Gemeinschaft, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen Schwarzen
und Weißen gibt und dass schwarze Mitglieder kein Priestertum
tragen dürften. Dies wurde bis 1978 praktiziert und musste dann,
aufgrund von äußerem Druck, abgeschafft werden. Nicht abgeschafft
wurde die Lehre. Ich bin auf dieser Website eingehend auf das Thema
eingegangen und habe auch einige sehr rassenfeindliche
Zitate von Führern der Mormonen aufgeführt.
Es ist beschämend, dass es bis heute keine offizielle Korrektur
dieser Anti-Schwarzen-Doktrin der Mormonen gibt und den Mitgliedern
weiterhin gelehrt wird, dass die dunkle Hautfarbe durch einen Fluch
in die Welt kam.
Bei Übertretungen kann es zu unterschiedlichen
Konsequenzen kommen. Bei leichteren Vergehen, muss das Mitglied mit
dem Bischof sprechen und seine Umkehrwilligkeit bekunden. Solange das
nicht getan ist, darf das Mitglied nicht vom Abendmahl nehmen. Bricht
ein Mitglied permanent das Wort der Weisheit, so kann das auch dazu
führen, dass es seine Berufung in der Kirche nicht mehr ausüben
kann und keine priesterlichen Tätigkeiten mehr durch- geführt
werden sollen. Bei schwereren vergehen, vor allem im moralischen Bereich
(Sex vor der Ehe, Petting unter Jugendlichen, Ehebruch, Pornographie),
werden harte Maßnahmen ergriffen. Dies kann zum Gemeinschaftsentzug
oder gar zum Ausschluss führen.
Die Mitglieder unterliegen einer stetigen Würdigkeits-
kontrolle, die in Form von Interviews mit dem Bischof
durchgeführt werden. Diese werden besonders bei Mitgliedern
mit Tempelscheinen durchgeführt. Das Mitglied muss dann
einige, für Außenstehende, sehr private Fragen beantworten.
Allerdings sind den Priestertumsträgern auch hier Grenzen
gesetzt. Alles dürfen sie nicht fragen.
Vorraussetzung für Aufgaben in der Kirche ist auch die
Würdigkeit. Mitglieder, die den hohen Anforderungen der
Gemeinschaft nicht nachkommen können, nehmen automatisch
eine Außenseiterrolle ein (zwei Klassen), die letztendlich
oft zur Inaktivität führt.
Das Schlimmste ist eigentlich der psychologische Druck, der durch diese Regeln
auf die Mitglieder ausgeübt wird. Dieser Druck wird aber nicht bewusst
wahrgenommen, da man ja von der göttlichen Aufgabe der Gemeinschaft überzeugt
ist. Es entsteht aber eine gewisse seelische Abhängigkeit und negative
Eindrücke, die durch ein schlechtes Gewissen erzeugt werden. Dieses Problem
herrscht aber bei allen Gruppierungen vor, die streng religiös leben.
Es gibt unter Mormonen heute aber keine "dunklen Bestrafungen"
oder Ähnliches. In den Anfängen der Kirche jedoch schon, was
das Beispiel der Blutsühne
belegt.
Der Druck erfolgt über die Psyche und das reicht in der Regel auch
aus, um eine Gleichschaltung zu erreichen, denn letztendlich sollen
alle gleich denken und fühlen. Die Individualität geht dabei
in großen Teilen verloren.
Das Gefälle zwischen Anzahl der Konvertierten und den tatsächlich
Verbleibenden - einige Zahlen:
"Anwesenheit bei den Abendmahlsversammlungen variert erheblich. Asien
und Lateinamerika haben eine wöchentliche Anwesenheitsrate von ungefähr
25%, Europa im Durchschnitt 35% ... Kanada, der Südpazifik
und die USA im Durchschnitt zwischen 40 - 50%" (Encyclopedia
of Mormonism, Hrsg. Daniel H. Ludlow, 1992, 4:1527, jeweils m. Üb.).
In Mexiko bleiben nur 19% der männlichen Mitglieder aktiv. Genug
um das Melchezidekische Priestertum zu erhalten. In Japan sogar nur 17%
(Lowell C. Bennion & Lawrence Young, Dialogue, Bd. 29:1, Spring 1996,
S.19).
Wie sieht es in den Ländern aus, wo die Kirche in den letzten Jahren
rapide wächst? Aktivitätsraten, sprich "Anwesenheit" in
Ungarn: 28%; Tschechien: 25%; Polen: 25%. In etlichen
Gegenden tauchen 30-40% der "Neubekkehrten" nach der Taufe
nie wieder in der Kirche auf.
Höchste Anwesenheit ist in Süd-Utah und Westafrika zu finden: Um
die 54%. (E. Dale LeBaron Devotional, Ricks College News Release, 5
April, 2001)
80% der Bekehrteninaktivität findet in den ersten zwei Monaten
nach der Taufe statt. (Church Missionary Department Statistiken).
Präsident Hinckley ist der Wahrheit des momonischen Wachstum schon auf
der Spur, wenn er sagt:
"Niemand gewinnt bei einer Taufe ohne Beibehaltung (engl. retention,
gemeint ist 'bleibende Aktivität', m. Zus.) Der Missionar verliert, und
während die Kirche statistisch dazgewinnt, leidet die Mitgliedschaft,
wirklich, und der Enthusiasmus des Bekehrten verwandelt sich in Asche."
(Gordon B. Hinckley, LDS Church News, 4 Juli, 1998)
Oder noch deutlicher Apostel Ballard:
"Wir können die Kirche nicht ohne wirkliches Wachstum etablieren
- nicht nur Zahlen auf dem Papier." (M. Russell Ballard, Conversion
and Retention Satellite Broadcast, 29 August, 1999)
Somit bleibt zu bemerken, dass die Mormonen zwar eine der
schnellst wachsenden Religionen sind, sich dieses Wachstum aber nur auf die
vordergründige Statistik bezieht, nicht aber auf das tatsächliche
Wachstum, welches sich an der Anzahl verbleibender Mitglieder orientiert.
ZENIT - Die Welt von Rom aus gesehen
ZG01071801
Publikationsdatum: 2001-07-18
Warum die Mormonentaufe ungültig ist.
Auffassung der Sekte über die Dreifaltigkeit stimmt nicht mit christlichem
Begriff überein
VATIKAN, 18. Juli 2001 (ZENIT.org).- Auf Anfragen über mormonische Bräuche
hat der Heilige Stuhl jüngst die Ungültigkeit der Taufe dieser Sekte
festgestellt.
Vergangenen Monat hat die Glaubenskongregation die Ungültigkeit der
Mormonentaufe wegen des irrigen Trinitätsbegriffes und einer daraus resultierenden
falschen Christologie bekannt gegeben.
Am Dienstag hat Pater Luis Ladaria, Professor an der Päpstlichen Jesuitenuniversität
Gregoriana, gegenüber dem Osservatore Romano die kirchliche Haltung hinsichtlich
der Mormonentaufe erläutert.
"Die Taufe ist wesentlich wegen des unterschiedlichen Glaubens an Vater,
Sohn und Heiligen Geist ungültig, auf deren Namen ein Christ getauft
wird, aus der falschen Trinitätsauffassung resultiert logischerweise
eine falsche Auffassung über Christus, der aber die Taufe eingesetzt
hat".
Pater Ladaria hob hervor, dass sogar Nichtkatholiken gültig die Taufe
spenden können, da sie selbst das Sakrament nicht bewirken, sondern nur
als Werkzeug dienen, Spender ist Christus selbst. Der Taufende muss lediglich
im Namen der Dreifaltigkeit und mit der Absicht das Sakrament erteilen, das
zu tun, was die Kirche tun will.
Joseph Smith gründete die Mormonensekte 1830 in New York. Er fühlte
sich inspiriert, den Ort zu finden, wo goldene Gedenktafeln niedergelegt waren,
welche die Offenbarungen des Propheten Mormon enthalten, die er selbst und
sein Sohn Moroni geschrieben hatten. "Mormonismus ist die ´geheiligte
Geschichte´, die in Amerika neu geschrieben wurde, wo Gott die ´Heiligen
der späteren Tage´ offenbart hat".
Die Antwort der Glaubenskongregation basiert auf einer von den amerikanischen
Bischöfen erbetenen Untersuchung.
Die Taufformel der Mormonen laute: "Nachdem ich den Auftrag Christi
erlangt habe, taufe ich dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen
Geistes".
Darin ist aber keine wahre Anrufung der Dreifaltigkeit enthalten, sagte Pater
Ladaria, da für die Mormonen "Vater", "Sohn" und
"Heiliger Geist" nicht als drei Personen konzipiert werden, in der
die eine Gottheit besteht, sondern es sind drei Götter, die eine Gottheit
bilden.
Der Begriff "Gottheit" an sich hat keinerlei Wesenheit, da nach
mormonischer Auffassung die Gottheit entstanden ist, weil drei Götter
entschieden haben, sich zu vereinen und die Gottheit zu bilden, um den Menschen
das Heil zu bringen. Gottheit und Menschheit teilen nach mormonischer Auffassung
dieselbe Natur und sind daher "substantiell dasselbe".
Ein solcher Glaubensunterschied bringt es mit sich, das der mormonische Taufspender
bei der Erteilung der Taufe nicht mit der Absicht tauft, das zu tun, was die
katholische Kirche tut, wenn sie die Taufe spendet.
Anmerkung: Es sei hier erwähnt, dass sich die Katholiken,
die die Taufe aus dem ökumenischen Kreis akzeptieren, immer noch toleranter
verhalten, als die Mormonen. Letztere akzeptieren außer ihrer Taufe
nämlich gar keine. Noch im 20. Jahrhundert lehrte die mormonische Theologie,
dass die katholische Kirche die "große greulreiche Kirche"
aus dem Buch Mormone sei. In den Tempelzeremonien erschien ein katholischer
Priester als Marionette des Satans. Aufgrund von äußerem Druck
hat sich die Gemeinschaft heute von ihrer extremen Einstellung gegenüber
der katholischen Kirche distanziert. Trotzdem gelten alle anderen Kirchen
- gemäß der Ersten Vision von Joseph Smith - als ein "Greuel
in den Augen Gottes" und als "verderbt". Mormonen geben sich
nach Außen hin gerne tolerant. Ihre theologischen Grundgedanken sind
es jedoch nicht.
Wie so manche US Geistliche die Mormonen sehen. Laut Meldung der Deseret
News (vom 04.08.2001) wurden Geistliche von verschiedenen christlichen
Glaubensgemeinschaften in Utah und Kalifornien darüber befragt (von
einem Mormonen), wie diese Mormonen beurteilen. Zuerst stelle man fest,
daß es keine signifikanten Unterschiede in der Beurteilung bei den
Geistlichen aus Utah oder Kalifornien feststellen konnte. 500 Geistliche
wurden befragt..
Ergebnis:
6% waren der Meinung Mormonen wären "Christen."
78% sie wären keine "Christen."
15% "manche Mitglieder wären Christen und manche nicht."
Danach gefragt, welche Aussage Mormonen am besten beschreibt, antworteten:
63% Mormonen wären "wohlmeinend, jedoch fehlgeleitet."
32% als "Nichtchristliche Kultisten."
12% als "eine Hauptbedrohung für alle christliche Konfessionen
2% als "gute Christen."
Ergänzend dazu gaben die Geistlichen an:
63% hatten bisher Veranstaltungen in der eigenen Gemeinde unterstützt,
die den Mormonismus zum Diskussionsgegenstand hatten.
93% hatten diese Veranstaltungen als "positiv, produktiv und/oder
spirituell aufbauend empfinden."
43% gaben an, weitere solche Veranstaltungen abzuhalten.
Zum Buch Mormon gaben an:
84% gaben an das Buch Mormon "ganz oder Teile davon gelesen zu
haben
Von diesen betrachteten:
26% das Buch Mormon als "interessantes Buch."
51% als "Zeitverschwendung."
23% als "böse" (engl. "evil").
Quelle unter:
http://deseretnews.com/dn/view/0,1249,295015177,00.html
Umfrageergebnis (Aus einer Internetumfrage unter Ex-Mormonen):
Welcher Religion fühlen sie sich gegenwärtig verbunden?
Andere LDS-Sekten, RLDS (Reorganisierte), TLC etc.: 20 Stimmen = 3%
Fundamentalistisches, Protestantisches Christentum: 65 = 11%
Liberales, Protestantisches Christentum: 45 = 7%
Katholizismus: 32 = 5%
Atheismus, Agnostizismus/Keine Religionszugehörigkeit: 197 = 32%
Islam: 13 = 2%
Östliche Religionen, New Age: 20 = 3%
Unitarischer Universalismus: 21 = 3%
Noch immer Theist, jedoch nicht an organisierter Religion interessiert: 108
= 18%
Andere: 91 = 16%
Abgegebene Stimmen (Total 100%): 612
Quelle unter:
http://www.lds-mormon.com/formermormonpoll.shtml
Einige Gedanken zu seinen Aussagen in der Herbst-Generalkonferenz 2001. Ballard
sagte u.A.:
"Ich denke es währe gut, wenn wir ein paar Ausdrücke
aus unserem Vokabular entfernen würden: 'Nichtmitglied' und 'Nicht-Mormone'.
Solche Ausdrücke können demütigend oder sogar überheblich
sein. Ich persönlich bezeichne mich nicht als einen "Nicht-Katholiken"
oder einen 'Nicht-Juden'. Ich bin ein Christ. Ich bin ein Mitglied der Kirche
Jesu Christi Der Heiligen Der Letzten Tage. So möchte ich identifiziert
werden - für was und wer ich bin, und nicht für das, was ich nicht
bin. Lasst uns die selbe Geste denen entgegenbringen, die unter uns leben.
Wenn man eine allgemeine Beschreibung braucht, dann trifft 'Nachbarn' in
den meisten Fällen zu.
Was hier ausgedrückt wird ist unrealistisches Wunschdenken. In diesem Punkt
- wie auch in anderen Punkten - stehen die Mormonen mit sich selbst im Widerspruch
und sie werden diesen nicht auflösen können.
Ballard missachtet, wie andere Mormonen auch, dass die außenstehende
Welt die Mormonen nicht als herkömmliche "Christen" anerkennen
kann, weil die Religion nunmal von jeglichem ökumenischen Verständnis
abweicht, synkretistisch ist und kultbehaftet. Aus diesen und anderen Gründen
können die Mormonen nicht als gewöhnliche Glaubensgemeinschaft gewertet
werden, sondern als sektenhafte Gruppierung.
So lange Mormonen die "Wir-sind-besser-als-andere-Einstellung"
pflegen, wird es immer zu einer selbsterzeugten Ausgrenzung von der Gesellschaft
kommen. Da hilft auch kein Wunschdenken.
Denn es heißt immer noch:
- Wir sind die einzig wahre Religion
- Wir haben die ganze Wahrheit, der Rest nur Teilwahrheit
- Nur wir haben einen lebenden Propheten
- Wir sind die "Heiligen"
- Wir sind reiner, keuscher, besser, ehrlicher
- Nur wir haben das wahre Evangelium
usw, usw, usw... die Liste ist lang.
Menschen mit einer solchen Einstellung werden immer eine Gesellschaft innerhalb
einer Gesellschaft sein, ein Staat im Staat. Die einen gründen ein Kloster
aus Mauern, die Mormonen sind die Mauern selbst.
Ballards Naivität in diesem Punkt ist nicht neu aber sehr bezeichnent
für die Weltfremdheit und den Mangel an korrekter Selbsteinschätzung
der Mormonen.
Er und andere Mormonenführer würden gut daran tun, einen Kurs zum
Thema Soziologie oder Psychology zu besuchen. Aber bitte nicht an der BYU.
Dies könnte den eigenen Horizont ein wenig erweitern. Aber ich gebe es
zu - auch dies ist nur Wunschdenken.