Die Kinderhook-Platten

Der Begriff „Kinderhook-Platten" ist den meisten Mitgliedern nicht geläufig, obwohl diese Platten im Tagebuch von Joseph Smith erwähnt werden und bis ins 20. Jahrhundert für Aufregung gesorgt haben. Was hat es nun mit diesen Platten auf sich?

Herkunft und Geschichte
Der Hintergrund lässt sich wohl am Besten aus folgendem Artikel der Times and Seasons 1, vom 1. Mai 1843 entnehmen:

„Ein Herr J. Roberts aus dem Kreis Pike machte uns letzten Montag mit der schriftlichen Beschreibung einer Entdeckung bekannt, die kürzlich in der Nähe von Kinderhook in diesem Kreis gemacht wurde ...

Es scheint, dass ein junger Mann namens Wiley, ein Einwohner von Kinderhook, drei Nächte nacheinander träumte, dass in einem bestimmten Hügel in dieser Gegend Schätze verborgen waren – Beeindruckt von der merkwürdigen Erscheinung, drei Nächte hintereinander den gleichen Traum zu träumen, beschloss er, sein Gewissen zu beruhigen, und in dem Hügel zu graben ... Weil es sehr anstrengend war, bat er andere ihm zu helfen. Letztlich begleitete ihn eine Gruppe von zehn oder elf zum Hügel, die ihm halfen, den Schacht auszugraben, den Wiley begonnen hatte.

Nachdem sie etwa 11 Fuß tief gegraben hatten, stießen sie auf eine Kalksteinschicht, die offensichtlich der Wirkung eines Feuers ausgesetzt war, sie entfernten den Stein, der klein und leicht zu handhaben war, in der Tiefe von weiteren zwei Fuß fanden sie SECHS MESSINGPLATTEN, gesichert und gebunden durch zwei Eisendrähte, die aber so verwittert waren, dass sie bei der ersten Berührung zu Staub zerfielen. Die Platten waren vollständig mit Rost bedeckt, der fast die Zeichen verdeckte, die darauf verzeichnet waren; aber nachdem sie einen chemischen Prozess durchliefen, waren die Inschriften klar und deutlich zu erkennen ...

Von wem die Platten abgelegt wurden muss für immer ein Geheimnis bleiben, außer ein Gelehrter im Entziffern von Hieroglyphen wird gefunden, der das Geheimnis lüftet. Manche erheben den Anspruch, dass Smith, der Mormonenführer, in der Lage ist, sie zu lesen. Falls er es kann, wird er der Öffentlichkeit einen großen Dienst erweisen, indem er das Geheimnis lüftet, das sie umgibt. Wir haben erfahren, dass ein Mormone anwesend war, als die Platten gefunden wurden, von dem gesagt wird, dass er vor Freude in die Luft sprang wegen der Entdeckung und bemerkte, dass es die Authentizität des Buches Mormon beweisen würde – was es zweifellos wird ...

Die oben erwähnten Platten wurden letzte Woche in dieser Stadt ausgestellt und sind jetzt, wie wir hören, in Nauvoo, um vom Mormonenprophet untersucht zu werden. Das öffentliche Interesse ist geweckt und wenn Smith die Hieroglyphen auf den Platten entziffern kann, wird er mehr Licht auf die Frühgeschichte dieses Kontinents werfen, als irgendein lebender Mensch." 2

Laut History of the Church akzeptierte Joseph Smith diese Platten als authentisch und behauptete sogar, einen Teil davon zu übersetzen. Aus den Aufzeichnungen seines Privatsekretärs, William Clayton, können wir folgendes entnehmen:

„Ich habe 6 Messingplatten gesehen...die 30 - 40 altertümliche Zeichen auf jeder Seite enthielten. Präsident J. übersetzte einen Teil davon und sagt, dass diese die Geschichte der Person enthalten, bei der sie gefunden wurden ....."3

Folgendes wurde von Joseph Smith selbst hinterlegt:

„Montag, 1. Mai – ...Ich füge Zeichnungen von den sechs Messingplatten ein, die nahe Kinderhook im Kreis Pike am 23. April von Herrn Robert Wiley und anderen gefunden wurden, während sie in einem großen Hügel gruben. Sie fanden ein Skelett etwa sechs Fuß von der Erdoberfläche, das neun Fuß groß gewesen sein muss. Die Platten wurden auf der Brust des Skeletts gefunden und waren auf beiden Seiten mit altertümlichen Zeichen bedeckt.

Ich habe einen Teil davon übersetzt und herausgefunden, dass sie die Geschichte der Person enthalten, mit der sie gefunden wurden. Er war ein Nachkomme Hams, durch die Lenden Pharaos, König von Ägypten, und dass er sein Königreich vom Herrscher über Himmel und Erde erhielt." 4

Die Entdeckung dieser Platten hat innerhalb der Kirche viel Aufsehen erregt. Hatte man doch nun einen Beweis dafür gefunden, dass es tatsächlich Platten gab, wie der Prophet es gesagt hatte. Außerdem würde dadurch die Authentizität des Buches Mormon unterstrichen werden.

Unglücklicherweise, aus Sicht der Mormonen, wurde später entdeckt, dass die Platten Fälschungen waren, hergestellt mit der Absicht, Joseph Smith zu überführen. W. Fugate, einer derjenigen, der an dem Betrug beteiligt war, schrieb folgendes in einem Brief an James T. Cobb:

„Mound Station, Ill. 30. Juni 1879 Herr Cobb:

Ich erhielt ihren Brief in Bezug auf jene Platten, und ich sage als Antwort, daß sie HUMBUG waren, erdacht von Robert Wiley, Bridge Whitton und mir. Whitton ist tot. Ich weiß nicht, ob Wiley noch lebt oder nicht. Keiner der neun Personen, die das Zertifikat unterzeichneten, kannten das Geheimnis, außer Wiley und ich. Wir lasen in Pratts Prophezeiung, dass 'noch Wahrheit aus der Erde hervorspringen wird'. Wir beschlossen, die Prophezeiung durch einen Scherz zu erfüllen. Wir machten bald unsere Pläne und führten sie aus, Bridge Whitton schnitt sie aus einigen Kupferstücken; Wiley und ich machten die Hieroglyphen, indem wir Eindrücke in Bienenwachs machten, sie mit Säure füllten und dies auf die Platten legten. Als sie fertig waren, legten wir sie zusammen mit Rost aus Salpetersäure, altem Eisen und Blei, und banden sie mit einem Stück Raiffeisen zusammen und bedeckten sie vollständig mit Rost. Unsere Pläne funktionierten bewundernswert. Ein bestimmter Sonntag wurde zum Graben ausgewählt. Die Nacht zuvor ging Wiley zu dem Hügel, wo er vorher bis zu einer Tiefe von etwa acht Fuß gegraben hatte, wo es einen flachen Stein gab, der hohl darunter klang, und legte sie darunter. Am nächsten Morgen waren eine ganze Anzahl Einwohner da, um bei der Suche zu helfen, es waren zwei Mormonenälteste (Marsh und Sharp) anwesend. Der Stein war bald entfernt, aber es verging einige Zeit, bis die Platten entdeckt wurden. Ich nahm sie schließlich auf und rief 'Ein Stück Altmetall!' Fayette Grubb riss sie mir aus der Hand und schlug sie gegen einen Stein und sie zerfielen in Einzelteile. Dr. Harms untersuchte sie und sagte, sie enthielten Hieroglyphen. Er nahm Säure und entfernte den Rost und sie bald waren ausgestellt. Unter diesem Stein, ein kuppelförmiges Aussehen etwa drei Fuß im Durchmesser, gab es einige Knochen im letzten Stadium der Verwesung, auch einige Tonscherben und Holzkohle. Es wurde kein Skelett gefunden. Sharp, der Mormonenälteste, sprang und schrie vor Freude und sagte, Satan war ihm erschienen und forderte ihn auf, nicht zu gehen, es sei ein Scherz von Fugate und Wiley, aber zu späterer Stunde erschien ihm der Herr und sagte ihm, der solle gehen, der Schatz sei dort. Die Mormonen wollten die Platten zu Joe Smith bringen, aber wir ließen sie nicht gehen. Einige Zeit später borgte sich ein Mann, mit angeblichem Namen Savage aus Quincy, die Platten von Wiley, um sie seinen belesenen Freunden dort zu zeigen, und brachte sie zu Joe Smith. Genau die gleichen Platten bekam Wiley zurück, der sie Professor McDowell aus St.Louis für sein Museum gab.
W. Fugate
STATE OF ILLINOIS
BROWN COUNTY. SS
W. Fugate, der ordnungsgemäß vereidigt wurde, sagt unter Eid aus, dass der obige Brief, der einen Bericht der nahe Kinderhook gefundenen Platten enthält, wahr und richtig ist, zu seiner besten Erinnerung. W. Fugate Vor mir unterschrieben und beeidigt am 30ten Tag des Juni 1879. Jay Brown, J. P."5



Abbildung der Kinderhook-Platten

Dies sind Zeichnungen eines Teils der Platten, die in History of the Church abgebildet sind:6


Eine Originalaufnahme der im Chicago Historical Society Museum gefundenen Kinderkook-Platte Nr.5



Die Platten auf dem Prüfstand
Zur Zeit des Bürgerkrieges gingen die Kinderhook-Platten verloren. M. Wilford Poulson, ein früherer Lehrer an der BYU und ein Student der zeitigen Mormonengeschichte, fand eine der originalen Kinderhook-Platten im Chicago Historical Society Museum, die aber als eine der originalen Goldplatten des Buches Mormon, also falsch bezeichnet war. Die Platte, die Herr Poulson fand, wurde als Nummer 5 der Abbildungen identifiziert7 , die sich in History of the Church finden. Außer einem Säurefleck auf einer Seite, war sie in hervorragendem Zustand. Herr Poulson leistete einen großen Teil der Forschungsarbeit bezüglich der Kinderhook-Platten und war davon überzeugt, dass sie in den 1840-ern gemacht wurden, wie W. Fugate behauptete. 8

Innerhalb der Kirche versuchte man dem entgegenzuwirken. Welpe W. Ricks, ehemaliger Präsident der Archäologie Society der BYU, hatte eine andere Meinung bezüglich dieser Platten. Im September 1962 verkündete er:

„Die kürzliche Wiederentdeckung einer der Kinderhook-Platten, die von Joseph Smith jun. begutachtet wurden, bestätigt seine prophetische Berufung und offenbart die falschen Aussagen, die von einem der Finder gemacht wurden ... Diese Platten befinden sich jetzt wieder in ihrer ursprünglichen Kategorie der Echtheit. Was Gelehrte von dieser altertümlichen Aufzeichnung in künftigen Jahren lernen mögen oder was durch göttliche Macht übersetzt werden mag, ist ein erhebender Gedanke für Betrachtung. So viel steht fest: Joseph Smith jun. ist als wahrer Prophet und Übersetzer von alten Aufzeichnungen durch göttliche Mittel bestätigt und alle Welt ist eingeladen, die Wahrheit zu untersuchen, die der Erde nicht nur mit dem Kinderhook-Platten entsprang, sondern genauso mit dem Buch Mormon." 9

Ricks bezog sich bei seiner Aussage auf das Urteil zweier Berufsgraveure, die eidesstattlich aussagten, dass die Platten graviert und nicht mit Säure geätzt wurden. Im Sommer 1965 wurde George M. Lawrence, einem mormonischen Physiker, die Erlaubnis erteilt, die überdauernde Platte zu untersuchen und einige zerstörungsfreie physikalische Studien daran vorzunehmen. Hier ein Auszug aus seiner Studie. In der Zusammenfassung erklärt er:

„Die Platte ist nicht aus reinem Kupfer. Es könnte Messing mit wenig Zink oder eine Bronze sein. Die Abmessungen, Toleranzen, Zusammensetzung und Bearbeitung sind übereinstimmend mit den Möglichkeiten einer Schmiede von 1843 und mit der Fälschungsgeschichte der ursprünglichen Teilnehmer. Die Charakteristika der Schriftfurchen sind mit großer Genauigkeit unter Nutzung der einfachen Säure-Wachs-Technik wiederholbar, im Gegensatz zum Urteil der Graveure."10

Herr Lawrence machte sogar seine eigenen Ätzungen unter Nutzung von Bienenwachs und Salpetersäure:

„Um diese Ätzungen zu machen, schmolz ich eine dünne Schicht Bienenwachs (Paraffin ist zu spröde) auf ein Stück Messing auf, ritzte mit der Spitze eines Schreibers 'Inschriften' in den Wachs und ätzte dann das freigelegte Metall mit einigen Tropfen konzentrierter Salpetersäure. Die Salpetersäure tendiert, in Tropfen zu verbleiben, weil das Wachs davon nicht benetzt wird. Die Säuremenge in einem Tropfen reicht aus, um etwa die richtige Tiefe der Furchen unter dem Tropfen zu erzeugen. Die Furchen sind recht unterschiedlich in Tiefe und Breite entsprechend der Abweichungen in Wachshöhe, Schreiberstellung und der erlaubten Ätzzeit. Aber nach ein paar Versuchen, die Tiefe zu kontrollieren, war ich in der Lage, einheitlichere Inschriften als die tatsächlichen herzustellen."11

Auch wenn Herr Lawrence herausfand, dass „nur die regelmäßigeren meiner Furchen so weich wie die der Kinderhook-Platte" sind, bemerkte er einige interessante Ähnlichkeiten zwischen seinen Ätzungen und denen auf der Kinderhook-Platte:

„Einige dieser Charakteristika eines Säure-Bienenwachs-Prozesses sind: Gerundetete Furchenenden und -böden. Weiches Kupfer ergibt Furchenkanten geringeren Winkels als härtere Metalle wie Gelbmessing oder Stahl. Das Fehlen von Rillen entlang der Längsachse der Furche. Manchmal gibt es ein zusätzliches Gebiet der Säurewirkung, wenn zwei Linien spitzwinklig ineinander laufen – hervorgerufen durch das Hineinarbeiten der Säure unter den schmalen Wachskeil zwischen den beiden Linien. Die meisten Furchen kreuzen sich mit genau der gleichen Tiefe ohne Anzeichen, welche Furche zuletzt gemacht wurde. Die Flachheit des Metalls ist in der Nachbarschaft der Furchen nicht gestört. Bläschen, die beim Ätzvorgang gebildet wurden, formen Unregelmäßigkeiten oder Klumpen entlang der Längsachse der Furche. Die Größe dieser Unregelmäßigkeiten kann ein wenig durch 'Umrühren' oder Verdünnen kontrolliert werden. Die obigen Charakteristika dieser Form des Ätzens wurden auf der tatsächlichen Kinderhook-Platte vorgefunden.

Die Platte hat einen 'Rand', lange Furchen entlang den Seiten- und Bodenkanten, die mit einem scharfen Messer mit einigem Druck gemacht worden sein könnten. An diesen Furchen ist das Metall verformt und Spuren können auf der gegenüberliegenden Seite gesehen werden. Das trifft nicht auf die Inschriften zu, obwohl viele davon tiefer sind als die Messermarkierungen. Meine Versuche, die Inschriften durch Einritzen herzustellen, waren nicht erfolgreich." 12

Einige Mormonengelehrte akzeptierten die Forschungen von George Lawrence jedoch nicht. 1980 wurde Stanley P. Kimball die Erlaubnis der Kirche erteilt, einige sehr komplizierte analytische Tests an der Platte zu vollziehen. Professor Kimball beschrieb die Ergebnisse des Tests in der Kirchenzeitschrift Ensign 1981:

„Eine kürzlich durchgeführte chemische und elektronische Analyse der Platten ... die 1843 dem Propheten Joseph Smith vorgelegt wurden...scheint eine bislang unbeantwortetet Frage in der Geschichte der Kirche zu lösen und beweist, dass die Platten das sind, was die Hersteller später behaupteten zu sein - ein Versuch des 19. Jahrhunderts, Joseph Smith in eine Übersetzung der altertümlich aussehenden Platten zu locken..." „Als Resultat dieser Tests können wir sagen, dass die Platten keinen antiken Ursprung haben...die Platten wurden mit Säure geätzt..." 13

Damit war die Frage geklärt und unterstrichen, was Kritiker der Kirche schon immer behauptet hatten. Warum hielt man so lange an der Echtheit der Platten fest?


Erklärungsversuche
Von Seiten der Kirche wurde bis in dieses Jahrhundert hinein versucht, Gegenargumente zu finden. Mormonenhistoriker B.H. Roberts, als auch Welby W. Ricks stellen die eidesstattliche Erklärung von Herrn Fugate in Frage, weil diese erst 36 Jahre nach dem angeblichen Fund der Platten herauskam. Fugate hätte doch viel früher die Chance gehabt, den Propheten noch zu Lebzeiten zu überführen. Außerdem wird entgegengehalten, dass er der einzige ist, der von den erwähnten Beteiligten diesen Scherz zugab. 14

Diese Gegenargumente lassen sich jedoch nicht halten. Es gibt Beweise dafür, dass lange vor Fugates Erklärung die Wahrheit über die Kinderhook-Platten enthüllt wurde. Dr. Wyle gibt diese Erklärung:

„Jetzt höre nur, was mir von einem Mormonenältesten erzählt wurde, einem Augen- und Ohrenzeugen: 'Eine 'Ältestenklasse', elf oder zwölf, von denen ich einer war, versammelte sich 1858 im Endowment-Haus. Apostel Orson Pratt erzählte uns, dass er ein Werk gelesen habe, in dem ein Bericht der Kinderhook-Platten gegeben wurde. Eine archäologische Gesellschaft hatte von den Platten gehört und wollten einen verlässlichen Bericht über sie. Sie sandten zwei Männer hinunter nach Kinderhook, Illinois, um die Sache zu untersuchen. Diese Männer waren dort zwei oder drei Wochen ohne Resultat gewesen. Letztlich wurden ihnen die Namen der betreffenden Parteien bekannt, und dass die Platten von einem Schmied gemacht wurden; sie erfuhren es von dem Künstler selbst. Pratt sagte der 'Klasse', dass er genauso davon überzeugt sei, dass die Platten ein Betrug wären.'" 15

Auch W.P. Harris, der einer der neun Zeugen der Kinderhook-Platten gewesen ist, machte eine separate Erklärung am 25. April 1855, in der er auf den Betrug hinwies und berichtet, wie die Platten hergestellt wurden. 16 Nachdem die Wahrheit über die Platten 1981 ans Licht kam, wurde völlig neu argumentiert. Es wurde versucht, das Interesse Joseph Smiths an den Platten herunterzuspielen und die Aussagen in der History of the Church allein auf William Clayton, den Privatsekretär von Joseph Smith zu schieben. So soll es außer von Clayton keine weiteren Hinweise dafür geben, dass Smith einen Teil der Platten tatsächlich übersetzt hat. 17 Auch diese Aussage lässt sich nicht halten, da der Bericht der Übersetzung von den Führern der Kirche 1854, also 11 Jahre später, in das „Manuscript History of the Church", Book D-1, übernommen wurde. Die Führer hätten dies nicht getan, wenn Sie nicht überzeugt davon gewesen wären, dass der Sachverhalt richtig ist. Außerdem erwähnt Orson Pratt, am 7. Mai 1843, die 6 Messingplatten und den Hinweis auf Ägyptische Sprache und die Genealogie einer Person von den Jarediten bis zu Ham, in einem Brief.18
Es scheint typisch für die Argumentation der Apologeten zu sein, dass hier versucht wird, die Problematik von Joseph Smith abzuwenden und die Schreiber dafür verantwortlich zu machen. Joseph Smith hat selbst sehr wenig aufgeschrieben. Das meiste wurde von seinen Sekretären verfasst. Will man so argumentieren, so muss man die ganze Lehre der Mormonen in Frage stellen, denn es kann nicht nachvollzogen werden, was Smith nun tatsächlich gesagt hat und was vielleicht von seinen Schreibern erfunden oder interpretiert wurde. Sich allerdings nur zu den Dingen zu bekennen, die ins Konzept passen, stellt wiederum heraus, wie veränderlich und biegsam der Mormonismus ist und welch unprofessionelle Methodik in der mormonischen Apologetik angewendet wird.

Schlussfolgerung
Sowohl die Berichte der Zeitzeugen, als auch die wissenschaftliche Untersuchung der Platten zeigen eindeutig auf, dass es sich hier in keinster Weise um echte archäologische Funde gehandelt hat. Die Kirche hat sich heute außerdem offensichtlich von den Platten distanziert, denn sie finden keinerlei Erwähnung mehr und werden nirgends mehr als Beweis für die Übersetzungsgabe von Joseph Smith angeführt, was ja nach den Untersuchungen von 1980 auch sinnlos gewesen wäre. Dennoch ist es interessant, wie lange man an diesen Platten festgehalten hat. Auch interessant ist der „Wandel" der Argumentationen, vor und nach der Erklärung von Professor Kimball.

Wie kam es dann dazu, dass Joseph Smith die Aussage machte, dass er einen Teil der Platten übersetzte und entdeckte, dass es sich um eine Person handele, welche ein Nachkomme Hams sei, durch die Lenden Pharaos?

Wäre Joseph Smith ein echter Prophet gewesen, so hätte er beim Anblick der Platten sofort den Betrug aufdecken müssen. Ich denke, dass er den Aufruhr um die Platten nutzte, um die Echtheit des Buches Mormon und seine Fähigkeit als Seher zu bestätigen. Dass er damit Erfolg hatte, sieht man an der Notwendigkeit der obigen Anführungen. Joseph Smith wurde ein Jahr nach dem Hervorkommen der Platten ermordet und so gab es nie eine vollständige Übersetzung. Es ist anzunehmen, dass die Hersteller der Platten, darunter Herr Fugate, warteten, bis eine Übersetzung hervorkam, um den Propheten dann zu überführen.

Letztendlich zeigt das Beispiel der Kinderhook-Platten, wie leicht es ist, Menschen etwas glauben zu machen und wie schwer es ist, sie dann wieder von der Wirklichkeit zu überzeugen. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Mormonen..


Fußnoten

1 Times and Seasons war eine Zeitung, die von der Kirche herausgegeben wurde und von der John Taylor der Herausgeber war.

2 Times and Seasons, 1843, Band 4, S.186f.

3 William Clayton's Journal, 1. Mai 1834

4 History of the Church, Band 5, S.372

5 Welby W. Ricks: The Kinderhook Plates, wiedergegeben in Improvement Era, September 1962

6 History of the Church, Band 5, S.376ff

7 History of the Church, Band 5, S. 375

8 In einem Bericht an Jerald und Sandra Tanner. Die Tanners sind Autoren mehrerer Artikel und Bücher über die Hintergründe de Mormonismus. Bsp. Shadow or Reality

9 Welby W. Ricks: The Kinderhook Plates, wiedergegeben in Improvement Era, September 1962

10 George M. Lawrence: Report of a Physical Study of the Kinderhook Plate Number 5

11 George M. Lawrence: Report of a Physical Study of the Kinderhook Plate Number 5

12 George M. Lawrence: Report of a Physical Study of the Kinderhook Plate Number 5 Bereitgestellt von Jerald und Sandra Tanner ( siehe 16 )

13 The Ensign, August 1981, S.66-79

14 History of the Church, Band 5, S.379, Fussnote, ( siehe auch 17 )

15 Dr. W. Wyle: Mormon Portaits, 1886, S.211

16 Journal of the Illinois State Historical Society, 1912, Band 5, Nummer 2, S.271ff., zitiert in James D. Bales: The Book of Mormon?, S.95f.)

17 Professor William J. Hamblin, Review of Books on the Book of Mormon, Vol. 5,

S.269-270

18 The Ensign, August 1981, S. 73