FAQs
Sind die Mormonen eine Sekte?
Wie steht es mit Reformen?
Haben Mormonen rassistische Glaubensinhalte?
Was geschieht mit Mitgliedern, die die Regeln nicht einhalten?
Wie sieht es mit dem Realwachstum der Gemeinschaft aus?
Welchen Glauben nehmen Exmormonen nach ihrer HLT-Mitgliedschaft an?


Sind die Mormonen eine Sekte?

Diese Frage wird sehr häufig gestellt. Mormonen würden generell mit Nein antworten und Kritiker der Gemeinschaft in der Regel mit Ja. Ich werde diese Frage nicht gleich mit Ja oder Nein beantworten. Religionswissenschaftler, Soziologen und Juristen haben in der Vergangenheit vermehrt darauf verzichtet, den Begriff "Sekte" für eine bestimmte Glaubensgemeinschaft anzuwenden, während Psychologen und vor allem Aussteiger diesen durchaus weiter verwenden. Prinzipiell muss man zunächst hinterfragen, was im Allgemeinen unter einer Sekte verstanden wird und was eine Sekte laut Definition ist.

Definition:
1. Bedeutung: "Befolgte (Lehre)" - lat. secta, von sequi ‚folgen‘, in der Bedeutung beeinflusst von secare ‚schneiden, abtrennen‘.
2. Kleinere von einer christlichen oder einer anderen Hochreligion abgespaltene religiöse Gemeinschaft.
3. Philosophisch oder politisch einseitig ausgerichtete Gruppe.

4. Was kann unter psychologischen Gesichtspunkten dazu gesagt werden?
5. Wie sind die Mormonen gemäß der von den Kultusministerien herausgegebenen Sektencheckliste zu beurteilen?
6. Wie steht es mit dem Sektenverständnis im Volksmund?

Der Volksmund versteht unter einer Sekte eine in sich geschlossene, religiöse Gruppierung, die ihre Mitglieder in der Regel indoktriniert und in ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis bringt. Meist unter erhöhtem zeitlichen und finanziellen Aufwand. Oft stehen solchen Gruppen Gurus, Führer oder Propheten vor. Die Mitglieder verlassen meist ihr bisheriges Umfeld und widmen sich fast ausschliesslich der Gemeinschaft. Sie sehen sich selbst als auserwählt an.

Die Mormonen stützen ihre Behauptung auf Punkt 2 der Definition. Sie sehen sich nicht als Abspaltung, sondern als komplette Neugründung, da Joseph Smith von Gott angeblich beauftragt wurde, die "einzig wahre Kirche auf Erden" wiederherzustellen. Man spricht in den Kreisen der Mormonen daher von der "Wiederherstellung". Manche Mormonen sehen die Gemeinschaft auch als angehende, neue Weltreligion. Dies stellt allerdings die Frage in den Raum, ob eine angehende Weltreligion Teil einer der bestehenden Weltreligion sein kann. Mormonen sehen sich nämlich als Christen und damit als Teil einer der unter Punkt 2 bestehenden Hochreligionen. Kritiker und andere christliche Kirchen und Gemeinschaften, zählen die Mormonen, aufgrund ihrer teilweise vom allgemeinen biblischen Christentum sehr abweichenden Lehren, nicht zu den Christen. Prinzipiell handelt es sich bei den Mormonen um eine synkretistische Neureligion, die der christlichen Ökumene fremd ist, da ihr Absolutheitsanspruch keine anderen Religionen als autorisiert gelten lässt. Mormonen glauben, dass das Heil Gottes nur durch die eigene Lehre zugänglich gemacht werden kann.

Ist das Argument der Wiederherstellung gültig? Nun, dies ist natürlich zunächst reine Glaubenssache. Glaubt man Joseph Smith, so sind die Mormonen eine Kirche, die direkt von Gott ins Leben gerufen wurde. Ich habe auf dieser Homepage allerdings sehr viele Fakten aufgeführt, die genau das Gegenteil aufzeigen. Die Mormonen mögen keine direkte Abspaltung einer damals oder heute noch bestehenden christlichen Gemeinschaft gewesen sein aber die "einzig wahre Kirche" sind sie mit Sicherheit auch nicht. Sie sind aber dann in gewissem Sinne eine Abspaltung der christlichen Hochreligion, wenn sie sich selbst als Christen bezeichnen und dies entspricht dem Selbstverständnis der Mormonen, auch wenn das mit dem Begriff der Neureligion etwas im Widerspruch steht. In diesem Sinne müsste man die Gemeinschaft nämlich dann auch zu den vielen Splittergruppen zählen - mit der Besonderheit, sowohl christliche und alttestamentarische Glaubensinhalte, als auch viele eigene Lehren von Joseph Smith zu beinhalten (synkretistisch, Sonderlehren). Der Punkt ist deshalb etwas undurchsichtig, weil die Betrachtungsweise des Ursprungs, je nach Blickwinkel, anders ausfällt. Christen, Ja oder Nein? Was sind eigentlich Christen? Teil einer Hochreligion, Ja oder Nein? Abspaltung oder Neureligion? Die Mormonen tragen allerdings durch ihren Antwortspagat auf all diese Fragen nicht sonderlich zur Klärung bei.

Punkt 3 der Definition trifft zu. Die Mormonen sind definitiv eine philosophisch einseitig ausgerichtete Gruppierung, mit strengem theokratischem System und Reglements.

Auch die Sektendefinition des Volksmundes hat zumindest teilweise ihre Berechtigung. Die Mormonen sind allerdings in keinster Weise mit den Scientologen oder ähnlich markanter Psycho-Gruppen zu vergleichen. Allerdings hat die Lehre indoktrinierenden und - was den Tempel betrifft - auch okkulten Charakter. Mitglieder erhalten ein völlig neues Weltbild, verlassen meist ihr altes Umfeld, investieren sehr viel Zeit und Geld und folgen i.d.R. kritik- und bedingungslos ihren Führern. Es kommt zu einem Persönlichkeitsverlust. Eine Loslösung vom Glauben kann je nach Tiefe der Integration eine nicht einfacher psychologischer Prozess sein, der sich über mehrere Monate oder gar Jahre hinziehen kann. Mit Repressalien hat allerdings niemand zu rechnen. Die Mormonen sind ein friedliches Volk und versuchen in der Gesellschaft einen positiven Eindruck zu hinterlassen, was allerdings in deren Anfängen nicht immer so war.

Eine interessante Ausführung von Dipl.-Psych. Dieter Rohmann zeigt weiterhin aus psychologischer Sicht auf, dass die Mormonen sehr viel Ähnlichkeit mit seiner Definition von Sekten oder Kulten haben. (Siehe auch: www.kulte.de)
Weiter ist die psycho-soziale Betrachtung der Mormonen sicher sehr aufschlussreich und trägt zur Urteilsfindung erheblich bei. Ich bin an dieser Stelle auch der Meinung, dass ein Außenstehender, darunter auch Sektenbeauftragte, nur schwer zu einem richtigen Urteil finden können. Dies wird durch die teilweise sehr verharmlosenden Aussagen einiger "Experten" aufgezeigt. Vielmehr sollte man auf das Wissen und die erlebte Erfahrung von ehemaligen Mitgliedern zurückgreifen, die das Innenleben der Gemeinschaft kennen.
Ich bin auch der Meinung, dass es nicht damit getan ist, eine rein theoretische Definition der Begrifflichkeit "Sekte" aufzustellen, so wie es die Wissenschaft handhabt. Ich verstehe deren Bestreben nach differenzierter Sachlichkeit, kann aber als Austeiger diesen Terminus mit einer praktischen Erfahrung verbinden und ihm damit eine erweiterte Bedeutung zuordnen, die ihre Berechtigung hat. Diese Erweiterung hilft vor allem Außenstehenden zu verstehen, welche potentiellen Gefahren eine Mitgliedschaft in solchen Gruppen mitsich bringen kann. Damit ist der Begriff "Sekte" für mich in der Tat auch ein negativ behaftetes Stigma, dass immer dort angewendet werden sollte, wo es notwendig ist.
Und es gibt allen Grund, dies so zu sehen. Jemand, der wie ich, in den Tempelriten der Mormonen vor 1990, seinen Daumen über die Kehle ziehen musste, als Andeutung der Strafe, die einen bei Freigabe der geheimen Zeichen und Kennzeichen ereilen könnte, ist geprägt.

Im Vergleich mit der Sektencheckliste entsprechen die Mormonen zu 94% den Kriterien!! Keine Frage konnte mit Nein beantwortet werden.

Fazit: Laut Definition, dem allgemeinen Verständnis über Sekten, der psychologischen Betrachtung und der Sektencheckliste sind die Mormonen meiner Meinung nach in vielen - wenn nicht in den meisten - Bereichen als Sekte, bzw. Kult, zu betrachten und es ist daher notwendig, dass über den Mormonismus in der Öffentlichkeit informiert wird. Man ordnet die Gemeinschaft prinzipiell den synkretistischen Neureligionen, bzw. chiliastischen Sekten (Duden), zu.

Synkretismus: <gr.-nlat.> der; -: 1. Vermischung verschiedener Religionen, Konfessionen od. philosophischer Lehren, meist ohne innere Einheit .
Chiliasmus
: [ç-, griechisch] der, die Lehre von einer tausendjährigen Herrschaft Christi auf Erden am Ende der geschichtlichen Zeit (Offenbarung des Johannes 20,110);


Weitere Informationen zum Thema Sekten finden Sie hier:
Weiterer schweizer Link zum Thema Sekten
Studie des Deutschen Bundestages über Sekten und Psychogruppen (Link leider nicht mehr verfügbar)
Elektronisches Informationssystem über Sekten
KULTE - Eine sehr gute Seite zum Thema Ausstieg aus Sekten und Kulten von Dipl.-Psych. Dieter Rohmann


Wie steht es mit Reformen?

Nun, bevor die Mormonen innere Reformen anstreben (Bsp. Akzeptanz von Homosexuellen, Frauen im Priestertum, usw.), werden erst andere Mauern fallen müssen. So lange man den Mitgliedern den Mythos von der einzig wahren Kirche mit Erfolg verkauft, wird es schwer sein, einzelne Reformpunkte, die tief im Dogma integriert sind, zu ändern. Auch wenn in der Vergangenheit bereits etliches verändert wurde (werden musste, wegen äußerem Druck). Allgemein tendieren die Mormonen in den letzten Jahren zu dem äußeren Erscheinungsbild einer gewöhnlichen, christlichen Kirche hin, was man an den öffentlichen Aussagen ihres Präsidenten Hinckley sehen kann. Dennoch wird die Gemeinschaft ihre problematischen Glaubensinhalte nicht los, auch wenn man das nach außen hin gerne so hätte. Würde die Gemeinschaft ihren alleinigen Wahrheitsanspruch aufgeben, wäre der Weg für interne Reformen frei. Ich sehe diesen Prozess noch in ferner Zukunft aber er muss kommen, denn auch an der BYU wird man wegen der doktrinären Widersprüche langsam unruhig und nicht wenige Gelehrte wenden sich von der Kirche ab.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in der intellektuellen Gruppe der Mitglieder ein Einbruch stattfinden wird. Spätestens wenn die an der BYU im Moment anlaufenden genetischen Studien zur Herkunft der Indianer zu keinem anderen Ergebnis gekommen sein werden, wie die anderer Institute, wird es zu neuen Fragestellungen kommen und vielleicht zu einer Neuidentifizierung der Mormonen. Oder zu einer Aufspaltung zwischen Fundamentalisten und Reformern. Ein spannendes Thema und ein heikles Unterfangen. Denn viele sind nur deshalb dabei, weil es den oben genannten Mythos gibt. Es gibt aber auch andere, die ohne den Wahrheitsanspruch dabei bleiben würden und solche, die ohnehin schon liberal sind und die Kirche als nicht einzig wahr ansehen.
Trotzdem haben wir noch das Problem der Realitätsentfremdung der meisten Mitglieder. Was tun, mit den vielen indoktrinierten Köpfen? Weiter impfen oder frei denken lassen? Ein Eldorado für die Psychologen von morgen.
Lassen wir die Zeit entscheiden. Sicher ist jedoch dies: Gruppierungen wie die Mormonen wird es immer geben, auch wenn alle Welt mit der Fahne der Realität vor den Häusern winkt. Der Mensch hat einen Hang zur Leichtgläubigkeit und sucht existentiellen Schutz in heilbringenden Lehren. Und dennoch, wir stehen am Anfang eines neuen Zeitalters, in dem der Mensch lernen sollte, die zentralen Wahrheiten aller Religionen von den begleitenden Mythen zu trennen. Erst nach dieser Freilegung wird es dem Menschen gelingen, einen noch ungeahnten Fortschritt zu erleben, weil er auf unabhängige Weise, die Fähigkeiten seiner selbst zu nutzen wissen wird. Fähigkeiten, die die Religionen erkannt haben aber die sie an Reglements und Gewissen binden. Die Freiheit versklavt sozusagen.
Leider werden wir schon alle tot sein, wenn diese möglichen Entwicklungen eintreten werden aber als Realdenker können wir uns als Wegbereiter in Szene setzen und wer weiß, vielleicht bekommt ja einer mal den Nobelpreis dafür. :-)
Ist Liberalismus daher ein Ausweg oder eher ein Umweg? Das mag jeder halten, wie er will. Für mich, als ehemaliges Mitglied, kommt der Liberalismus jedenfalls nicht in Frage, da ich keinerlei Konformität mehr verspüre und die eingeschränkte, perspektivische Sicht der Gemeinschaft, meinem eigenen, freien Weltbild nur widersprechen würde - Reformen hin oder her. Warum etwas hinbiegen, wenn man es neu anders und besser machen kann?


Haben Mormonen rassistische Glaubensinhalte?

Mormonen glauben, wie mach andere Glaubensgemeinschaften auch, immer noch an Adam und Eva als erste Menschen. Diese Lehre besteht seit der Gründungszeit und hat bis heute Bestand. Besonders im Tempel der Mormonen, wird diese Ansicht den Mitgliedern als wichtiger Glaubensbestandteil gelehrt. Da nach Ansicht der Mormonen Gott und die ersten Menschen weiß sind, bzw. waren, muss es also eine Erklärung dafür geben, warum es anders farbige Menschen gibt.
Mormonen haben daher auch die im 19. Jahrhundert bestehende Ansicht übernommen, dass Menschen dunkler Hautfarbe, einen göttlichen Fluch besitzen. Als Kain Abel erschlug, setzte - laut dem Alten Testament - Gott ein Zeichen auf Kain: Die dunkle Hautfarbe eben. Auch im Buch Mormon wurden die Lamaniten deswegen mit einer dunklen Hautfarbe bestraft, weil sie ungehorsam waren. Aus diesen Gründen lehrten die Führer der Gemeinschaft, dass es einen erheblichen Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen gibt und dass schwarze Mitglieder kein Priestertum tragen dürften. Dies wurde bis 1978 praktiziert und musste dann, aufgrund von äußerem Druck, abgeschafft werden. Nicht abgeschafft wurde die Lehre. Ich bin auf dieser Website eingehend auf das Thema eingegangen und habe auch einige sehr rassenfeindliche Zitate von Führern der Mormonen aufgeführt.
Nachtrag 2015: Mormonische Führer haben sich nun scheinbar doch (2013) endlich von der Lehre distanziert, wie man auf der Internetseite der Mormonen nachlesen kann. Leider kommt diese Einsicht viel zu spät und sie ist wie immer nur unter öffentlichem Druck enstanden. Für die Mitglieder selbst entsteht nun ein weiteres Dilemma. Wie konnte Gott in "seiner Kirche" 125 Jahre Rassismus billigen.


Was geschieht mit Mitgliedern, die die Regeln nicht einhalten?

Bei Übertretungen kann es zu unterschiedlichen Konsequenzen kommen. Bei leichteren Vergehen, muss das Mitglied mit dem Bischof sprechen und seine Umkehrwilligkeit bekunden. Solange das nicht getan ist, darf das Mitglied nicht vom Abendmahl nehmen. Bricht ein Mitglied permanent das Wort der Weisheit, so kann das auch dazu führen, dass es seine Berufung in der Kirche nicht mehr ausüben kann und keine priesterlichen Tätigkeiten mehr durch- geführt werden sollen. Bei schwereren vergehen, vor allem im moralischen Bereich (Sex vor der Ehe, Petting unter Jugendlichen, Ehebruch, Pornographie), werden harte Maßnahmen ergriffen. Dies kann zum Gemeinschaftsentzug oder gar zum Ausschluss führen.

Die Mitglieder unterliegen einer stetigen Würdigkeits- kontrolle, die in Form von Interviews mit dem Bischof durchgeführt werden. Diese werden besonders bei Mitgliedern mit Tempelscheinen durchgeführt. Das Mitglied muss dann einige, für Außenstehende, sehr private Fragen beantworten. Allerdings sind den Priestertumsträgern auch hier Grenzen gesetzt. Alles dürfen sie nicht fragen. Vorraussetzung für Aufgaben in der Kirche ist auch die Würdigkeit. Mitglieder, die den hohen Anforderungen der Gemeinschaft nicht nachkommen können, nehmen automatisch eine Außenseiterrolle ein (zwei Klassen), die letztendlich oft zur Inaktivität führt.

Das Schlimmste ist eigentlich der psychologische Druck, der durch diese Regeln auf die Mitglieder ausgeübt wird. Dieser Druck wird aber nicht bewusst wahrgenommen, da man ja von der göttlichen Aufgabe der Gemeinschaft überzeugt ist. Es entsteht aber eine gewisse seelische Abhängigkeit und negative Eindrücke, die durch ein schlechtes Gewissen erzeugt werden. Dieses Problem herrscht aber bei allen Gruppierungen vor, die streng religiös leben.

Es gibt unter Mormonen heute aber keine "dunklen Bestrafungen" oder Ähnliches. In den Anfängen der Kirche jedoch schon, was das Beispiel der Blutsühne belegt.
Der Druck erfolgt über die Psyche und das reicht in der Regel auch aus, um eine Gleichschaltung zu erreichen, denn letztendlich sollen alle gleich denken und fühlen. Die Individualität geht dabei in großen Teilen verloren.


Realwachstum der Mormonen

Das Gefälle zwischen Anzahl der Konvertierten und den tatsächlich Verbleibenden - einige Zahlen:

"Anwesenheit bei den Abendmahlsversammlungen variert erheblich. Asien und Lateinamerika haben eine wöchentliche Anwesenheitsrate von ungefähr 25%, Europa im Durchschnitt 35% ... Kanada, der Südpazifik und die USA im Durchschnitt zwischen 40 - 50%" (Encyclopedia of Mormonism, Hrsg. Daniel H. Ludlow, 1992, 4:1527, jeweils m. Üb.).

In Mexiko bleiben nur 19% der männlichen Mitglieder aktiv. Genug um das Melchezidekische Priestertum zu erhalten. In Japan sogar nur 17% (Lowell C. Bennion & Lawrence Young, Dialogue, Bd. 29:1, Spring 1996, S.19).

Wie sieht es in den Ländern aus, wo die Kirche in den letzten Jahren rapide wächst? Aktivitätsraten, sprich "Anwesenheit" in Ungarn: 28%; Tschechien: 25%; Polen: 25%. In etlichen Gegenden tauchen 30-40% der "Neubekkehrten" nach der Taufe nie wieder in der Kirche auf.

Höchste Anwesenheit ist in Süd-Utah und Westafrika zu finden: Um die 54%. (E. Dale LeBaron Devotional, Ricks College News Release, 5 April, 2001)

80% der Bekehrteninaktivität findet in den ersten zwei Monaten nach der Taufe statt. (Church Missionary Department Statistiken).

Präsident Hinckley ist der Wahrheit des momonischen Wachstum schon auf der Spur, wenn er sagt:

"Niemand gewinnt bei einer Taufe ohne Beibehaltung (engl. retention, gemeint ist 'bleibende Aktivität', m. Zus.) Der Missionar verliert, und während die Kirche statistisch dazgewinnt, leidet die Mitgliedschaft, wirklich, und der Enthusiasmus des Bekehrten verwandelt sich in Asche." (Gordon B. Hinckley, LDS Church News, 4 Juli, 1998)

Oder noch deutlicher Apostel Ballard:

"Wir können die Kirche nicht ohne wirkliches Wachstum etablieren - nicht nur Zahlen auf dem Papier." (M. Russell Ballard, Conversion and Retention Satellite Broadcast, 29 August, 1999)

Somit bleibt zu bemerken, dass die Mormonen zwar eine der schnellst wachsenden Religionen sind, sich dieses Wachstum aber nur auf die vordergründige Statistik bezieht, nicht aber auf das tatsächliche Wachstum, welches sich an der Anzahl verbleibender Mitglieder orientiert.


Welchen Glauben nehmen Exmormonen nach ihrer HLT-Mitgliedschaft an?
Umfrageergebnis (Aus einer Internetumfrage unter Ex-Mormonen):

Welcher Religion fühlen sie sich gegenwärtig verbunden?

Andere LDS-Sekten, RLDS (Reorganisierte), TLC etc.: 20 Stimmen = 3%

Fundamentalistisches, Protestantisches Christentum: 65 = 11%

Liberales, Protestantisches Christentum: 45 = 7%

Katholizismus: 32 = 5%

Atheismus, Agnostizismus/Keine Religionszugehörigkeit: 197 = 32%

Islam: 13 = 2%

Östliche Religionen, New Age: 20 = 3%

Unitarischer Universalismus: 21 = 3%

Noch immer Theist, jedoch nicht an organisierter Religion interessiert: 108 = 18%

Andere: 91 = 16%

Abgegebene Stimmen (Total 100%): 612

Quelle Deseret News.

 

 

Apostel Ballard und der Wunsch nach weniger sprachlichen Barrieren

Einige Gedanken zu seinen Aussagen in der Herbst-Generalkonferenz 2001. Ballard sagte u.A.:

"Ich denke es währe gut, wenn wir ein paar Ausdrücke aus unserem Vokabular entfernen würden: 'Nichtmitglied' und 'Nicht-Mormone'. Solche Ausdrücke können demütigend oder sogar überheblich sein. Ich persönlich bezeichne mich nicht als einen "Nicht-Katholiken" oder einen 'Nicht-Juden'. Ich bin ein Christ. Ich bin ein Mitglied der Kirche Jesu Christi Der Heiligen Der Letzten Tage. So möchte ich identifiziert werden - für was und wer ich bin, und nicht für das, was ich nicht bin. Lasst uns die selbe Geste denen entgegenbringen, die unter uns leben. Wenn man eine allgemeine Beschreibung braucht, dann trifft 'Nachbarn' in den meisten Fällen zu."

Was hier ausgedrückt wird ist unrealistisches Wunschdenken. In diesem Punkt - wie auch in anderen Punkten - stehen die Mormonen mit sich selbst im Widerspruch und sie werden diesen nicht auflösen können.

Ballard missachtet, wie andere Mormonen auch, dass die außenstehende Welt die Mormonen nicht als herkömmliche "Christen" anerkennen kann, weil die Religion nunmal von jeglichem ökumenischen Verständnis abweicht, synkretistisch ist und kultbehaftet. Aus diesen und anderen Gründen können die Mormonen nicht als gewöhnliche Glaubensgemeinschaft gewertet werden, sondern als sektenhafte Gruppierung.

So lange Mormonen die "Wir-sind-besser-als-andere-Einstellung" pflegen, wird es immer zu einer selbsterzeugten Ausgrenzung von der Gesellschaft kommen. Da hilft auch kein Wunschdenken.

Denn es heißt immer noch:
- Wir sind die einzig wahre Religion
- Wir haben die ganze Wahrheit, der Rest nur Teilwahrheit
- Nur wir haben einen lebenden Propheten
- Wir sind die "Heiligen"
- Wir sind reiner, keuscher, besser, ehrlicher
- Nur wir haben das wahre Evangelium
usw, usw, usw... die Liste ist lang.

Menschen mit einer solchen Einstellung werden immer eine Gesellschaft innerhalb einer Gesellschaft sein, ein Staat im Staat. Die einen gründen ein Kloster aus Mauern, die Mormonen sind die Mauern selbst.

Ballards Naivität in diesem Punkt ist nicht neu aber sehr bezeichnent für die Weltfremdheit und den Mangel an korrekter Selbsteinschätzung der Mormonen.
Er und andere Mormonenführer würden gut daran tun, einen Kurs zum Thema Soziologie oder Psychology zu besuchen. Aber bitte nicht an der BYU. Dies könnte den eigenen Horizont ein wenig erweitern. Aber ich gebe es zu - auch dies ist nur Wunschdenken.