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Joseph Smith ein Schatzsucher?
Ein seit über Hundert Jahren bestehender Streitpunkt zwischen Kritikern und der Kirche, ist die Frage, ob Joseph Smith, in Zusammenhang mit einem Seherstein, in fragwürdige Schatzsuchereien verwickelt gewesen ist. Während Kritiker immer wieder darauf hingewiesen haben, dass der Prophet, sowohl vor der Entdeckung des Buches Mormon, als auch währenddessen, mit solchen dubiosen Machenschaften zu tun hatte, wies die Mormonenkirche solches immer weit von sich. Wäre die Behauptung wahr, so würde das Hervorkommen des Buches Mormon und die Reputation von Joseph Smith erheblich in Frage gestellt werden und etliche Darstellungen, bezüglich der Entdeckung und der Übersetzung des Buches Mormon, würden in neues Licht gerückt werden. Doch zunächst drängt sich die Frage auf, ob man solchen Anschuldigungen denn wirklich Glauben schenken darf und ob es tatsächliche Beweise für diese Behauptungen gibt. Neben diversen Zeitzeugen, die Joseph Smith solcher Handlungen bezichtigt haben, gibt es das Protokoll einer Gerichtsverhandlung aus dem Jahre 1826, in dem Joseph Smith unter der Anklage stand, ein unordentlicher Mensch und Betrüger zu sein". Laut des Protokolls wurde der Prophet auch verurteilt und musste eine Geldstrafe bezahlen. Dieses Protokoll wurde erstmals im Jahre 1873 veröffentlicht und hat seither für viel Aufsehen gesorgt. Doch zunächst einige Auszüge aus dem angeblichen Protokoll unter Richter Albert Neely: Auf schriftliche Klage Vollzugsbescheid ausgestellt, unter Eid von Peter G. Bridgeman, der aussagt, dass ein gewisser Joseph Smith aus Bainbridge ein unordentlicher Mensch und Betrüger sein soll. Der Gefangene wurde am 20. März 1826 vor das Gericht geführt. Gefangenen überprüft: Obwohl mehrfach gedruckt, wurde das Bainbridge Gerichtsprotokoll nicht sehr bekannt, bis Fawn Brodie es in ihrem Buch No Man Knows My History veröffentlichte. Frau Brodie wurde für das Buch exkommuniziert und die Führer der Kirche bezeichneten das Protokoll als Fälschung.2 Apostel A. Widtsoe schrieb:Dieses angebliche Gerichtsprotokoll .... scheint ein buchstäblicher Versuch eines Feindes zu sein, Joseph Smith zu verunglimpfen...Es gibt keinen existierenden Beweis dafür, dass dieses Verhör jemals stattgefunden hat. " 3 Gelehrte der Kirche lehnten weiterhin die Echtheit des Protokolls ab, bis 1971 eine erstaunliche Entdeckung gemacht wurde. Pastor Wesley P. Walters fand ein Originaldokument, dass älter als die Kirche selbst war. Das Dokument, das im Keller eines Gefängnisses gefunden wurde, ist eine alte Rechnung von Richter Albert Neely, welche die involvierten Beträge aufzeigt, die bei verschiedenen Fällen 1826 aufkamen. Der fünfte Fall erwähnt: Joseph Smith, Der Glasschauer". Weiterhin zeigt das Dokument das genaue Datum des Prozesses und die festgelegte Strafe von $2.68! Hier eine Abbildung der Rechnung von Richter Neeley:
Es wurde zudem eine weitere Rechnung des Polizisten Philip M. De Zeng gefunden, in der er $1.25 gegen Joseph Smith geltend machte, für die Ausführung des Vollzugbescheids von Richter Neely. In der Rechnung erwähnte De Zeng auch seine Anwesenheit bei dem Gefangenen für zwei Tage und eine Nacht.4 Noch vor der Entdeckung der beiden Rechnungen, räumten Gelehrte der Kirche ein, dass der Prozess, wenn er den wirklich jemals stattgefunden hätte, Joseph Smith erheblich misskreditieren würde. Dr. Francis W. Kirkham schrieb: Eine bedachte Betrachtung aller Fakten, bezüglich dieses vorgegebenen Eingeständnisses von Joseph Smith in einem Gerichtsverfahren, über das Benutzen eines Sehersteines, um versteckte Schätze zu finden, in der Absicht des Betruges, führt zu der Schlussfolgerung, dass solch ein Protokoll niemals erstellt wurde, und existiert deshalb nicht.... wenn er [Joseph Smith] dieses Eingeständnis 1826 in einem Gerichtsverfahren gemacht hätte, also vier Jahre vor dem Druck des Buches Mormon, und dieses in einem Gerichtsprotokoll enthalten gewesen wäre, wäre es unmöglich für ihn gewesen, die wiederhergestellte Kirche zu organisieren. " 5Und Hugh Nibley führt an: ... wenn dieses Gerichtsprotokoll authentisch ist, dann ist es der verwerflichste, existierende Beweis gegen Joseph Smith. "6 Nach der Entdeckung der Rechnung von Richter Neely, war es zunächst still um die Verteidiger der Kirche, wie Nibley und andere. Professor Marvin S. Hill von der Brigham Young University war der erste, der sich an das Thema heranwagte. Er schrieb: Es gibt nun wenig Zweifel daran, wie ich an anderen Stellen bereits aufgezeigt habe, dass Joseph Smith 1826 vor Gericht gebracht wurde mit einer Anklage, die nicht ganz klar in Zusammenhang mit Schatzsucherei steht.... Für den Historiker, der an dem Mann Joseph Smith interessiert ist, scheint es nicht unvereinbar, dass er einerseits mit einem Seherstein nach Schätzen gesucht hat und andererseits diesen dann in vollem Glauben genutzt hat, um Offenbarung zu empfangen. " 7Der frühere Kirchenhistoriker Leonard J. Arrington schrieb dazu: Smiths eingestandene Beschäftigung bei Josiah Stowel resultierte 1826 in einem Gerichtsverfahren, in dem er entweder für das Vagabundieren oder unordentliches Benehmen angeklagt wurde. Rechnungen des örtlichen Richters und des Polizisten weisen auf Smith als einen 'Glasschauer' hin. Die Rechnungen klassifizieren den Verstoß als Übertretung und zeigen auf, dass wenigstens zwölf Zeugen vorgeladen wurden. " 8 Joseph Smith selbst gab in der History of the Church an, dass er von einem alten Herrn, mit dem Namen Josiah Stowel, angeheuert wurde: ..er nahm mich mit, gemeinsam mit den anderen Männern, um nach der Silbermine zu graben,.. Von dort her stammt die sehr vorherrschende Geschichte, dass ich ein Schatzsucher gewesen sei. " 9 Smith führt hier jedoch nicht an, dass er einen Seherstein benutzte, um Schätze zu finden und erwähnt auch nicht die Verhaftung in Bainbridge. Der Kirchenhistoriker B.H. Roberts schreibt jedoch: In der Nähe von Bainbridge gab es eine größere Höhle,... eine örtliche Legende besagte, dass diese eine alte Mine der Spanier sei, die darin viele Schätze, die sie fanden, verborgen hätten,... Mr. Stowel glaubte an diese Legende und stellte Männer ein, um die Höhle nach Schätzen zu durchsuchen. Nachdem er von Joseph Smiths Gabe des Sehens gehört hatte, ging er zu seinem Haus, um ihn einzustellen.. " 10 Während Kirchenhistoriker, wie Leonard J. Arrington, die Schatzsucherei
Joseph Smiths eher als eine Art unschuldige Modeerscheinung des 19. Jahrhunderts bezeichnen,
ähnlich der Astrologie oder des Gesundheitsfanatismus heute
11,
wirft die Geschichte doch ein fragwürdiges Licht auf den Mann, der die Kirche Jesu
Christi in den letzten Tagen wiederherstellen sollte. Weniger deswegen, weil der junge
Joseph sich vielleicht einem Aberglauben hingegeben hat und man dafür heute sicher
nicht mehr verurteilt werden würde, als mehr wegen der Tatsache, dass der Seherstein in
direkte Verbindung mit dem Hervorkommen, der Übersetzung und dem Inhalt des Buches Mormon
gebracht werden kann. Gott hatte sich demnach ein Werkzeug ausgesucht, mit dem er über
einen Engel kommunizierte und ihm verborgene Platten zeigte, während dieser zur gleichen
Zeit (zwischen 1823 und 1826) mit einem selbstgefundenen Stein
12 nach allerart Schätzen
suchte. Fußnoten 1 Fraser's Magazine, Februar 1873, Band 7, S. 229-230. Zitiert in Major Problems of Mormonism, von Jerald und Sandra Tanner, S. 122-123 2 Deseret News, Church Section, 11. Mai 1946 3 John A. Widtsoe, Joseph Smith - Seeker After Truth, 1951, S.78 4 Siehe Fotografie in Mormonism - Shadow or Reality. S.35 von J. und S. Tanner 5 Francis W. Kirkham, A New Witness For Christ in America, Band 1. S.385-387 6 Hugh Nibley, The Myth Makers, 1961, S.142 7 Marvin S. Hill, Dialogue: A Journal of Mormon Thought, Winter 1972, S.77-78 8 Leonard J. Arrington. The Mormon Experience, 1979, S.10-11 9 History of the Church, Band 1, S.17 10 B.H. Roberts, A Comprehensive History of The Church of Jesus Christ of Latter-Day Saints, Band 1, S.82 11 Leonard J. Arrington. The Mormon Experience, 1979, S.12 12 Joseph Smith fand seinen Seherstein, während er mit einem seiner Brüder einen Brunnen ausgrub. B.H. Roberts, A Comprehensive History of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, Band 1, S.129 |